Wo das Glück zu finden ist

Ein Gespräch mit Glückscoach Andreas Schärer

wo-das-glück-zu-finden-ist © Nadya So
Glücklich sein will erstmal jeder, gerade auch in schwierigen Zeiten. Darüber, woran man das Glück aber dann im Endeffekt fest machen kann, scheiden sich die Geister. Glücklich sein will erstmal jeder, gerade auch in schwierigen Zeiten. Darüber, woran man das Glück aber dann im Endeffekt fest machen kann, scheiden sich die Geister. Gerade in der westlichen Welt wird das Glück des Einzelnen oft an dessen materiellen Besitz gekoppelt. Das kleine asiatische Land Bhutan verfolgt allerdings schon seit vielen Jahren eine andere Devise. Andreas Schärer war beim ehemaligen bhutanischen Glücksminister persönlich in der Lehre und hat uns im Gespräch mit Klassik Radio etwas über seine Philosophie des Glücks erzählt.

Glück ist nicht gleich Glück

„Es ist ganz wichtig, dass man unterscheidet mit welcher Art von Glück ich mich beschäftige und mit welcher nicht. Ich beschäftige mich nicht mit dem kurzfristigen, hedonistischen Glück, das man erlebt, wenn einem etwas Glückliches widerfährt. Ich spreche von Glück als nachhaltigem Zustand von Wohlbefinden und Zufriedenheit. Glück ist für mich keine flüchtige Emotion.“

Jeder kann glücklich sein

Sich selbst bezeichnet Schärer durchaus als einen glücklichen Menschen. Er erläutert aber: „Zum Glück gehört auch immer Unglück. Wir leben in einer polaren Welt und wenn man nur glücklich ist, dann glaube ich versteht man nichts vom Glück.“

Sein eigenes Glück habe dabei jeder selbst in der Hand: „Das Thema der Glücksforschung ist noch gar nicht so alt. Das geht vielleicht 20 Jahre zurück seitdem sich die Wissenschaft intensiver mit dem Thema Glück beschäftigt. Darum weiß man mittlerweile immer mehr, wie beispielsweise, dass nur ein kleiner Teil des Glücks in den Genen liegt und man den größeren Teil wirklich selbst in der Hand hat. In meiner Philosophie bin ich stark davon überzeugt, dass man das glücklich sein auch lernen kann.“

Auf Umwegen zum Glück

Seinen eigenen Zugang zum Glück habe Schärer selbst über das Unglück gefunden: „Ich habe 20 Jahre lang in der Wirtschaft funktioniert, davon lange Zeit mit meinem eigenen Unternehmen und viel Verantwortung. Ich hatte großen finanziellen Druck und oft Angst davor, Aufträge zu verlieren.“ Im Laufe der Zeit hätte Schärer so den Spaß an der Arbeit verloren: „Ich fühlte mich im Hamsterrad gefangen und wollte etwas ändern. Daraufhin habe ich dann eine längere Auszeit genommen, um einen klaren Blick zu erhalten und etwas Distanz zu gewinnen.“

In dieser Auszeit sei er auf das Thema des Bruttonationalglücks aufmerksam geworden: „Ich bin auf ein Buch von Dr. Ha Vinh Tho gestoßen, der lange Jahre Glücksminister in Bhutan war. Darin beschreibt er die Philosophie des Bruttonationalglücks, die in Bhutan entstanden ist. Ich war total begeistert, bin in der Folge dann auch nach Bhutan gereist und da wurde für mich dann immer klarer, dass ich mich eigentlich näher mit diesem Thema auseinandersetzen will.“

Das Bruttonationalglück

Bereits seit ungefähr 50 Jahren beschäftige man sich in Bhutan damit, das Glück und Wohlbefinden der Einwohner zu steigern: „In den westlichen Ländern versuchen wir, Glück zu erreichen, indem wir materiellen Wohlstand fördern. Das messen wir mit dem Bruttoinlandsprodukt. Im Gegensatz dazu verfolgt das Bruttonationalglück einen Ansatz, der eben nicht einseitig auf materielle Entwicklung ausgerichtet ist, sondern insgesamt 9 verschiedene Domänen umfasst, die für das Glück und Wohlbefinden der Menschen wichtig sind.“ Zu diesen Bereichen gehören unter anderem Gesundheit, Bildung, Kultur, Zeitverfügung, Gemeinschaft und Wirtschaft.

Somit funktioniere die Philosophie des Bruttonationalglücks als ganzheitlicher Ansatz auch auf unterschiedlichen Ebenen: „Glück und Wohlbefinden der Menschen werden als Index gemessen, sodass das Bruttonationalglück auch ein richtiges Instrument darstellt, mit dem die Entwicklung in einem Land, einem Unternehmen oder auch auf persönlicher Ebene verglichen werden kann.“ Im persönlichen Bereich ginge es dabei vor allem darum, sich selbst zu reflektieren und genügsamer zu werden.

Glück in der Krise

Besonders auch in diesen Krisenzeiten sei das Glück ein enorm wichtiges Thema: „Seit Beginn der Pandemie ist das Wort ‚Glück‘ bei der Google-Suche auf einem Allzeithoch. Das ist glaube ich sehr bezeichnend dafür, dass sich die Menschen nach Glück sehnen und Orientierung suchen. Gerade wenn man selbst im Unglück ist wird einem ja das Glück nochmal viel präsenter, weil man sich dessen erst so richtig bewusst wird.“

Eine Krise könne aber auch stets als Chance genutzt werden: „Es gibt zwei Varianten, wie man das Ganze betrachten kann. Man kann es entweder als Abgrund sehen und je länger man dort hineinblickt, desto größer ist auch die Chance, dass man selber hineinfällt. Man kann aber auch sagen wir betrachten das als ein Portal, durch das man ohne den ganzen alten Ballast und mit einer neuen Denkweise hindurchgehen kann.“

Musik macht glücklich

Gerade in den kommenden Weihnachtsfeiertagen habe man die Zeit, sich intensiv mit sich selbst auseinanderzusetzen, so Schärer. Dafür sei auch die Musik ein hervorragendes Mittel: „Alles, was einem dabei hilft zu fühlen, macht auch glücklich. Ich bin selber ein Mann und weiß, dass gerade Männer oft einen schwierigen Zugang zu ihren Gefühlen haben. Musik hilft dabei sehr, dass man in das Fühlen kommt. Durch das Fühlen kommt man dann näher an den eigenen Kern heran und somit auch an das, was einen glücklich macht.“

(N.Meier) 

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