Wenn Kunstwerke eine eigene Melodie bekommen

Pixel-Musik Wenn Kunstwerke eine eigene Melodie bekommen

Wie klingt die Welt? Wie klingt ein Pinselstrich? Wie klingt eine Fotografie? Der Komponist Simon Stockhausen vertont Bilder.

Wenn Kunstwerke eine eigene Melodie bekommen Foto: Simon Stockhausen

Musik für jeden Pixel

Bei einem Blick auf ein Foto oder auch ein Gemälde können viele verschiedene Emotionen entstehen. Oft interpretieren Menschen bestimmte Kunstwerke vollkommen unterschiedlich. Die bildende Kunst ist etwas ganz persönliches. Nicht anders ist die Musik: Emotionsgeladen und intim. Der Komponist Simon Stockhausen verknüpft diese beiden Parallelen der gesehenen und gehörten Kunst. Er komponiert Pixel-Musik: Mit einer Software, einem Synthesizer, vielen verschiedenen Instrumenten und den Geräuschen der Welt vertont er Bilder.

Wenn man versucht die Hauptlinien eines Kunstwerks herauszuarbeiten, hat jedes Bild seine eigene Melodie.
Simon Stockhausen

Schnittstelle zwischen Musik und bildende Kunst

Inspiriert haben ihn dazu seine Eltern, die Künstlerin Mary Bauermeister und der Komponist Karlheinz Stockhausen. „Ich halte mich schon länger an der Schnittstelle Musik und bildende Kunst auf, auch durch die Arbeit meiner Mutter“, erzählt Stockhausen im Gespräch mit Klassik Radio, „[...] Seitdem die Computer schnell genug sind, ist es eben möglich Bilder auszulesen und aus den Pixelinformationen Klänge und musikalische Texturen zu erzeugen.“

In seiner Musik verarbeitet der Komponist auch die Geräusche um ihn herum: Das Zwitschern der Vögel, oder das Rauschen des Winds. 

Simon Stockhausen fängt Töne ein
Foto: Simon Stockhausen

Farben sind nicht entscheidend

Für die Pixel-Musik spielen die Farben nicht unbedingt eine große Rolle: „Kontrast, Helligkeit, Form und Relief. Die Farben sind eigentlich eher verantwortlich für das Stereobild […] Sie haben eine X- und eine Y-Achse. Die X-Achse ist die Zeit und die Y-Achse die Tonhöhe. Der Kontrast, Helligkeit und Form sind der Rhythmus. Das heißt, wenn ich ein Bild habe und in der oberen Ebene sind helle Pixel, während es unten eher dunkel ist, werden hohe Frequenzen angelegt.“

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Eine neue Quelle der Inspiration

Mit dieser Technik gelingt es dem Künstler jedem Bild eine eigene Melodie, einen eigenen musikalischen Charakter zu geben: „Das kann sphärisch sein, aber genauso gut rhythmisch. Man kann den Klang der Pixel-Musik nicht genau definieren.“ An der Vertonung eines Bildes kann er wenige Stunden, manchmal aber auch mehrere Tage sitzen. Dabei geht es am Ende nicht darum, dass der Zuhörer vor seinem inneren Auge das Bild wiedersieht. Die Bilder dienen dem Komponisten hauptsächlich als Inspirationsquelle und eröffnen ihm Welten, auf die er selbst nicht gekommen wäre.

Musik, die aus Pixeln und Pinselstrichen entsteht. Eine neue Art der Inspiration und eine Möglichkeit Töne nicht nur zuhören, sondern auch zu sehen.

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