Die Handpan: In fünf Minuten einfach losspielen?

Die Handpan: In fünf Minuten einfach losspielen?

Ihre Form ist unverkennbar: zwei gewölbte Metallschalen, die zusammen ein wenig an einen Schildkrötenpanzer erinnern. Doch das eigentlich Besondere an der Handpan zeigt sich erst, wenn man sie spielt. Mit den Händen lassen sich ihr sowohl klare, schwebende Töne als auch perkussive Rhythmen entlocken. Gerade dieser warme, oft als entspannend empfundene Klang hat zur weltweiten Beliebtheit des noch jungen Instruments beigetragen. Gemeinsam mit dem renommierten Handpan-Spieler Malte Marten haben wir uns das Instrument genauer angeschaut – und festgestellt: Zu spielen ist es gar nicht so schwer.

HandpanFoto: Foto: Julia Baier

Wer zum ersten Mal eine Handpan ausprobiert, merkt meist schnell, wie leicht sich dem Instrument schöne Klänge entlocken lassen. Schon mit wenigen Anschlägen auf unterschiedliche Tonfelder entstehen Melodien, die harmonisch und stimmig klingen. Das liegt nicht unbedingt am musikalischen Talent des Spielers, sondern vor allem am Instrument selbst. Denn die Tonfelder der Handpan gehören zu einer festgelegten Tonskala und sind so aufeinander abgestimmt, dass viele Tonkombinationen ganz natürlich miteinander harmonieren.

Handpan-Profi Malte Marten ist daher überzeugt, dass er jedem Anfänger in nur 5 Minuten die Grundlagen des Handpan-Spiels beibringen könnte, wie er im Interview mit Klassik Radio Redakteurin Valeska Baader erzählt:

Ich würde fünf Minuten erzählen, wie Musik grundsätzlich funktioniert und wie man das auf die Handpan anwenden kann. Nach fünf Minuten kann man dann direkt anfangen, loszuspielen.

Malte Marten
Musiker und Handpan-Profi

Dass man auf einer Handpan aber keine falschen Töne spielen kann – ganz so einfach möchte Marten es nicht formulieren. „Richtig“ und „falsch“ gebe es in der Musik schließlich nicht grundsätzlich. Manche Tonfolgen empfinden wir als harmonisch, andere erzeugen Spannung oder wirken für unsere Ohren ungewohnt. Durch die festgelegten Tonskalen macht es die Handpan ihren Spielern aber vergleichsweise leicht, Musik zu spielen, die harmonisch klingt. Diese Begrenzung ist gleichzeitig auch eine Besonderheit des Instruments. Wer eine völlig andere Tonskala möchte, braucht in der Regel eine andere Handpan. Marten selbst besitzt nach eigener Aussage rund 50 davon.


Der besondere Klang der Handpan

Wer eine Handpan zum ersten Mal hört, dürfte allerdings weniger über Tonskalen als über ihren ungewöhnlichen Klang stolpern. Marten vergleicht ihn mit dem Klang einer „Stahlharfe“. Von der Harfe habe sie das Weiche, gleichzeitig entstehe durch die zahlreichen Obertöne eine Brillanz, die Marten etwa an eine Triangel erinnert. Insgesamt habe das Instrument für ihn eine „ganz weiche, so eine umarmende Klangqualität“.

Dabei ist eine Handpan mit rund 50 Zentimetern Durchmesser gar nicht besonders groß. Ihr Klang kann trotzdem überraschend raumfüllend sein. Beim Anschlagen eines Tonfeldes gerät der Stahl in Schwingung und erzeugt neben dem Grundton zahlreiche Obertöne. Diese werden vom hohlen Körper des Instruments getragen. Genau diese Kombination aus weichem Klang und Obertonreichtum macht Marten auch dafür verantwortlich, dass viele Menschen Handpan-Musik als entspannend empfinden.


Malte Marten spielt Handpan
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Lassen Sie den Alltag hinter sich und tauchen Sie ein in die faszinierende Welt der Handpan. Warme, sanft fließende Klänge schenken Raum für Entspannung, Achtsamkeit und neue Kraft – exklusiv kuratiert von Malte Marten.


Zwei Stahlschalen für den weichen Klang

Im Vergleich zu Geige, Klavier oder Orgel ist die Handpan ein Neuling in der Musikszene. Ihre Geschichte reicht gerade einmal rund 25 bis 30 Jahre zurück. Als wichtige Einflüsse nennt Marten unter anderem die Steel Drum aus der Karibik und die indische Ghatam, ein traditionelles Perkussionsinstrument aus Ton. Aus verschiedenen musikalischen und instrumentenbaulichen Einflüssen entwickelte sich schließlich die heutige Form der Handpan, deren Tonfelder direkt mit den Händen angeschlagen werden.

