Ende kostenloser Tests als Dilemma für die Musik

Amateurmusikszene vor ProblemEnde kostenloser Tests als Dilemma für die Musik

Der Landesmusikrat fürchtet einen Rückgang von aktiv Musizierenden durch das Ende der kostenlosen Bürgertests.

Ende kostenloser Tests als Dilemma für die MusikFoto: Photo by Sam Moqadam on Unsplash

Drei Euro Beteiligung – das gilt nun seit Juli für alle, die sich auf Covid testen lassen wollen. Die kostenlosen Bürgertests stehen nur noch vulnerablen Gruppen wie Kindern, Schwangeren oder Besucherinnen und Besuchern von Kliniken und Pflegeeinrichtungen zur Verfügung. Angesichts sinkender Zahlen kein abwegiger Schritt – der Landesmusikrat Berlin sieht die Amateurmusik mit dem Ende der kostenfreien Corona-Bürgertests allerdings vor ein Dilemma gestellt. Man habe seit Herbst 2021 weitgehend ansteckungsfrei gearbeitet, indem vor Proben oder Konzerten getestet wurde. Nun besteht die Befürchtung, dass besorgte Musikerinnen und Musiker nicht mehr an Proben teilnehmen, weil eventuell nicht alle einsehen, das Geld für einen Test zu zahlen.

Die Chöre versuchen aktuell Lösungen zu finden, es wird gerade überall sehr viel diskutiert. Die eine Möglichkeit ist, dass die Chorkassen diese Tests finanzieren, dadurch dann aber die Chorkassen leiden und Dirigent:innen und andere weniger Honorare bekommen, die andere Lösung ist, dass die Leute selber testen, dadurch sich dann aber aus ihrer Perspektive die Mitgliedsbeiträge erhöhen. Im Moment wird aber ohnehin vieles teurer, da sagen viele: das kann ich mir nicht leisten. Zuletzt ist es so, dass die Chorsänger:innen wegbleiben, die sagen: Singen ist mir zu heikel, das betrifft ca. 1/5 der Sänger:innen.
Adrian Emans, Vorsitzender des Musikausschusses im Berliner Chorverband

Umfrage, wie viele fernbleiben, wird vorbereitet

Auf Klassik Radio-Anfrage, wie viele vermutlich nicht mehr am Musikleben teilnehmen würden und wie hoch bisher die Testrate war, hat die Generalsekretärin des Landesmusikrats Berlin, Franziska Stoff, geantwortet, dass man zumindest die zweite Frage mit sehr hoch bestätigen kann. Teilweise wurden seit Pandemiebeginn Infektionen und Impfstatus und entsprechend auch Testungen dokumentiert:

"Folgendes Beispiel aus dem Berliner Mädchenchor würde ich Ihnen gern nennen, da seit Pandemiebeginn dort Infektionen und Impfstatus aller ca. 200 Sängerinnen (ab 6 J) dokumentiert wurden", so Stoff. Die regelmäßige Testung in/für Schule, Studium und Beruf habe wesentlich dazu beigetragen, dass keine infektiösen Personen in die Gruppensituationen kamen, zusätzlich fanden regelmäßige Testungen für die Veranstaltungen des Mädchenchors statt (hauptsächlich öffentliche Testungen).

Wie viele allerdings dem gemeinsamen Musikmachen künftig fernbleiben, sei noch schwer einzuschätzen. Hierzu bereite man gerade eine Umfrage vor. Chöre machten sich bereits Gedanken über Modelle wie das Zahlen der Tests aus den Chorkassen, was aber zu Lasten anderer Posten ginge.

In jedem Fall fordert der Landesmusikrat Berlin in einer Pressemitteilung die Weiterfinanzierung der Bürgertests, um weiterhin in einem hygienisch sicheren Umfeld mit allen proben und aufführen zu können.

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