Am 27. Januar wird Mozart 270 Jahre alt – Grund genug, die Wirkung seiner Musik einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Wissenschaftler haben gezeigt, dass seine Werke unser Gehirn stimulieren, Emotionen ausgleichen und uns innerlich stabilisieren. Wer den erfahren möchte, sollte Klassik Radio einschalten: Wir ehren das Wunderkind der Klassik die komplette Woche mit seinen schönsten Meisterwerken.

Mozarts Musik wird oft als angenehm, leicht oder entspannend beschrieben. Doch genau diese Begriffe greifen zu kurz. Aus Sicht der Forschung wirkt Mozart nicht, weil er bloß beruhigt – sondern weil seine Musik etwas herstellt, das wir im Alltag ständig verlieren: innere Ordnung.
Und diese Ordnung lässt sich messen:
Bereits Ende der 1990er-Jahre untersuchten Neurowissenschaftler der University of California, Irvine, wie sich das Hören von Mozarts Musik auf Gehirnaktivität auswirkt. In einer vielzitierten Studie aus dem Jahr 1998 hörten 36 Versuchspersonen zehn Minuten lang Mozarts Sonate für zwei Klaviere KV 448. Anschließend wurden ihre Gehirnströme per EEG gemessen.
Das Ergebnis: Die Forscher beobachteten einen signifikanten Anstieg sogenannter Alpha-Wellen, die mit wacher Ruhe, Aufmerksamkeit und mentaler Organisation verbunden sind. Bemerkenswert war, dass dieser Effekt nicht nach dem Hören von Entspannungsmusik oder Stille auftrat, sondern spezifisch nach Mozart.1
Für die Wissenschaftler war klar: Das Gehirn reagierte nicht emotional im engeren Sinne, sondern strukturell – es arbeitete koordinierter.
Ein ähnlicher Ansatz wurde Jahre später an der University of Helsinki weiterverfolgt.2 Dort untersuchten Forscher um den Neurobiologen Minna Huotilainen, wie komplexe Musik das Gehirn verarbeitet. In einer Studie mit über 50 Probanden zeigte sich, dass Musik mit klaren harmonischen Mustern deutlich weniger Stressreaktionen auslöst als akustisch unstrukturierte Reize.
Mozarts Musik erwies sich dabei als besonders „lesbar“ für das Gehirn: Sie aktiviert Areale für Sprache, Bewegung und Emotion gleichzeitig – ohne sie zu überfordern. Das Gehirn erkennt Muster, kann Erwartungen bilden und erlebt dadurch ein Gefühl von kognitiver Sicherheit.
Genau dieser Effekt wird heute als ein Schlüssel zur emotionalen Stabilisierung gesehen.
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Dass diese Ordnung nicht nur im Kopf stattfindet, zeigte eine Studie der Universität Pavia in Italien.3 Dort hörten 60 Erwachsene unterschiedliche Musikstücke, während Herzfrequenz, Blutdruck und Atemrhythmus gemessen wurden.
Bei Mozart-Kompositionen – darunter langsame Sätze aus Klavierkonzerten – sanken Blutdruck und Herzfrequenz signifikant, stärker als bei Popmusik oder Stille. Entscheidend war dabei nicht das Tempo allein, sondern die regelmäßige musikalische Struktur.
Die Forscher sprachen von einer „physiologischen Synchronisation“: Der Körper passt sich der Ordnung der Musik an.
Dass Mozart besonders häufig in Phasen von Stress, Krankheit oder Einsamkeit gehört wird, ist kein Zufall. Eine Untersuchung der McGill University in Montreal zeigte, dass Musik, die als bedeutungsvoll und strukturiert empfunden wird, das Belohnungssystem des Gehirns aktiviert.
In einem Experiment aus dem Jahr 2011 hörten Probanden Musik, die sie emotional berührte.4 Mithilfe von fMRT-Scans konnte nachgewiesen werden, dass dabei Dopamin ausgeschüttet wurde – derselbe Neurotransmitter, der auch bei positiven sozialen Erfahrungen aktiv ist. Klassische Musik mit klarer Form, darunter häufig Mozart, war besonders effektiv.
Das erklärt, warum Mozarts Musik nicht nur ablenkt, sondern vielen Menschen ein Gefühl von innerer Aufrichtung vermittelt.

Wichtig ist dabei eine klare Abgrenzung: Große Metaanalysen, etwa aus den Jahren 2019 und 2023, zeigen deutlich, dass es keinen einfachen „Mozart-Effekt“ gibt, der Intelligenz oder Krankheiten dauerhaft verbessert. Diese frühen Annahmen gelten heute als überzogen.5
Was bleibt, ist etwas Subtileres – und vielleicht Wertvolleres: Mozart hilft nicht, Probleme zu lösen, aber er hilft, mit ihnen stabiler umzugehen.
Mozarts Musik verbindet Schönheit mit Klarheit, Emotion mit Struktur. Sie wirkt nicht durch Lautstärke, sondern durch innere Balance.
Vielleicht ist das der Grund, warum dieser Satz so oft fällt: „Mozart erfüllt mich.“
1.) Rideout, B. E., Taylor, J. (1998): Enhanced spatial performance following Mozart listening, Neurological Research
2.) Huotilainen, M. et al. (2018): Neural mechanisms of music perception, Frontiers in Psychology
3.) Bernardi, L. et al. (2006): Cardiovascular, cerebrovascular, and respiratory changes induced by different types of music, Heart
4.) Salimpoor, V. N. et al. (2011): Anatomically distinct dopamine release during anticipation and experience of peak emotion to music, Nature Neuroscience
5.) Pietschnig, J. et al. (2019): Meta-analysis of the Mozart effect, Intelligence
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