Clara Schumann
Andreas Staub
Clara Schumann
Das starke Multitalent

Clara Schumann

Sie ist heute vor allem als Frau des genialen Komponisten Robert Schumann bekannt. Doch zu ihrer Zeit stand sie selbst im Rampenlicht.

Clara Schumann bekommt die Musik in die Wiege gelegt

Wann ist Clara Schumann geboren? Wo wurde Clara Schumann geboren? Mit ihr kommt am 13. September 1819 in Leipzig die wohl berühmteste Pianistin der Romantik zur Welt. Der Mädchenname von Clara Schumann war Clara Josephine Wieck. Sie hatte insgesamt sieben Geschwister, wobei drei von ihnen Halbgeschwister waren. Ihre Eltern, Friedrich Wieck und Mariane Wieck, trennten sich nämlich, als Clara gerade vier Jahre alt war. Ihr Vater war ein studierter Theologe, der sich wegen seiner Liebe zur Musik am Klavier ausbilden ließ. Er gründete auch eine Klavierfabrik und eine Leihanstalt für Musikalien. Ihre Mutter war eine Pianistin und Sängerin.

Clara Schumann lernte erst sehr spät, vermutlich mit vier Jahren, sprechen. Erst ein Jahr nach der Trennung ihrer Eltern fing sie damit an. Mit fünf Jahren startet ihre Klavierausbildung bei ihrem Vater. Von da an wohnte Clara bei ihm.
Nur im ersten Jahr hatte Clara auch eine Klavierlehrerin. Weil Claras Vater ihr Talent früh erkannte, wollte er aus ihr ein Wunderkind machen. Deswegen nahm er sie auch aus der öffentlichen Schule und ließ das Kind privat unterrichten.

Dadurch lag der Schwerpunkt ihrer Ausbildung auf der Musik. Clara durfte noch ein paar Fremdsprachen lernen und als eine Art Ausgleich spazieren gehen. Sie feierte schon früh große Erfolge und wurde so zum Aushängeschild der Methoden ihres Vaters.

Clara Wieck-Schumann, 4 Polonaises for Piano, op. 1 (1828-1830)
Clara Wieck-Schumann, 4 Polonaises for Piano, op. 1 (1828-1830)
Clara Wieck-Schumann, 4 Polonaises for Piano, op. 1 (1828-1830)

Tagebuch im Namen der Tochter

Eine Besonderheit ist, dass Claras Vater in ihrem Namen Tagebuch geführt hat.

Auch, wenn dabei seine Strenge zum Vorschein kam, war ihm Clara immer dankbar für ihre Ausbildung, wie sie in ihrem - eigenen - Tagebuch festhielt.

Seine Natur hatte etwas Großartiges, von Kleinlichkeit wusste er nichts; wo er nützen konnte, war er stets bereit; mehr als das, er suchte die Gelegenheiten dazu, er interessierte sich aufs lebhafteste, wo er Talent zu finden glaubte und frug dann nie, ob er Lob und Dank haben würde.
Clara Schumann

Claras Liebe zu Robert Schumann

Ihren Ehemann, Robert Schumann, lernte Clara schon mit achteinhalb Jahren kennen. Er wohnte ein Jahr lang bei den Wiecks und ließ sich von Friedrich Wieck unterrichten. Währenddessen erzählte Robert, der damals 20 Jahre alt war, Clara und ihren beiden Brüdern selbst erfundene Märchen.

Ihren ersten Kuss hatte Clara im November 1835 mit Robert Schumann. Sie war gerade 16 Jahre alt und Robert Schumann schwärmte noch viele Jahre später in Briefen von diesem Kuss. Er nannte sie zärtlich seine „Zilia“ oder auch „Chiara“. Zur gleichen Zeit des Kusses komponierte er gerade den Klavierzyklus „Carneval op. 9“ und nannte ihn „Chiarina“.

Claras Vater Friedrich war von der Beziehung der beiden gar nicht begeistert und schickte seine Tochter auf Konzertreisen. Dabei überwachte er sie fast rund um die Uhr und verbot ihr auch Briefe an Robert zu schreiben. Schlussendlich brachte er Clara zu dem befreundeten Ehepaar Serre in die Nähe von Dresden. Aber der Plan ging nicht auf, denn die Serres waren für die Verbindung der Liebenden.

