Szene aus der Serie "Squid Game"
Youngkyu Park / Netflix
Szene aus der Serie "Squid Game"
Klassik in "Squid Game"

Der Soundtrack der Erfolgsserie „Squid Game“

Die koreanische Serie „Squid Game“ begeistert die Netflix-Nutzer weltweit. Ein besonderes Stilmittel der Serie: Klassische Musik.

Wovon handelt "Squid Game"?

Eine schaurige, verstörende und gleichzeitig fesselnde Serie ist zur Zeit auf Platz eins der Netflix-Charts: "Squid Game". In der Serie bekommen hochverschuldete Menschen die Chance bei einer Reihe an Spielen ein hohes Preisgeld zu gewinnen. In mehreren Runden treten die Teilnehmer bei typischen koreanischen Kinderspielen gegeneinander an. Der Unterschied zu den normalen Kinderspielen ist jedoch: Wer verliert, stirbt. In der Serie bekommen die Zuschauer Einblicke in die Schicksale der Charakter, was sie dazu bringt, freiwillig an solchen blutrünstigen Spielen teilzunehmen.

Squid Game | Offizieller Trailer | Netflix
Squid Game | Offizieller Trailer | Netflix
Squid Game | Offizieller Trailer | Netflix

Klassische Musik als skurriler Gegensatz

Die Serie selbst hat schon eine skurrile Anmutung, welche ganz besonders durch verschiedenen Stilmittel übermittelt wird. Zum einen die Bildsprache: Trotz der dunklen und ernsten Thematik sind die Szenarien häufig bunt und fröhlich dargestellt. Ein anderes besonders hervorstechendes Stilmittel ist der Soundtrack. Häufig verwenden die Macher klassische Stücke um bestimmte Situation zu unterstreichen.

Die gewählte Musik steht meistens vollkommen konträr zu den gezeigten Szenen. Die klassische Musik wird hauptsächlich in den grausamen Momenten der Serie gezeigt. Die eigentlich fröhlich und anmutig wirkende Musik steht im krassen Kontrast zu den gezeigten Bildern und vermittelt damit eine skurrile und auch unbehagliche Stimmung.

Joseph Haydn Trumpet concerto in Es, 3.Satz - Staatskapelle Dresden - Christian Thielemann
Joseph Haydn Trumpet concerto in Es, 3.Satz - Staatskapelle Dresden - Christian Thielemann
Joseph Haydn Trumpet concerto in Es, 3.Satz - Staatskapelle Dresden - Christian Thielemann

Haydn als wiederkehrendes Thema

Zum Hauptthema der Serie entwickelt sich schnell der dritte und letzte Satz von Joseph Haydns Trompetenkonzert in Es-Dur. Mit dem aufgeweckten, fröhlichen Stück werden in der Serie die Teilnehmer aus den Betten geworfen. Die Zuschauer hören es außerdem immer kurz vor kritischen Situationen.

Das Trompetenkonzert wurde ursprünglich zu Ehren des Trompetenvirtuosen Anton Weidinger komponiert. Es gehörte zu den letzten größeren Orchesterwerken des Komponisten. Das Besondere an dem Stück sind unteranderem die verwendeten Fanfaren. Dieses Instrument wurde in der Geschichte häufig bei den Eröffnungsfeierlichkeiten der Olympischen Spiele verwendet und sind damit passend für das Thema der Serie.

Wiener Philharmoniker - An der schönen blauen Donau, Op. 314
Wiener Philharmoniker - An der schönen blauen Donau, Op. 314
Wiener Philharmoniker - An der schönen blauen Donau, Op. 314

Die Vertonung von Kriegsspielen

Johann Strauss komponierte mit „An der schönen blauen Donau“ ein Stück, das die Zuhörer mit seiner Leichtigkeit, aber auch Erhabenheit in seinen Bann zieht. In „Squid Game“ wird es den Teilnehmer der tödlichen Spiele vor und nach den Wettkämpfen vorgespielt. In diesem Moment soll es die verängstigen Menschen vermutlich beruhigen. Beim Zuschauer erzeugt es aber auch eine unbehagliche Stimmung.

Der Komponist schrieb das Stück 1866 für den Wiener Männergesangsverein. Damit sollte die Einstellung der Bevölkerung gegenüber dem österreichisch-preußischen Krieg verbessert werden. Ein Krieg in dem, ähnlich wie bei „Squid Game“, viele Menschen ihr Leben gelassen haben.

Tchaikovsky: Waltz from Serenade for strings / Rachlevsky • Chamber Orchestra Kremlin
Tchaikovsky: Waltz from Serenade for strings / Rachlevsky • Chamber Orchestra Kremlin
Tchaikovsky: Waltz from Serenade for strings / Rachlevsky • Chamber Orchestra Kremlin

Unbehagen und Neugier

Innerhalb der Wettkämpfe bilden sich unter den Teilnehmern auch mehrere Allianzen. Die Menschen versuchen sich gegenseitig zu helfen, für einander da zu sein. Es werden Abmachungen getroffen und strategische Pläne geschmiedet. In diesen Szenen verwenden die Macher die „Serenade für Streicher“ von Peter Tschaikowsky. Die ruhige Stimmung, die das Stück übermittelt, ist zum ersten Mal stimmig zu den gezeigten Szenen. Die Klänge vermitteln das Gefühl der Einheit und der daraus entstehenden Hoffnung.

Die Macher von „Squid Game“ verwenden verstärkt den Soundtrack als unterschwellig wirkendes Stilmittel. Mit einer auffällig großen Bild-Ton-Schere erzeugen sie bei dem Zuschauer eine fesselnde Unbehaglichkeit. Die unpassend wirkende Musik verstärkt noch einmal mehr das Unverständnis gegenüber den Teilnehmer und auch die Neugier in Bezug auf das Geheimnis und die Beweggründe der Spielmacher. Die klassische Musik in „Squid Game“ ist ein wichtiger Teil, der zum weltweiten Erfolg der Serie geführt hat.

(07.10.2021/A.Kohler)