Sie wirkt wie ein Schildkrötenpanzer oder ein blechernes Ufo – auf den ersten Blick scheint die Handpan ein sonderbares Spielgerät zu sein. Doch wer einmal ihren faszinierenden Klang und ihre perkussive Kraft erlebt hat, den lässt sie so schnell nicht mehr los. Anders ist der weltweite Siegeszug dieses noch jungen Musikinstruments kaum zu erklären. Gemeinsam mit dem renommierten Handpan-Spieler Malte Marten haben wir uns das Instrument genauer angeschaut – und festgestellt: Zu spielen ist es gar nicht so schwer.

Wer zum ersten Mal eine Handpan ausprobiert, gewinnt erstaunlich schnell das Gefühl, sie bereits zu beherrschen. Ein sanfter Schlag auf ein Tonfeld, der nächste auf ein anderes – und augenblicklich erklingt eine harmonische Melodie. Das liegt jedoch weniger am spontan entdeckten Talent als am Aufbau des Instruments: Die Tonfelder folgen einer festen Skala und sind so perfekt aufeinander abgestimmt, dass störende Disharmonien fast von selbst ausbleiben.
Handpan-Profi Malte Marten ist deshalb überzeugt, jedem Anfänger im Handumdrehen die Grundlagen vermitteln zu können. Im Interview mit Klassik Radio Redakteurin Valeska Baader erklärt er:
Ganz ohne Nuancen möchte Marten diese Aussage jedoch nicht stehen lassen. Die Behauptung, auf einer Handpan ließen sich gar keine falschen Töne spielen, greift ihm zu kurz. „Richtig“ und „falsch“ existieren in der Musik ohnehin nicht im absoluten Sinne: Manche Tonabfolgen wirken vertraut und beruhigend, andere erzeugen Reibung oder verlangen dem Gehör etwas ab. Die Handpan macht es Spielenden durch ihre festgelegte Tonskala lediglich besonders leicht, Wohlklang zu erzeugen.
Diese Begrenzung ist zugleich die größte Besonderheit des Instruments: Wer in einer völlig anderen Tonart musizieren möchte, benötigt meist ein zweites Instrument. Marten selbst besitzt nach eigener Aussage rund 50 Exemplare.
Wer zum ersten Mal einer Handpan lauscht, ist meist weniger von Tonskalen fasziniert als vom außergewöhnlichen Timbre des Instruments. Marten vergleicht die Klangcharakteristik mit einer „Stahlharfe“: Von der Harfe stamme das weiche, umhüllende Element, während die reichhaltigen Obertöne eine feine Brillanz beisteuern, die an eine Triangel erinnert.
Obwohl eine Handpan mit etwa 50 Zentimetern Durchmesser eher kompakt ausfällt, entfaltet sie ein erstaunlich raumfüllendes Klangvolumen. Das Geheimnis liegt in ihrer Physik: Der hohle Innenraum fungiert als Helmholtz-Resonator – ein Prinzip, das auch dem Korpus von Streich- oder Zupfinstrumenten Fülle verleiht. Beim Anschlagen schwingt nicht nur die Grundfrequenz des jeweiligen Feldes; die Luft im Hohlkörper schwingt mit und verstärkt vor allem die tiefen Resonanzen. Aus dieser Synthese von obertonreicher Schwebung und warmer Tiefe speist sich die beruhigende Wirkung, die viele Menschen beim Zuhören empfinden.
Im Vergleich zu Traditionsinstrumenten wie Geige, Klavier oder Orgel ist die Handpan ein junger Neuling. Ihre Entstehungsgeschichte reicht bis ins Jahr 2000 nach Bern zurück: Dort entwickelten Felix Rohner und Sabina Schärer (PANArt) das sogenannte „Hang“ – inspiriert durch den Wunsch des Musikers Reto Weber nach einer Stahltrommel, die sich mit den Händen statt mit Schlägeln spielen lässt. Wichtige Klangeinflüsse lieferten die karibische Steel Drum sowie indische Percussion-Instrumente wie das Ghatam. Der Begriff „Handpan“ etablierte sich ab 2007 als Gattungsbezeichnung, als weitere Instrumentenbauer das Grundprinzip aufgriffen.
Der Weg von zwei einfachen Stahlschalen zum ausgetüftelten Klangkörper erfordert höchste handwerkliche Präzision:
Beim Spielen wird deutlich, warum diese Abstimmung millimetergenau sein muss: Die Hand berührt das Feld nur für einen winzigen Bruchteil einer Sekunde und zieht sich sofort zurück, um die freie Entfaltung der Schwingung nicht zu dämpfen.
In der Einsteigerklasse begegnet man besonders häufig der Stimmung „D Kurd“. Ihre Dominanz erklärt Marten weniger mit technischer Überlegenheit als mit der Evolution der Szene: Ein Großteil des Lehrmaterials, der Workshops und Tutorials baut auf dieser Skala auf, was Neulingen den Einstieg durch schnelle Lernerfolge erleichtert.
Eine uneingeschränkte Empfehlung spricht Marten dafür heute jedoch nicht mehr aus. Moderne Instrumente bieten Möglichkeiten, die vor einigen Jahren noch undenkbar waren – etwa ergänzende Tonfelder auf der Unterseite. Während die Oberseite für Melodielinien genutzt wird, steuern die unteren Felder Fundament und Bass bei. Anfängern rät der Profi mittlerweile eher zur Stimmung „E Amara“, da diese klanglich noch etwas harmonischer abgestimmt sei und kleine Fehler beim Anschlag verzeihe.
Wie schnell der Einstieg tatsächlich gelingen kann, zeigt Malte Marten in diesem kurzen Video – hier führt er euch durch die ersten Schritte auf der Handpan:
Die Handpan nimmt Anfängern viele Hürden ab, die bei anderen Instrumenten Geduld erfordern. Man muss weder komplizierte Griffe einstudieren noch eine schwierige Ansatztechnik erlernen – ein sanfter Impuls genügt, um Wohlklang zu erzeugen.
Dass beruhigende, obertonreiche Frequenzen das Wohlbefinden steigern, deckt sich auch mit Erkenntnissen der vergleichenden Musikforschung: So belegt etwa eine Studie der Universität Marburg, dass gezielt eingesetzte Entspannungsmusik physiologische Stressparameter wie den Cortisolspiegel nachhaltig senken kann.
Was letztendlich nach den ersten fünf Minuten folgt, ist eine Frage der Haltung. Technische Expertise bleibe laut Martens zweitrangig. Was eine Darbietung wahrhaft berührend mache, seien emotionale Präsenz, Gefühl und der Mut zum eigenen musikalischen Ausdruck. Für Malte Marten bemisst sich die Qualität des Spiels keineswegs an rasanter Spieltechnik:
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