KYMAT als eine Art verrückter Wissenschaftler
KYMAT
KYMAT als eine Art verrückter Wissenschaftler
Pflanzenmusik

Musik der anderen Art: komponiert von Pflanzen

Der Hamburger Künstler Sven Meyer produziert entspannte Musik. Die eigentlichen Komponisten dahinter sind aber Pflanzen.

Eine Blume spielt Klavier

Sven Meyer alias KYMAT hat eine ganz besondere Art Musik zu machen: Seine Mitstreiter sind Pflanzen. „Ich mache Musik mit Pflanzen, spiele mit ihnen und in einem weiteren Schritt mache ich diese Musik sichtbar in einer Wasserklangbildinstillation", erzählt er im Gespräch mit Klassik Radio. Im ersten Moment ist man etwas verwirrt: Pflanzen, die Musik komponieren, wie soll das denn funktionieren? Ganz einfach, erklärt KYMAT: „Ich klebe kleine Elektroden an die Blätter und Blüten oder mache kleine Klips an die Wurzeln. Dann nutze ich das elektromagnetische Feld der Pflanzen. Diese geben mir absolut zufällige Impulse. Ich lege der Pflanze eine Klaviertastatur vor die Wurzeln und sie geben mir dann lange, kurze, hohe oder tiefe Signale […] Es ist immer sehr zufällig und Platz für meine Interpretation.“

KYMAT - BOTANICA - ft. Das Bo & Carsten Meyer
KYMAT - BOTANICA - ft. Das Bo & Carsten Meyer
KYMAT - BOTANICA - ft. Das Bo & Carsten Meyer

Die entschleunigte Welt der Pflanzen

Wirklich vorstellen konnte sich das die Klassik Radio Redaktion trotzdem nicht: Welche Art von Musik komponieren Pflanzen überhaupt? „Die Musik klingt sehr entspannt. In meinem Fall komponiere ich so, dass ich möglichst lange Flächen habe, die einen runterbringen und entschleunigen. Man hat wirklich den Eindruck, in diese Pflanzenwelt einzutauchen und alles geht sehr langsam. Das Leben wächst einfach langsam vor sich hin“, erklärt uns Meyer, „Es macht wirklich sehr sehr viel Spaß. Ich improvisiere und spiele manchmal auch eine kleine Melodie. Dann bilde ich mir ein, dass die Pflanze darauf auch reagiert.“

"Pflanzen sind auch fast Menschen"

Der Musiker sieht in der Botanik unserer Welt häufig mehr als das schöne Grün im Garten. Auch die geschichtlichen Aspekte verschiedener indigener Völker und deren Verbundenheit mit der Natur interessieren ihn. Diese Geschichten brachten ihn schlussendlich zu seiner Kunst: „Ich mag Blumen und ich mag Pflanzen. Ich wollte diesen Lebewesen eine musikalische Welt eröffnen und eine Verbindung herstellen. Ich mag diese Geschichten von indigenen Völkern, die davon ausgehen, dass Verstorbene in den Pflanzen oder in den Tieren wohnen und teilweise auch ihre Stämme nach Tieren oder Pflanzen benannt haben.“

Klangbild
KYMAT
Klangbild

Visuelle Klangbilder

Bei der Musik alleine bleibt es nicht. KYMAT stellt seine Kunst auch visuell dar. Dafür wendet er eine Technik namens Kymatik an. Hierbei werden die Vibrationen und Frequenzen seiner Musik im Wasser sichtbar gemacht: „Je nach Frequenz entstehen dann unterschiedliche Klangbilder, die man alle auch in der Natur wiederfinden kann.“

Konzerte auf der ganzen Welt

Weltweit feiert Sven Meyer damit Erfolge: „Wir geben auch Konzerte. Ich mache wirklich Live-Auftritte mit den Pflanzen: 90 Minuten sehr entspannte Musik. Dabei nehmen wir die Zuhörerinnen und Zuhörer mit in diese besondere Welt. Das wird durch meine Wasserklangbildinstillation auch noch sichtbar.“ Mit seinen Shows stand er bereits auf der Art Basel in Hongkong, bei der langen Nacht des Lichts in Paris oder auch in L.A. auf der Bühne und überzeugte damit sein Publikum. „Mein größter Applaus ist eigentlich, wenn am Ende alle schlafen oder zumindest sehr sehr entspannt sind“, erzählt er lachend.

KYMAT bei einem Konzert mit seinen Pflanzen
KYMAT
KYMAT bei einem Konzert mit seinen Pflanzen

Der Mozart unter den Pflanzen

Der Pflanzenmusik wird auch eine heilende Wirkung zugeschrieben und häufig wird sie in der Musiktherapie angewandt. Auch Hebammen nutzen KYMATs Musik, um Mütter bei der Geburt zu entspannen und manchen Menschen versuchen damit ihrem Tinnitus entgegenzuwirken: „Ich bin immer wahnsinnig vorsichtig damit zu sagen, dass Musik heilt und etwas bewirkt [...] aber doch sie macht etwas mit uns.“

In welcher Pflanze am Ende ein kleiner Mozart schlummert, kann uns der Musiker nicht verraten: „Das lässt sich sehr schwer sagen. Die Pflanzen geben mir wirklich zufällige Impulse. Je nachdem wie gut sie gegossen sind oder wie durchlässig die Blätter und Stängel sind, habe ich mal mehr und mal weniger Signale. Ich habe sie alle gerne.“

(29.03.2022/ A. Kohler)