Johannes Brahms am Klavier
Tim Eckhorst, Pure Fruit
Johannes Brahms am Klavier
Ungewöhnliches Komponistenporträt:

Johannes Brahms als Comic-Held in sieben Kapiteln

Statt Superman, Asterix und Obelix oder Mickey Mouse hat Zeichner Tim Eckhorst aus Johannes Brahms einen unterhaltsamen Comic gemacht.

Über Brahms "gestolpert"

Die Idee zum Comic kam dem Zeichner dabei ganz zufälllig, als er im Radio hörte, dass der Schwerpunkt des Musikfestival Schleswig-Holsteins in diesem Jahr Johannes Brahms sei. "Da habe ich gedacht, das wäre doch ein guter Anlass".  Allzuviel wusste er zuvor nicht über Brahms, doch er recherchierte ausgiebig, las über Brahms und hörte sich seine Musik an. "Wichtig war mir vor allem der Mensch. Da man im Comic natürlich nicht die Hörebene nicht darstellen kann, ist es natürlich ganz wichtig, dass man sich auf den Menschen konzentrieren kann und wie der vielleicht so war. Da kann man sich natürlich nur annähern. Aber da er so ein turbulentes Leben hatte, eignet sich das natürlich wunderbar", so Tim Eckhorst.

Ich habe über Brahms ja fast gar nichts gewusst. Dementsprechend habe ich mir erstmal gedacht "Oh Mann, da ist aber viel zu holen!

Viel Erzählstoff

Schwierig war es dann nur, zu selektieren: "Ich habe über Brahms ja fast gar nichts gewusst. Dementsprechend habe ich mir erstma gedacht 'Oh Mann, da ist aber viel zu holen!' So ein Comic hätte jetzt auch locker doppelten Umfang haben können, einfach weil in dieser Biografie sehr viel los ist und es auch so viele Zwischentöne gibt, die sich sehr sehr gut erzählen lassen", erläutert der Zeichner. 

Ausschnitt aus Brahms-Comic
Arne Auinger/Pure Fruit
Ausschnitt aus Brahms-Comic

Sieben Kapitel - ganz unterschiedlich gestaltet

Schließich hat er es aber doch geschafft, Brahms Geschichte in sieben Kapitel aufzuteilen. Eines davon hat er selbst gezeichnet, die anderen hat er an Kolleginnen und Kollegen verteilt. Die zeichnen alle sehr unterschiedlich und so hatte Tim Eckhorst direkt im Sinn, wer welches Kapitel gestalten könnte: "Weil jedes Kapitel so einen anderen Ton hat." So unterscheiden sich auch die Kapitel auch teils sehr stark: "So arbeiten mnache z.B .sehr flächig und sehr farbig, andere widerum haben einen sehr akribischen Stil, manche nur in Schwarz-Weiß, manche haben einen Hang zum Cartoon, was natürlich auch an den Stellen geht, wo es auch mal etwas flappsig und witzig wird."

Der Zeichenstil pro Kapitel soll auch unterstreichen, wie die Stimmung in diesem Kapitel jeweils ist.

Nah an der Vorlage - mit etwas Phantasie

Dabei haben sich die Autoren bemüht, möglichst nah an der Wirklichkeit zu bleiben. Teils war es aber nötig, Dinge irgendwie festzumachen, die nirgendwo geschrieben standen - wie z.B. wo Brahms im Saal saß oder in welcher Situation er die Todesnachricht von Clara Schumann bekam. "Ansonsten haben wir uns sehr bemüht, dabei sehr exakt vorzugehen und sehr chronologisch. Einzig bei Zitaten haben wir uns die Freiheit genommen, dass sie auch mal an anderer Stelle fallen, als sie im Original gefallen wären."

Ausschnitt aus Brahms-Comic
Matze Latza/Pure Fruit
Ausschnitt aus Brahms-Comic

Nicht nur für Comic-Fans

Dabei ist ein abwechslungsreicher, unterhaltsamer Comic entstanden, der sich auch an Menschen richtet, die normalerweise kein Comic in die Hand nehmen: "Alle Leute, die vielleicht auch Comics gar nicht so gut finden oder sich gar nicht für Brahms interessieren. Also im Grunde möchte man immer die erreichen, die man noch nicht erreichen konnte.

Weil der Brahms-Comic kostenlos verteilt wird, haben wir die schöne Situation, dass auch mal jemand das vielleicht in die Hände bekommt, der sagt: 'Eigentlich finde ich Comics richtig blöd, aber da naja, es steht Brahms drauf, ich versuchs mal!'

Beeindruckt von Brahms.

So könne man vielleicht auch weitere Menschen vom Medium Comic überzeugen und Comic-Fans von Brahms. Tim Eckhorst jedenfalls hört Brahms Musik jetzt öfter. Bei dem Komponisten hat ihn vor allem eines beeindruckt: "Dass er zum Lebensende diese Erkenntnis hatte, dass er so manche Dinge im Zusammenhang mit seinen Mitmenschen nicht immer optimal gehandhabt hat. Das er sich vielleicht gedacht hat: 'Oh Mann hätte ich doch mal geheiratet und Kinder bekommen.' Und irgendwo berührt einen das schon, wenn man diese Zeilen von ihm liest, dass er da einige Dinge bereut und ihm Ruhm und Ehre offenbar so ganz egal sind. Das beeindruckt schon.

Wo man das Brahms-Comic bekommt

Das Brahms-Comic wird in vielen Comicläden und Buchhandlungen im deutschsprachigen Raum kostenlos angeboten (so lange der Vorrat reicht). Mehr Infos dazu auf der Website des Comic-Kollektivs:

(18.05.22/K.Jäger)