Erste konfliktfreie Orgel in Basel

Nachhaltigkeit von den Pedalen bis zu den Orgelpfeifen

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Mittlerweile ist Nachhaltigkeit ein großes Thema und zieht sich durch alle Lebensbereiche. In Basel zeigt nun eine Orgel, dass das auch bei Musikinstrumenten funktioniert.

Nachhaltigkeit bei Metallen vernachlässigt

Jutebeutel statt Plastiktüten und feste Seife statt Duschgel in Plastiktuben: es hat sich viel getan in Sachen Nachhaltigkeit. Es gibt ja sogar faire Smartphones mit nachhaltigen Metallen. So eines hat auch der Organist und Mitinitiator der neuen Orgel, Thilo Muster und dachte sich: das muss doch auch im Orgelbau funktionieren: "Sonst ist die Orgelbranche schon relativ nachhaltig, so nutzt man z.B. bei Dichtungen Leder, das mit Pflanzen gegerbt wird. Doch beim Metall hat sich dieses Frage offensichtlich vor mir noch kaum jemand gestellt." 

Zwei Tonnen Zinn pro Orgel

Dabei wird relativ viel Zinn in einer Orgel verbaut - in der neuen Orgel im Stadtcasino Basel z.B. rund zwei Tonnen! "Und es gibt in Deutschland 50.000 Orgeln, das sind schon Dimensionen, die ins Gewicht fallen. Im wahrsten Sinne des Wortes", stellt Thilo Muster fest. Er machte sich auf die Suche - bis er einen Lieferanten von fairem, konfliktfreiem Zinn gefunden hatte:" Es geht nicht nur um das "konfliktfrei". "Konfliktfrei" bedeutet, dass damit keine Kriege finanziert werden, wie das oft so ist bei den Erlösen des Abbaus. Sondern das auch eine Nachhaltigkeit gewährleistet ist - denn beim Zinnabbau werden oft ganze Landstriche zerstört, z.B. in Indonesien." 

Risikofaktor Nachhaltigkeit

Doch auch als ein Lieferant gefunden war - eine Sache bereitete Thilo Muster noch Sorgen: "Dass das Zinn den Qualitätsansprüchen entspricht. Obwohl das Zinn chemisch eigentlich identisch ist, also man kann es ja an vielen Orten der Welt gewinnen. Beim Orgelbau in der Praxis gibt es Zinn, das nicht so funktioniert wie anderes und man weiß nicht, woran das eigentlich liegt."

Überzeugende Resonanz

Nun kann er aufatmen - denn der Klang der Orgel überzeugt - auch das Publikum, das die letzten beiden Wochenenden beim Orgelfestival des Casinos Basel zu Gast war: "Es war ein unerwartet durchschlagender Erfolg. Wir haben bei jedem Konzert einen unglaublichen Publikumszuspruch gehabt. Also die Leute waren begeistert."  

Spielen wie von Geisterhand

Neben dem konfliktfreien und fairen Zinn ist auch da Holz der Orgel ganz besonders nachhaltig: es stammt aus regionalem Anbau, bei dem die Eichen nur in einem Umkreis von maximal 30 km geschlagen werden, danach wird alles vor Ort verarbeitet. Auch das Innere der Orgel kann sich sehen lassen - ein kleiner Computer ist eingebaut, an dem man einen USB-Stick mit musikalischen Steuerinformationen einstecken kann, so dass auch z.B. Pop- und Rockmusiker ohne Orgelausbildung, ihre Stücke spielen können - wie von Geisterhand. 

Dramatische Effekte

Zudem sorgt ein winddynamisches Werk dafür, dass der Klang einer Pfeife auch noch nach dem Anschlag beeinflusst werden kann - dies ist eine Premiere bei einer Konzertsaalorgel. Denn so kann man den Ton anschwellen oder ersterben lassen und klangmalerische Effekte erzeugen. 

Vorreiterrolle

Ein Instrument mit tollen inneren und äußeren Werten also - Thilo Muster hofft, damit die Branche nachhaltig inspirieren zu können: "Wir hoffen sehr, dass das Schule machen wird und das es zum Standard wird, dass man nachhaltiges Zinn für den Orgelbau verwendet." 

(K.Jäger) 


Was es mit der Hammond-Orgel auf sich hat, erklärt Florian Schmidt in der wahren Geschichte der Woche.
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