Dass die Handpan trotz ihrer überschaubaren Größe so voll klingt, hängt unmittelbar mit ihrem Aufbau zusammen. Das Instrument besteht aus zwei gewölbten Stahlschalen, die miteinander verbunden werden und im Inneren einen Hohlraum bilden. Dieser wirkt als Resonanzkörper und sorgt dafür, dass die Schwingungen des Stahls länger getragen werden.

Bis aus den beiden Schalen ein spielbares Instrument wird, sind allerdings einige Arbeitsschritte nötig. Zunächst werden die Schalen heute meist maschinell in ihre Grundform gebracht. Anschließend werden die einzelnen Tonfelder angelegt und der Stahl gezielt bearbeitet, um die für die jeweiligen Töne nötigen Spannungsverhältnisse zu erzeugen. Danach beginnt die eigentliche Stimmung. Mit kleinen Hammerschlägen wird die Spannung im Stahl gezielt verändert, bis jedes Feld die gewünschte Tonhöhe erzeugt. Marten beschreibt die Tonfelder deshalb wie „viele einzelne Trommeln“, die jeweils für sich gespannt werden. Damit diese Stimmung auch hält, wird die Schale mehrfach erhitzt. Der Stahl verändert sich dabei wieder, anschließend muss nachgestimmt werden. Dieser Wechsel aus Erhitzen und Hämmern wiederholt sich mehrere Male, bevor Ober- und Unterseite miteinander verklebt werden.

Beim Spielen zeigt sich, warum diese Arbeit so genau sein muss. Die Hand schlägt ein Tonfeld nur kurz an und löst sich sofort wieder davon, damit der Stahl frei schwingen kann. Je nach Größe und Spannung der Fläche entstehen unterschiedliche Tonhöhen. Der Resonanzkörper verstärkt diese Schwingungen und trägt sie weiter – aus einem kurzen Anschlag entsteht so der charakteristische, lange nachklingende Ton.


Welche Handpan sich für Anfänger eignet

Eine Stimmung begegnet Anfängern bei Handpans besonders häufig: „D Kurd“. Ihre Verbreitung erklärt Marten weniger mit einer besonderen klanglichen Überlegenheit als mit der Entwicklung der Handpan-Szene. Über Jahre wurde viel Unterricht genau auf dieser speziellen Handpan aufgebaut; entsprechend groß ist heute das Angebot an Onlinekursen, Workshops und YouTube-Videos. Wer mit einer D Kurd Handpan anfängt, findet deshalb besonders viel Material zum Lernen und macht dadurch häufig schnell Fortschritte auf dem Instrument.

Marten selbst würde einem Anfänger inzwischen aber nicht zwangsläufig diese Variante empfehlen. Moderne Handpans bieten heute Möglichkeiten, die vor 15 Jahren noch deutlich seltener waren. Bei sogenannten Extended Handpans befinden sich zusätzliche Tonfelder auf der Unterseite des Instruments. Dadurch lässt sich der Tonumfang erweitern und beispielsweise um tiefere Töne ergänzen. Für Marten bekommt das Instrument dadurch mehr „Tiefe und Vollständigkeit“. Er selbst würde Einsteigern mittlerweile zu einer E Amara Handpan raten, da sie sich sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene sehr gut eignet.


Selbst ausprobieren: Malte Marten zeigt wie

Wie schnell der Einstieg tatsächlich gelingen kann, zeigt Malte Marten in diesem kurzen Video – hier führt er euch durch die ersten Schritte auf der Handpan:

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Gefühl wichtiger als Technik

Die Handpan nimmt Anfängern einige Hürden ab, die andere Instrumente zunächst mitbringen. Die Auswahl der Töne ist begrenzt, viele davon passen harmonisch zusammen und ein Klang entsteht schon durch einen kurzen Anschlag mit der Hand. Man muss also nicht erst Griffe lernen, Saiten sauber greifen oder eine komplizierte Tonerzeugung beherrschen, bevor überhaupt Musik entstehen kann.

Was nach den ersten fünf Minuten kommt, ist dann eine andere Frage. Denn, dass sich schnell etwas Harmonisches spielen lässt, bedeutet für Marten nicht, dass es beim Handpan-Spiel nur darum geht, möglichst viele Techniken zu beherrschen:

Es gibt für mich keine guten Spieler. Es gibt für mich Spieler, die mit Herz spielen, und es gibt Spieler, die ohne Herz spielen.

Malte Marten
Musiker und Handpan-Profi

Technische Expertise sei für ihn zweitrangig; entscheidender seien Gefühl, Präsenz und ein eigener musikalischer Ausdruck.


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Valeska Baader / 01.10.2026
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