Schneewittchen und die sieben Zwerge
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Schneewittchen und die sieben Zwerge
Diskriminierung in Schneewittchen

Sind die sieben Zwerge diskriminierend?

Das Märchen von Schneewittchen ohne die sieben Zwerge? Klassik Radio im Gespräch mit Patricia Carl-Innig, Vorsitzende des Bundesverbands kleinwüchsiger Menschen und ihrer Familien e.V.

Schneewittchen ohne die sieben Zwerge?

Wie die meisten Disney-Klassiker soll nun auch der damals erste abendfüllende Zeichentrickfilm von Walt Disney neuverfilmt werden: Schneewittchen. Nun wird allerdings diskutiert, ob die Neuauflage ohne die Figuren der sieben Zwerge auf die Leinwand kommen soll. Die Diskussion wurde angeregt von dem kleinwüchsigen Schauspieler Peter Dinklage. In einem Podcast brachte er die Kritik auf, dass die Darstellung der in einer Höhle lebenden Zwerge nicht mehr zeitgemäß sei. Sind die Charaktere der sieben Zwerge eine Diskriminierung gegenüber kleinwüchsigen Menschen? „Die Kritik von Dinklage hat auf der ganzen Welt ein Echo gefunden, weil sich viele kleinwüchsige Menschen davon verstanden fühlen. Natürlich zeichnet die Darstellung ein sehr antiquiertes Bild. Auch wenn wir uns nicht als Zwerge verstehen, ist uns klar, dass die Gesellschaft häufig diesen Bezug herstellt“, sagt Patricia Carl-Innig, die Vorsitzende des Bundesverbands kleinwüchsiger Menschen und ihrer Familien e.V. im Gespräch mit Klassik Radio.

Aus meiner Sicht ist es kein Problem, wenn es die Figur des Zwergs gibt. Wenn sich kleinwüchsige Menschen dazu berufen fühlen, solche Rollen zu spielen, ist das vollkommen ok. Grundsätzlich müssten aber mehrere Rollen kleinwüchsigen Menschen offenstehen.
Patricia Carl-Innig

Die Filmbranche muss vielfältiger werden

Carl-Innig findet, dass bei diesem Thema ein differenzierter Blick auf die Situation geworfen werden muss: „Zwerge sind keine Menschen. Zwerge sind Fabelwesen, genauso wie Riesen, Elfen oder Feen. Deshalb sehe ich mich dabei nicht persönlich angegriffen.“ Ihrer Meinung nach sind nicht die Charaktere der sieben Zwerge, sondern die allgemein fehlende Vielfalt innerhalb der Filmbranche ein Problem: „Ich finde es immer wieder gut, wenn Verantwortliche vom Film neue Wege gehen. Ich finde, das ist wichtig, um auf die Vielfalt hinzuweisen […] Es ist wirklich traurig, dass es für viele kleinwüchsige Menschen im Grunde nur die Rolle der Zwerge gibt. Viele Filmschaffende trauen sich nicht an eine offene Herangehensweise heran. Wir wünschen uns auf jeden Fall mehr Vielfalt in den Rollen für kleinwüchsige Menschen.“

 

Disney Schneewittchen - Trailer
Disney Schneewittchen - Trailer
Disney Schneewittchen - Trailer

Mehr Rollen für kleinwüchsige Menschen

Peter Dinklage ist das beste Beispiel dafür, dass auch kleinwüchsige Schauspielerinnen und Schauspieler umfangreich in verschiedenen Rollen eingesetzt werden können. „Es gibt viele kleinwüchsige Darstellerinnen und Darsteller, die wirklich Lust darauf hätten und auch das Talent und Können, um verschiedene Rollen zu spielen. Ein Beispiel ist Peter Dinklage, dem inzwischen diverse Rollen offenstehen, sodass er nicht mehr nur auf den Zwerg festgelegt ist“, bekräftigt Patricia Carl-Innig.

In erster Linie wünsche ich mir Offenheit und Wohlwollen der Vielfalt gegenüber. Häufig hat man als kleinwüchsiger Mensch mit starken Reaktionen zu tun und da wünsche ich mir mehr Aufgeschlossenheit und wenn es sich anbietet, auch das Gespräch.
Patricia Carl-Innig

Die Lösung findet sich im Gespräch

Der eigentliche Schlüssel, um der Diskriminierung von kleinwüchsigen Menschen entgegenzuwirken, ist vor allem Kommunikation, aufeinander zugehen, sich gegenseitig zuhören und versuchen zu verstehen: „Natürlich gibt es Situationen, in denen gesagt wird ‚Hey du Zwerg‘. In diesen Fällen sind auch die Eltern in der Pflicht, ihre Kinder aufzuklären, dass kleinwüchsige Menschen keine Zwerge sind. Wir versuchen gleichzeitig unseren Mitgliedern mitzugeben, dass sie mit ihrem Kind über potenzielle Situationen sprechen. Damit die Kinder sagen können: ‚Ich bin kleinwüchsig, ich bin kein Zwerg. Zwerge gibt es im Märchen, aber ich bin hier.‘“

(15.07.2022/ A. Kohler)