Oper zum Ausprobieren: Staatsoper Hamburg öffnet Generalproben für junges Publikum

Sneak Klub Oper zum Ausprobieren: Staatsoper Hamburg öffnet Generalproben für junges Publikum

Die Staatsoper Hamburg gewährt Schülern, Studenten und Azubis mit dem Sneak Klub einen spannenden Blick hinter die Kulissen. Zwei der Verantwortlichen, Christopher Warmuth und Henriette von Schnakenburg, erzählen im Interview mit Klassik Radio-Redakteurin Farah Losch von den Überraschungen und Erfolgen dieser Aktion.

Sneak Klub Foto: Prisca Kranz/Staatsoper Hamburg

Wie gewinnt man junge Menschen für die Klassik? Eine allgegenwärtige Frage, mit der sich auch die Staatsoper Hamburg beschäftigt hat. Für den stellvertretenden Chefdramaturgen Christopher Warmuth ist vor allem eins zentral:

„Ich glaube, junge Menschen für Klassik oder speziell für Oper (…) zu erreichen, bedeutet vor allem, Zugangsmöglichkeiten zu schaffen.“

Diese Zugangsmöglichkeit schafft die Staatsoper Hamburg mit dem sogenannten Sneak Klub. Dabei bekommen Schüler, Studenten und Auszubildende kostenlose Karten für die Generalproben. Vor der Aufführung gibt es Hintergrundinformationen zum Stück und danach legt eine DJane auf – so soll mehr junges Publikum in die Staatsoper kommen.

Vom Konzept zur vollen Generalprobe

Die Idee zum Sneak Klub kam aus der Dramaturgie der Oper – als Teil der neuen "CLICK in"-Programmlinie, erzählt der stellvertretende Chefdramaturg Christopher Warmuth:

„Glücklicherweise hat Tobias Kratzer, der neue Intendant, sich sofort begeistern lassen dafür, dass wir die Generalproben der Neuproduktion für junges Publikum öffnen. Generalproben sind ja auch immer wahnsinnig exklusiv, weil das ja immer noch so ein Schutzraum auch für die Produktion ist.“, freut sich Christopher Warmuth.

Der erste Sneak Klub fand dann am 23. September 2025 statt. Eingeladen wurden die jungen Leute über einen WhatsApp-Kanal und Instagram-Posts.

„Und das ist sehr gut angelaufen. Wir waren selbst bei der ersten Generalprobe schon ausverkauft – in Anführungszeichen, es ist ja kostenfrei. Und seither läuft es total gut.“

Sneak Klub Sticker
Foto: Manuel Braun/Staatsoper Hamburg

„Von Jogginghosen bis überschick“ – das etwas andere Opernpublikum

Das junge Publikum bringt laut dem stellvertretendem Chefdramaturgen frischen Wind in die Hamburger Staatsoper:

„Weil es einfach ein ganz anderes Publikum ist. Die kommen natürlich ein bisschen später, wir fangen meistens bei den Generalproben fünf Minuten später an. Ob man die Jacken abgeben muss oder nicht, ist auch noch nicht so alles eingelernt.“

Und trotzdem – oder genau deswegen ist das junge Publikum eine Bereicherung für die Staatsoper Hamburg:

„Das Schöne ist tatsächlich, dass an diesen Generalproben eine derart andere Stimmung in diesem Haus herrscht. (…) Der Applaus beim Sneak Klub, der ist viel echter. Also, der ist auch, wenn man das so will, manchmal ein bisschen undankbarer, weil wenn denen was nicht gefällt, dann goutieren die das auch mit einem sehr leisen Applaus. Aber wenn denen was gefällt, ist einfach wirklich eine total frenetische Stimmung. Und das gerade kurz vor einer Premiere noch mal zu haben von wirklich einer diversen jungen Stadtgesellschaft, für die wir auch eine Verantwortung haben kulturpolitisch, das ist einfach ein wahnsinniges Geschenk für uns als Opernhaus.“

Eine Win-Win-Situation

Das Opernhaus bekommt also ein ehrliches Testpublikum. Und das Publikum tiefe Einblicke in den Ablauf einer Generalprobe. Vor der Aufführung wird dem Publikum verdeutlicht, dass es sich um eine Probe handelt. Und, dass es sich bei Problemen oder Fehlern in der Aufführung ruhig verhalten soll:

„Wir hatten auch schon einmal einen Fall, dass z.B. technisch noch was nicht funktioniert hat, dann kommt eben eine kleine Unterbrechung. (…) Und ich glaube, das war eigentlich auch ganz cool und eindrucksvoll zu sehen, was passiert, denn dann wurde unterbrochen, die Szene wurde noch mal gespielt und der technische Ablauf eben noch mal geprobt. Und es bringt eben so eine gewisse Magie in den Raum, das Gefühl zu haben, ich bin wirklich dabei und kann sehen, was da alles ineinandergreift, damit so ein Riesen-Opernstück funktioniert.“, erzählt Dramaturgieassistentin Henriette von Schnakenburg.

Zwischen Beats und Debatten

Nach der Aufführung folgt die „After Hour“, die nicht nur zum Feiern, sondern auch zum Nachdenken einlädt, beschreibt Christopher Warmuth:

„Ganz toll z.B. war es bei der Generalprobe von 'Monster‘s Paradise' der Uraufführung von Literaturnobelpreisträgerin und Ernst von Siemens Musikpreisträgerin Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth. Ein Stück wirklich am Puls der Zeit, eine Form von Feminismus, die sich mit patriarchalen Strukturen in der postpopulistischen, trumpistischen Welt auseinandersetzt. (…) Danach gab es sehr viel politische Diskussionen auch im Vorderhaus bei uns darüber. Auch, wenn die DJane aufgelegt hat: Das geht ja nicht nur um stumpfe Berieselung, dass man danach dasteht und mit einem Bier für 3,50 € irgendwie schaut, zu befeiern, was da geht, sondern auch darüber nachzudenken, wie die Welt von morgen ein besserer Ort werden kann.“

Die nächsten Sneak Klubs

Die nächste Generalprobe ist „Die große Stille“ und findet am 12. März 2026 statt.

„Wir sind schon ausverkauft. Der Verkauf läuft immer über eine WhatsApp-Gruppe, der Link geht online und diesmal waren nach 45 Minuten (…) über 1000 Tickets weg.“, sagt Christopher Warmuth.

Aber kein Grund zur Sorge – es folgen noch weiter Sneak Klubs. Am 9. April läuft „Frauenliebe und Sterben“ und am 13. Mai „Der Barbier von Sevilla“. Außerdem gibt’s den Sneak Klub auch für Ballett: Am 19. Juni findet die Generalprobe von „Wunderland“ statt.


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Farah Losch / 08.03.2026
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