Was jetzt besonders wichtig ist: Vertrauen

Brüggemanns prüfender Blick Was jetzt besonders wichtig ist: Vertrauen

Jeden Freitag um 09:40 Uhr und 16:10 Uhr kommentiert Klassikexperte Axel Brüggemann das Geschehen aus Klassik und Kultur.

Brüggemanns prüfender BlickFoto: Klassik Radio AG

Es war klar. Es wird kommen. Wenn die Festspielzeit beginnt, wird es sich kaum vermeiden lassen, dass es Corona-Fälle gibt. Da ist die Klassik nicht anders als die Olympischen Spiele: Egal, wo Menschen aufeinandertreffen – das Risiko ist immer da!

Um so wichtiger ist Vertrauen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen ging, als Sie die Fußball EM geschaut haben. Ich habe auch das letzte Vertrauen in die UEFA verloren. Das war zum Teil verantwortungslos. Und ich rede noch nicht einmal von Regenbogen.

Ganz anders unsere Kulturbetriebe. Sie haben schon während der Pandemie gezeigt, dass sie sich mit Sicherheitskonzepten auskennen. Dass sie Kunst ermöglichen, aber Künstlerinnen und Künstler schützen wollen. Und, ja: es gibt dabei keine 100prozentige Sicherheit. 

Schnelle Reaktion in Salzburg

Das mussten die Salzburger Festspiele diese Woche erkennen: Ein Besucher wurde am Tag nach dem "Jedermann" positiv getestet, aber das Ticketsystem erlaubt Kontaktnachverfolgung. Einige dutzend Zuschauerinnen und Zuschauer, die in der Nähe saßen, wurden informiert, haben sich wahrscheinlich aber nicht angesteckt.

Dennoch: In Salzburg wird nun wieder Maske getragen. Die Festspiele haben gezeigt: Sie sind perfekt vorbereitet, transparent und handeln im Fall der Fälle professionell.

Ähnlich das Grafenegg-Festival in Österreich: Nachdem ein Mitglied des Orchesters positiv getestet wurde, musste die Grafenegg Academy abgesagt werden. Auch das ist konsequent. Auch hier soll in den Konzerten nun Mundschutz getragen werden.

 

Und, ja: man ist das schon gar nicht mehr gewohnt: Auch ich musste mich in Bregenz erst wieder erinnern, wie das war: 200 Menschen in einem Saal, ohne Abstand, ohne Schachbrett, ohne Mundschutz – drei Stunden lang. Eine wunderschöne Oper lang.

Und dann bin ich weiter gefahren nach Bayreuth – für die Kinoübertragung am Sonntag. Und habe am eigenen Leib gemerkt, wie ausgeklügelt die Konzepte sind: Auf dem Festspielgelände steht ein eigenes Testcenter für Antigen und PCR-Tests, jeder muss – je nach Arbeitsplatz täglich getestet werden, egal, ob geimpft oder nicht. Es gibt zwei Orchester, um notfalls wechseln zu können, und das Publikum sitzt mit Abstand im Schachbrett: Geimpft, getestet oder genesen.

Ich finde: all das ist sehr verantwortungsvoll. Unsere Kulturinstitutionen machen das großartig. Mein Vertrauen haben sie. Und ja: auch wenn mir am Anfang etwas mulmig war, ich fühle mich ziemlich sicher in der Oper - im Vergleich zu vielen anderen Orten unseres öffentlichen Lebens sicherlich auch einer der sichersten Orte.  

(23.07.2021/ A. Brüggemann)

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