Wie ehrlich bewerten Sängerinnen ihre Kunst?

Selbsteinschätzung Wie ehrlich bewerten Sängerinnen ihre Kunst?

Eine Studie hat untersucht, wie ehrlich sich Sängerinnen bewerten und wie gut ihre Selbsteinschätzung ist.

Wie ehrlich bewerten Sängerinnen ihre Kunst?Foto: Photo by Joshua Hanson on Unsplash

Klischee der Operndiva

Sich selbst und das eigene Können einzuschätzen ist gar nicht so einfach. Manche Menschen überschätzen sich und andere gehen mit sich oftmals viel zu hart ins Gericht. In der Klassikwelt sind wohl beide Typen vertreten, aber gerade Opernsängerinnen haftet das Klischee der Diva an und das wurde jetzt im Zusammenhang mit einer überhöhten Selbsteinschätzung nochmal bestätigt.

Dieses Klischee bringt man schon seit dem 18. Jahrhundert mit Opernsängerinnen in Verbindung. Zunächst war "Diva" jedoch ein ehrenhafter Beiname. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bekam das Wort im Deutschen einen faulen Beigeschmack. Als erste Operndiva galt Maria Malibran.

Adelina Patti galt als die größte Operndiva des 19. Jahrhunderts

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Die Studie

Das Frankfurter Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik, die New York University und die Universität Hamburg haben im Rahmen einer Studie untersucht, wie gut professionelle Sopranistinnen ihren eigenen Gesang bewerten können. Dafür wurden achtzehn Berufssängerinnen von den Forschern und Forscherinnen dazu eingeladen, in einem Studio das Lied „Happy Birthday“ einzusingen. Daraufhin sollten die Musikerinnen ihre eigene Aufnahme und die ihrer Kolleginnen anhören und bewerten. Eines der Kriterien war beispielsweise die Tonhöhengenauigkeit.

Ergebnisse der Studie

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass die meisten Teilnehmerinnen sich selbst sehr überschätzten. Über 50% der Probandinnen stuften ihr eigenes Können besser ein, als es eigentlich war. Mit ihren Kolleginnen gingen sie allerdings viel härter ins Gericht. Lediglich eine Sopranistin bewertete ihre Leistung vollkommen richtig, heißt ihre Selbsteinschätzung war deckungsgleich mit ihrer tatsächlichen Tongenauigkeit.

Die Studie zeigte außerdem: Musikerinnen, die sich selbst schlechter eingeschätzt hatten, als sie eigentlich waren, wiesen eine höhere Treffsicherheit bei der Tonhöhe nach als diejenigen, die sich von vorneherein als besser eingeschätzt hatten. Bescheidenheit ist also auch im Gesang nicht verkehrt.

Wer die Teilnehmerinnen waren, wurde übrigens nicht veröffentlicht.

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