Bis zu ihrer Hochzeit war es ein stetes Hin und Her. Als Robert 1837 bei Friedrich Wieck um Claras Hand anhielt, lehnte dieser ab und verbot beiden jeglichen Kontakt. Erst als Clara bei ihrem Vater auszog, konnte sie selbst bestimmen, wen sie heiraten wollte.

Roberts Liebe beglückt mich unendlich. – Ein Gedanke beunruhigt mich zuweilen, der, ob ich es auch vermögen werde, Robert zu fesseln! Sein Geist ist so groß […] Jetzt trachte ich auch darnach, so viel als möglich mit der Künstlerin die Hausfrau zu vereinen. Das ist eine schwere Aufgabe! Meine Kunst lasse ich nicht liegen, ich müsste mir Vorwürfe machen. Sehr schwer denke ich mir die Führung einer Wirtschaft, immer das rechte Maß und Ziel zu treffen, nicht zu viel auszugeben, aber auch nicht in Geiz zu verfallen. […] Meine größte Sorge ist seine Gesundheit! Sollte ich den Schmerz erfahren müssen, ihn zu verlieren– ich wüsste nicht, ob ich den Mut hätte, noch zu leben.
Clara Schumann
Er ist gekommen in Sturm und Regen Piano Accompaniment Clara Schumann Op. 12 No. 2 Karaoke
Er ist gekommen in Sturm und Regen Piano Accompaniment Clara Schumann Op. 12 No. 2 Karaoke
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Ein Leben mit zwei Jobs

Welchen Beruf hatte Clara Schumann? Bis Robert und Clara Schumanns Hochzeit am 12. September 1840 wohnte Clara bei ihrer Mutter in Berlin. Danach zog das Ehepaar gemeinsam nach Leipzig. Von da an hatte sie zwei Karrieren gleichzeitig. Clara Schumann bekam 8 Kinder. Auf der einen Seite hatte sie daher als Ehefrau und Mutter den Haushalt zu führen und auf der anderen Seite wollte sie als Künstlerin weiter ihrer Leidenschaft folgen.

Robert Schumann hatte Zeit seines Lebens, immer wieder mit starken Erkrankungen zu kämpfen, wodurch ihre Ehe belastet war. Nachdem er versucht hatte, sich das Leben zu nehmen, wurde Robert in eine Nervenheilanstalt gebracht. Auf Anraten der Ärzte besuchte Clara ihn erst nach über zwei Jahren zwei Tage vor seinem Tod am 27. Juli 1856.

Clara Schumann, Klaviertrio in g-moll Op.17
Clara Schumann, Klaviertrio in g-moll Op.17
Clara Schumann, Klaviertrio in g-moll Op.17

Clara Schumann: Pianistin und Komponistin

Wie viele Werke schrieb Clara Schumann? Auch wenn sie häufig die Stücke ihres Mannes vertonte, komponierte Clara Schumann auch selbst: Ihre musikalischen Anfänge hatte sie mit ihrem ersten Stück „Quatre Polonaises op. 1“, welches sie 1831 im Alter von zehn und elf Jahren veröffentlichte. Drei der zwölf „Fantasiestücke op. 12“ von Robert Schumann wurden ebenfalls von Clara Schumann geschrieben: „Er ist gekommen in Sturm und Regen“, „Liebst du um Schönheit“ und „Warum willst du andere fragen“. Das 1846 entstandene „Klaviertrio op. 17“ war bereits zu ihren Lebzeiten sehr bekannt und wird daher häufig als der Höhepunkt ihres musikalischen Schaffens bezeichnet. Clara Schumann selbst war davon allerdings eher weniger überzeugt.

Ihr Vater schaffte es, Clara durch Konzertreisen so bekannt zu machen, dass sie im In- und Ausland neben Pianisten wie Adolph Henselt, Sigismund Thalberg und Franz Liszt genannt wurde. Ganz Wien geriet in eine Art Clara-Wieck-Fieber, als die damals 18-Jährige dort auftrat. Der Kaiser Ferdiand I. nannte sie ein Wunderkind und erklärte sie zur kaiserlich-königlichen Kammervirtuosin.

