Blick ins Planetarium während der Vorstellung von "Moonbreaker"
Nico Sauer
Blick ins Planetarium während der Vorstellung von "Moonbreaker"
Musikfestival auf dem Mond:

"Moonbreaker": So wird Musik in 100 Jahren klingen

Eine Zeitreise knapp 100 Jahre in die Zukunft und auf den Mond - das ist schon im Hier und Jetzt möglich - mit "Moonbreaker".

Intergalaktisches Festival

Wie Musik in 100 Jahren klingen wird, kann vermutlich keiner von uns vorhersagen. Der Berliner Komponist Nico Sauer ist dieser Frage trotzdem nachgegangen - entstanden ist das spannende Projekt "Moonbreaker 2121", das heute im Berliner Zeiss-Großplanetarium zu sehen ist.  "Es ist ein Musikhörspiel mit Videoprojektion für das Planetarium. Darin geht es um ein Musikfestival, dass 2121 auf dem Mond stattfinden soll. Man bekommt nicht nur einen Eindruck davon, wie die Musik in 99 Jahren klingen könnte, sondern auch davon, was nötig ist, um so ein Musikfestival zu organisieren", erklärt Nico Sauer.

Auf der dunklen Seite des Mondes

Das Szenario: "Das Festival findet auf einer Seite des Mondes statt, die vorübergehend nicht von der Sonne beschienen wird. Das bedeutet, die Besucher sehen einen Sternenhimmel, so wie man ihn von der Erde nur selten sieht und sonst eigentlich nichts. Das Ganze wird im Planetarium natürlich durch den beeindruckenden Sternenprojektor wiedergegeben", beschreibt der Komponist, der bei diesem Projekt vor allem als Gestalter, Vordenker und Ermöglicher fungiert.

Zuschauer blicken an die Decke des Planetariums in Berlin
Nico Sauer
Zuschauer blicken an die Decke des Planetariums in Berlin

Genreübergreifende Zukunftsmusik

Und wie klingt sie nun, die Musik der Zukunft? Ganz unterschiedlich, so wie Musik heute eben auch. Denn Nico Sauer hat neun gegenwärtige Komponistinnen und Komponisten unterschiedlicher Genres beauftragt: "Wir haben sehr unterschiedliche Leute eingeladen, um Musik zu komponieren. Denn wenn man Musik der Zukunft machen will, muss man sich ihr aus den verschiedensten Richtungen nähern", erklärt er.

Hyperrealistische Musik

Er selbst hat ebenfalls eine Komposition beigesteuert "Noahs 5th". Ursprünglich sollte der New Yorker Komponist Noah Creshevsky selbst ein Werk beisteuern. "Er ist ein Pionier der samplebasierten Komposition", erklärt Nico Sauer. "Er hat Instrumentalklänge genommen und sie in kleine Samples zerschnitten und damit neue Musik komponiert. Dadurch entstand Musik, die man als "hyperrealistisch" oder "supernatürlich" bezeichnen könnte. Sie klingt so, als würden Ensembles und Musikerinnen und Musiker etwas spielen, was nicht menschenmöglich ist, aber dennoch menschlich." Doch als er den Komponisten kontaktiert, erklärt dieser, dass er zwar gerne etwas beisteuern würde, doch nur noch wenige Tage zu leben hat. Es folgt ein intensives Gespräch und eine reger Austausch. 

VR-Tour durch das Zeiss-Großplanetarium
VR-Tour durch das Zeiss-Großplanetarium
VR-Tour durch das Zeiss-Großplanetarium

In der Mitte eines menschlichen Klangkörpers

"Noahs 5th" entsteht dann dadurch, dass Nico Sauer einigen Testpersonen Musik von Noah Creshevsky vorspielt und sie auffordert, sie live auf ihre Weise zu imitieren. Diese 10 Aufnahmen zerschneidet er in kleinste Samplebausteine, insgesamt 1500 Schnipsel. Aus diesen komponiert Nico Sauer dann ein neues Stück. Es steht am Ende von "Moonbreaker" und soll Menschen darstellen, die nur noch in Klängen zueinander sprechen und selbst ganz Klang geworden sind. Gemeinsam bilden sie einen einzigen Klangkörper. "Man wird umreiht von zehn Stimmen im Planetarium, die um einen verteilt sind im Raum (...) und ist in der Mitte dieses menschlichen Klangkörpers", erläutert Nico Sauer.

Weitere Infos:

Heute nun ist die Musik der Zukunft zu hören im Zeiss-Planetarium in Berlin. Weitere Termine folgen Anfang kommenden Jahres. Mehr Infos gibt es auf der Seite der Stiftung Planeterium Berlin und auf der Website des Projekts.

(03.11.22/K.Jäger)