Bach und das Weltall – passt das zusammen? Pianistin Mona Asuka zeigt mit ihrem Konzertprojekt „Bach in Space“, wie überraschend gut sich die Musik Johann Sebastian Bachs mit spektakulären Bildern von Galaxien verbinden lässt. Ein Konzert, das das Publikum auf eine Reise zwischen Klang und Kosmos mitnimmt.

Wie klingt eigentlich das Universum? Eine Frage, die sich schwer beantworten lässt – genauso schwer wie die Frage, was genau die Musik von Johann Sebastian Bach eigentlich ausmacht. Vielleicht ist es genau diese Unfassbarkeit, die beides miteinander verbindet. Genau an dieser Schnittstelle setzt das Konzertprojekt „Bach in Space“ an, mit dem die Pianistin Mona Asuka ab dem 15. März 2026 auf Tour geht:
„Bach in Space ist ein Projekt, wo ich ungefähr 75 Minuten Werke von Bach spiele – am Klavier. Hinter mir ist dabei eine große Leinwand, wo man bewegte Bilder der Galaxien von der ESA und NASA sehen kann“, wie die Pianistin über das spannende Konzertprojekt im Interview mit Klassik Radio Redakteurin Valeska Baader erzählt. Was zunächst nach einem ungewöhnlichen Konzertformat klingt, entfaltet im Verlauf des Abends eine erstaunliche Logik: Die Musik scheint plötzlich denselben Raum zu öffnen wie die Bilder des Weltalls.
Für Mona Asuka liegt die Verbindung zwischen Bach und dem Kosmos nicht in einem konkreten Programm oder einer bestimmten Geschichte. Es geht um etwas Grundsätzlicheres. „In unserer Welt lässt sich ja sehr, sehr viel analysieren und erklären, aber es gibt eben auch Phänomene, die sich unserem vollständigen Verständnis entziehen“, sagt sie. „Und ich finde, dass das Universum dazu gehört – aber genauso auch die Musik von Johann Sebastian Bach.“ Beides sei auf seine Weise magisch: Man kann es untersuchen, analysieren, beschreiben – und doch bleibt immer etwas, das sich nicht vollständig erklären lässt. Genau diese Gemeinsamkeit macht die Kombination so überzeugend.
Die Bilder, die im Konzert zu sehen sind, stammen aus den riesigen Bildarchiven von ESA und NASA. Doch statt einfach nur projiziert zu werden, wurden sie für das Konzert neu aufbereitet. „Die Aufnahmen sind so hoch aufgelöst, dass man immer weiter reinzoomen kann und immer wieder neue Sachen in der Galaxie entdeckt“, erzählt Mona Asuka. Aus einem einzigen Bild entstehen so langsam bewegte Welten – Sternenstaub, Farben, Strukturen, die sich erst beim genaueren Hinsehen zeigen. Dieses Prinzip erinnert erstaunlich an Bach selbst: Auch seine Musik entfaltet ihre Tiefe oft erst beim genaueren Hinhören. Was zunächst klar erscheint, öffnet plötzlich neue Ebenen.
Die Idee zu Bach in Space entstand gemeinsam mit dem Veranstalter MünchenMusik – doch bis zur Premiere war es ein langer Weg. Von den ersten Konzepten bis zur Aufführung vergingen rund anderthalb Jahre, wie die Pianistin erzählt. Immer wieder wurde ausprobiert, verändert, verworfen. Denn ein solches Konzert stellt besondere Anforderungen: 75 Minuten Musik ohne Pause, dazu bewegte Bilder – das kann faszinieren, aber auch schnell zu viel werden. „Wir haben in den Proben gemerkt: Was funktioniert? Was funktioniert nicht? Was ist gut fürs Publikum – und wo wird man vielleicht überfordert?“ Am Ende entstand ein Programm, das Bekanntes und weniger Bekanntes mischt. Werke, die man sofort erkennt, wechseln sich mit solchen ab, die man vielleicht schon einmal gehört hat, ohne sie sofort benennen zu können.
Besonders beeindruckt haben Mona Asuka die Farben der Weltraumbilder. Als sie die Aufnahmen zum ersten Mal sah, konnte sie kaum glauben, dass sie echt sind. „Ich dachte zuerst: Das wurde bestimmt nachträglich bearbeitet. Diese Farben können ja eigentlich gar nicht echt sein.“ Doch genau diese Vielfalt hat sie inspiriert. Nicht im Sinne einer direkten Übersetzung – also Rot gleich Klangfarbe X –, sondern als Stimmung, die mit der Musik korrespondiert. Wenn etwa die berühmte Aria aus den Goldberg-Variationen erklingt, beschreibt Mona Asuka sie als etwas fast Überirdisches. „Das ist etwas sehr, sehr Göttliches – etwas Übernatürliches.“ Für diesen Moment wurden Bilder ausgewählt, deren Farben genau diese Atmosphäre tragen. So entsteht ein Dialog zwischen Klang und Bild – ohne dass das eine das andere erklärt.
Natürlich ist das Konzert genau vorbereitet: Reihenfolge der Stücke, Übergänge der Bilder, dramaturgische Abläufe. Doch gleichzeitig bleibt viel Raum für den Moment. Denn auch die Projektionen werden während des Konzerts gesteuert. Eine Person hinter dem Beamer reagiert auf die musikalische Interpretation, setzt Übergänge und Zoombewegungen. „Es ist natürlich live – das heißt, es kann alles Mögliche passieren. Und das ist ja auch das Schöne daran“, wie Asuka weiter erzählt.
Was diese Kombination im Publikum auslöst, kann Mona Asuka selbst nur erahnen – schließlich sitzt sie auf der Bühne. Für die Zuschauer soll der Abend aber wie eine Art meditative Erfahrung sein. Die Kombination aus Bach und den kosmischen Bildern wirkt beruhigend, fast entschleunigend. Vielleicht ist genau das der Kern von Bach in Space: kein klassisches Konzert, kein Wissenschaftsfilm, kein Spektakel – sondern eine Einladung, für eine Weile den Blick zu weiten und den Geheimnissen beider Welten, des Universums und der Musik von Bachs zu lauschen und zuzuschauen.
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