Heute gilt Clara Schumann aufgrund ihrer herausragenden Arbeit als die berühmteste Pianistin des 19. Jahrhunderts. Der Ehemann von Clara Schumann, überschattet ihr Talent heute dennoch häufig. Das war zu damaliger Zeit, nicht gerade zu dessen Gefallen, jedoch anders. Er sah sie lieber als die Frau an seiner Seite und als Mutter seiner Kinder. Doch Clara war eine starke Frau und setzte sich durch, vor allem, weil sie, aufgrund der gesundheitlichen Beschwerden ihres Mannes, als Klavierlehrerin und durch Konzerte für den Unterhalt der Familie sorgen musste. Ihr Leben lang stand sie mit ihrer Musik häufig vor ihrem Mann im Mittelpunkt der Öffentlichkeit. Mit ihren Kompositionen behauptete sie sich in einer Domäne, die vor allem Männern vorbehalten war und auch zu einer Zeit, in der von annähernder Gleichberechtigung keine Rede war. Deutlich wird dies anhand des Zitats von Musikkritiker Carl Ferdinand Becker über Clara Schumanns Klavierkonzert a-Moll op. 7:

[H]ier wird man auf eine eigne Art überrascht, denn der Laie, der Kenner und der Virtuos wird auf gleiche Weise von dem Werke angezogen und fände sich nicht auf dem Titel der Name der Componistin oder hörte man das Werk, ohne den Schöpfer zu kennen, nie würde man dem Gedanken Raum geben, es sei von einer Dame geschrieben.
Musikkritiker Carl Ferdinand Becker über Claras Klavierkonzert a-Moll op. 7
Clara Schumann: Piano Concerto in A minor, Op. 7 | Gewandhausorchester & Lauma Skride (piano)
Clara Schumann: Piano Concerto in A minor, Op. 7 | Gewandhausorchester & Lauma Skride (piano)
Clara Schumann: Piano Concerto in A minor, Op. 7 | Gewandhausorchester & Lauma Skride (piano)

Clara Schumann und Johannes Brahms

Über die Beziehung zwischen Clara Schumann und Johannes Brahms gibt es viele Spekulationen. Nachdem Johannes Brahms zu den Schumanns in einer Zeit kam, in der sie eine schwierige Phase durchmachten, wurde er zu einer wichtigen Bezugsperson. Clara und er schrieben sich viele Briefe bis zum Tod von Robert Schumann. Die Briefe sind zum Großteil nicht überliefert, da beide beschlossen hatten diese zu vernichten. Allein Clara hat einen Teil der Briefe behalten, aus denen sich heute erahnen lässt, wie innig die Beziehung mit der Zeit wurde.

Meine geliebte Clara, ich möchte, ich könnte Dir so zärtlich schreiben, wie ich Dich liebe, und so viel Liebes und Gutes tun, wie ich Dir’s wünsche. Du bist mir so unendlich lieb, dass ich es gar nicht sagen kann. In einem fort möchte ich Dich Liebling und alles Mögliche nennen, ohne satt zu werden, Dir zu schmeicheln. […] Deine Briefe sind mir wie Küsse.
Einer der letzten Briefe vom Mai 1856 von Johannes Brahms an Clara Schumann

Clara Schumanns letzte Jahre

Wie ist Clara Schumann gestorben? Wann ist Clara Schumann gestorben? Wie alt ist Clara Schumann geworden?

Nach dem Tod ihres Ehemanns lebte Clara noch 40 Jahre. In der Zeit gibt sie zahlreiche Konzerte und betreut den Nachlass ihres Mannes. Es war ihr besonders wichtig, dass dieser nicht in Vergessenheit gerät. Ihr letztes Konzert gab Clara am 12. März 1891 mit 71 Jahren. Längere Zeit litt sie an einem „Kopfleiden“, das zu allmählichen Schwerhörigkeit führte. Nur noch die Klänge eines Klaviers konnte sie ertragen, ein ganzes Orchester aber nicht. Am 20. Mai 1896 endet Clara Schumanns Lebenslauf. Sie stirbt in Folge zweier Schlaganfälle im Alter von 76 Jahren und wird neben ihrem Mann auf dem alten Friedhof in Bonn beigesetzt.

(R. Jünemann / L. Weißenberger)