Die Wahre Geschichte der Woche: Der Omnibus

Ausgewählt von Anna Baumgart Die Wahre Geschichte der Woche: Der Omnibus

Jede Woche wählt ein Mitglied aus der Redaktion eine persönliche Wahre Geschichte der Woche aus und verleiht ihr eine besondere Note.

Vollbesetzter BusFoto: Photo by Annie Spratt on Unsplash

Diese Woche kommentiert Anna Baumgart:

„Omnibus – Für alle!“ Offenbar gehört das zum berühmten Küchenlatein, genauso wie „Agricola arat – Der Bauer pflügt“, denn damit verbinde ich meine ersten Latein-Kenntnisse und die einzigen meiner Mutter (sie beherrscht dafür andere Sprachen).

Nachhaltig beeindruckt hat die damals Zehnjährige einzig der Omnibus.

Die Geschichte des Omnibus

Der Omnibus, zunächst ein großer geschlossener Pferdewagen, der möglichst viele Menschen transportieren konnte, wurde erstmals 1825 in Nantes eingesetzt und zwar auf dem Weg zu einer neuen Badeanstalt. Den Namen hatte der findige Betreiber der Badeanstalt damals vom Kolonialwarenhändler Monsieur Omnés „geklaut“, der mit dem Slogan „Alles für alle“ auf Latein - mit Anspielung auf seinen eigenen Namen - „Omnes omnibus“ warb. Und „omnibus“, also für alle, sollte ja auch das neue Gefährt sein.

Die Bezeichnung Omnibus schwappte wenige Jahre später nach Paris und begann von dort ihren Siegeszug nach Wien, Berlin und sogar London als Transportmittel im Massenverkehr – längst nicht mehr nur als Pferdewagen, sondern irgendwann auch als motorisiertes Gefährt. 

Die Erinnerungen einer Zehnjährigen

Und so kam der Begriff auch irgendwann in einem kleinen hessischen Dorf an und ist für meine Mutter auf ewig mit einem besonderen Erlebnis verbunden: dem ersten Kinobesuch.

Zusammen mit einer Freundin und deren Vater, einem Arzt, durfte sie in einer der nahegelegenen Städte ins Kino gehen. Und die Fahrt trat man nicht im eigenen Vehikel an, sondern nutzte den Bus oder eben, wie der Vater erklärte, den Omnibus. Sicher hatte der Arzt noch deutlich versierteres Fachwissen auf Lager und schließlich stand am Ende der Reise ein Film, der bestimmt auch jede Erinnerung hätte überschatten können, aber nachhaltig beeindruckt hat die damals Zehnjährige einzig der Omnibus mit der Erkenntnis, dass der Name „für alle“ bedeutet.

Die Wahre Geschichte ist seit Jahren ein Hinhörer für Groß und Klein. Friedrich Epenstein erzählt spannende Hintergründe zu Erfindungen oder geschichtlichen Ereignissen.

Die Wahre Geschichte hören Sie von Montag bis Freitag um 09:10 Uhr und 17:10 Uhr bei Klassik Radio und jederzeit bei Klassik Radio Plus.

Die wahre Geschichte 1x1
Foto: Klassik Radio AG

Und dank dieser Geschichte ist auch für mich jede Busfahrt irgendwie ein bisschen mit meiner Mutter verbunden.



Herzlich, 

Ihre Anna Baumgart

Erhalten Sie Informationen aus erster HandBestellen Sie den Klassik Radio Newsletter

* Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis

Neueste Artikel

Der Klang des Jahres: Wie die Jahreszeiten unseren Musikgeschmack prägen
Frau Kopfhörer Regen FensterFoto: @pexels/canva

Der Klang des Jahres: Wie die Jahreszeiten unseren Musikgeschmack prägen

Haben Sie sich je gefragt, warum eine Melodie, die im Winter Trost spendet, im Sommer plötzlich deplatziert wirkt? Unser Musikgeschmack ist so wandelbar wie die Natur selbst. Das bestätigt inzwischen auch die Wissenschaft: Wir wählen Musik nicht nur nach Gefühl – wir gestalten mit ihr aktiv mit, wie wir eine Jahreszeit erleben. Begleiten Sie uns auf eine Reise durch den Klang der vier Jahreszeiten.

Kleiner Star auf großer Bühne: André Rieu sucht junges Gesangstalent
André Rieu LiveFoto: © André Rieu Productions

Kleiner Star auf großer Bühne: André Rieu sucht junges Gesangstalent

Einmal vor mehr als 12.000 Menschen singen – und das gemeinsam mit André Rieu und seinem Johann Strauss Orchestra? Für ein Nachwuchstalent mit großer Stimme könnte dieser Traum schon in diesem Winter wahr werden.

Von schwierigen Freundschaften und Papierkämmen - die unbekannten Seiten des Claude Debussy
 Claude DebussyFoto: Félix Nadar (Gemeinfrei)

Zum 164. Geburtstag
Von schwierigen Freundschaften und Papierkämmen - die unbekannten Seiten des Claude Debussy

Debussy gilt heute als einer der großen Erneuerer der europäischen Musik. Sein Privatleben wirkt dagegen erstaunlich wenig feierlich: Er konnte sich langweilen, beleidigt sein, sich mit Freunden anlegen und über musikalische Konventionen lästern. Ein paar kleine Episoden zeigen einen Mann, der deutlich eigenwilliger war als das übliche Bild vom eleganten Pariser Komponisten.

Klassik Radio - Deutschland nationalKlassik Radio - Deutschland national