210 Mozarts geklaut: Rätselhafter Diebstahl in Salzburg

210 Mozarts geklaut: Rätselhafter Diebstahl in Salzburg

210 goldene Mozartfiguren sind aus einer Kunstinstallation in Salzburg verschwunden. Künstler Ottmar Hörl glaubt kaum an spontane Souvenirjäger und vermutet hinter dem Diebstahl ein organisiertes Vorgehen.

Ottmar Hörl MozartfigurenFoto: Wolfgang Lienbacher (Mozart, Skulptur, Ottmar Hörl: www.ottmar-hoerl.de)

Eigentlich sollten sie noch bis Ende August dort stehen: Hunderte goldene Mozartfiguren mitten in Salzburg, jede rund 50 Zentimeter hoch. Doch dann verschwanden innerhalb weniger Wochen 210 von ihnen. Für den Künstler Ottmar Hörl ist damit aus einer Kunstinstallation zum Mozart-Jubiläum plötzlich auch ein ziemlich ungewöhnlicher Kriminalfall geworden.

Anlässlich des 270. Geburtstags von Wolfgang Amadeus Mozart hatte Hörl eigens eine neue Figur entwickelt. Mozart allein wäre schließlich nichts Neues gewesen, Mozart mit Hund dagegen schon. Ganz aus der Luft gegriffen ist die ungewöhnliche Begleitung nicht: Hunde gehörten zum Umfeld der Familie Mozart, und auch Wolfgang Amadeus soll mit einem Hund im Salzburger Mirabellgarten unterwegs gewesen sein. Genau dort, gegenüber dem früheren Wohnhaus der Familie, bekam diese weniger bekannte Seite des Komponisten nun ihren Platz.



Dass dort nicht nur eine einzelne Mozartfigur auftauchte, gehört zu Hörls künstlerischem Prinzip. Seit Jahrzehnten arbeitet er mit serieller Kunst und stellt dafür mitunter hunderte oder sogar tausende gleiche Figuren in den öffentlichen Raum. Sie bleiben dort für eine bestimmte Zeit, bevor sich die Installation ganz bewusst wieder auflöst: Einzelne Figuren werden verkauft, verlassen ihren ursprünglichen Standort und ziehen gewissermaßen weiter.

In Salzburg sollte es dazu aber gar nicht kommen: „Was jetzt in Salzburg passiert ist, das hat sich früher als erwartet aufgelöst“, sagt Hörl im Interview mit Klassik Radio Chefredakteur Stefan Ibelshäuser. Denn nach und nach verschwanden so viele Mozarts, dass von der ursprünglichen Installation schließlich ein erheblicher Teil fehlte. Der entstandene Schaden liegt nach Angaben des Künstlers inzwischen bei rund 20.000 Euro.

210 Mozarts verschwinden nicht einfach unbemerkt

Dass Touristen die Figuren spontan als besonders großes Salzburg-Souvenir eingesteckt haben könnten, hält Hörl für wenig wahrscheinlich. Tagsüber stehen schließlich zahlreiche Besucher rund um die Installation. Wer dort eine 50 Zentimeter hohe Figur samt Stahlkonstruktion aus dem Boden zieht und anschließend damit durch Salzburg spaziert, dürfte kaum unbemerkt bleiben. „Man kann mit so einer Figur nicht einfach durch die Stadt laufen“, sagt Hörl. Vieles spricht für ihn deshalb dafür, dass die Figuren nachts verschwunden sind. Gerade das macht den Fall bemerkenswert: Der betreffende Bereich wird abends abgeschlossen, außerdem lassen sich die Figuren wegen ihrer Befestigung nicht einfach unter den Arm klemmen und davontragen. „Es sieht so aus, als wäre der Diebstahl schon gut organisiert gewesen“, erzählt Hörl weiter.

Eine Erfahrung, die der Künstler nicht zum ersten Mal macht. Bei einer Installation zu Richard Wagner in Bayreuth verschwanden innerhalb von nur zehn Tagen rund 110 Figuren. Dort war die Situation allerdings eine andere: Die Arbeit stand in einem offenen Park und ließ sich kaum schützen. Im folgenden Jahr wurden die Figuren deshalb jeden Morgen aufgestellt und abends wieder abgebaut.

Auf Ebay dürfte Mozart schnell auffallen

Was aber macht man mit 210 gestohlenen Mozartfiguren? Als Kunstobjekte besitzen sie zwar einen Wert, einfach weiterverkaufen lassen sie sich jedoch kaum. Hörl und sein Umfeld beobachten nach solchen Diebstählen auch den Onlinehandel. Und die verschwundenen Exemplare haben ein entscheidendes Erkennungsmerkmal. Die regulär verkauften Figuren werden nach Ende der Installation von ihren Käufern abgeholt und von Hörl signiert. Die gestohlenen Mozarts dagegen tragen noch die Spuren ihrer ursprünglichen Befestigung. „Eine Figur mit drei Schraubenlöchern, die nicht signiert ist, ist ganz sicher gestohlen“, erklärt der Künstler. Taucht ein solches Exemplar im Internet auf, lässt sich seine Herkunft entsprechend schnell nachvollziehen. Große Hoffnungen, dass die verschwundenen Mozarts deshalb zurückkehren, macht sich Hörl trotzdem nicht. Die Erfahrungen mit früheren Installationen zeigen ihm, dass gestohlene Figuren nach der öffentlichen Berichterstattung meist nicht wieder auftauchen.

Der eigentliche Verlust lässt sich nicht in Euro berechnen

Bemerkenswert ist dabei, dass Hörl weniger über den finanziellen Schaden spricht als über etwas anderes. Denn die Herstellungskosten lassen sich ersetzen, die verlorene Zeit einer öffentlichen Installation dagegen nicht. Eigentlich sollte das goldene Mozart-Ensemble mehrere Wochen lang von Tausenden Menschen gesehen werden. Genau dafür war es geschaffen worden. „Das Schlimmste für einen Künstler ist, wenn eine Arbeit nicht gesehen wird“, sagt Hörl. Neue Figuren hätte er sogar aufstellen lassen, doch ausgerechnet zum Zeitpunkt des Diebstahls befand sich die Herstellerfirma im Betriebsurlaub. Jede Figur wird einzeln gegossen, Ersatz für hunderte verschwundene Mozarts lässt sich deshalb nicht innerhalb weniger Tage produzieren.

Und so ist ausgerechnet einer Installation, deren Konzept eigentlich vom allmählichen Verschwinden lebt, ihr eigenes Prinzip zum Verhängnis geworden. Nur sollte sich Hörls Mozart-Armee eben erst am Ende auflösen – und nicht nachts von Unbekannten abgeräumt werden. Für Hörl hat das deshalb wenig mit einem kuriosen Souvenir-Diebstahl zu tun: „Das ist respektlos. Es weiß jeder, dass ein Künstler dort eine Installation gemacht hat. Und die hat er ganz sicher nicht für diejenigen gemacht, die die Figuren jetzt geklaut haben.“

Valeska Baader / 13.08.2026

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