"Beethoven ist im ganzen Popuniversum anzutreffen"

Wie Beethoven uns heute noch beeinflusst"Beethoven ist im ganzen Popuniversum anzutreffen"

Beethoven wäre seinerzeit nicht nur selbst ein Popstar gewesen, er beeinflusst unser Musik bis heute. Das zeigt die Ausstellung die ab 25. April in Gronau im Münsterland zu sehen ist.

Beethoven im Rock'n'Popmuseum GronauFoto: Rock'n'Popmuseum Gronau

Sie erstreckt sich auf insgesamt 600 Quadratmetern und über zwei Geschosse. Dabei werden die Besucher via Audioguide von Udo Lindenberg willkommen geheißen, der später an Ludwig van Beethoven persönlich übergibt.

Beethoven vs Rolling Stones

Im unteren Geschoss des Rock'n'Popmuseums werden vor allem die Parallelen von Beethoven zu Pop- und Rockstars der heutigen Zeit deutlich gemacht. Da wird Beethovens Werk z.B. dem Schaffen der Rolling Stones gegenübergestellt, erklärt Thomas Mania, der Kurator des Museums: "Wir haben umgerechnet, wieviele LPs sozusagen Beethoven geschrieben hat, haben seine Stücke auf die Laufzeit einer LP umgerechnet und das dann verglichen mit den Rolling Stones und auch moderneren Künstlern und haben festgestellt, dass er einer der Produktivsten wäre in dieser Szene."

Beethoven wäre damals ein Popstar gewesen

Schon damals wurde laut des Kurators alles vermarktet, so finden sich auch zahlreiche Ausstellungsstücke mit dem Konterfeit von Beethoven, darunter z.B. auch ein Zigarettenfilter. Sie zeigen: eine Art Starkult gab es schon damals.

Außerdem gibt es eine Bilderreihe, die an die Poster und Plakate von Popstars erinnert: "Da haben wir einfach mal um die 30 Beethoven-Bildnisse von seiner Lebenszeit bis heute, gezeichnet auch von heutigen Künstlern, zusammengeschnitten und morphen die so durch."  Das heißt, man sieht Beethoven in einer Darstellung, die dann fließend in eine andere übergeht. "Da merkt man schon: von damals bis heute haben sich immer Künstler mit Ludwig van Beethoven befasst", erläutert Thomas Mania. "

Beethovens Musik ist im ganzen Popuniversum anzutreffen

Ein weitaus größerer Teil der Ausstellung zeigt allerdings Beethovens Einfluss auf die heutige (Musik)Kultur. "Wir haben festgestellt, dass Beethovens Musik im ganzen Popuniversum anzutreffen ist, bis in die winzigsten Verästelungen hinein, bis in den Rap hinein und ich denke, wir können einiges davon in unserer Ausstellung präsentieren", so Mania. So werden Passagen aus Beethovens Werken heute  nicht nur in der Musik ,sondern auch im Film oder anderen Bereichen genutzt, z.B. von Schwester Ewa, die "Für Elise" rappt in den Peanuts-Comics. 

Beethoven im Peanuts-Comic

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Beethoven der Filmkomponist

Die Verbindung zum Film wird z.B. durch ein Kino in der Ausstellung verdeutlicht, in dem Filmausschnitte gezeigt werden, die mit Beethovens Musik unterlegt sind und oft eine bedeutende dramaturgische Rolle spielen. Vor allem die siebte Symphonie: "Weil sie eigentlich immer in Grenzsituationen eingesetzt wird, wo die Handlung auf den Höhepunkt zuläuft. Da haben wir diese Sequenzen herausgeschnitten, um zu zeigen, in welchem Kontext und mit welcher Wirkung der Ludwig in der heutigen Filmproduktion genutzt wird", erläutert Thomas Mania.

Auch Heavy Metal nutzt Beethoven

"Wir haben an Originalexponaten unter anderem etwas von Ian Anderson, der im Interview auch Beethoven als Erfinder des Riffs darstellt, wir haben eine Gitarre von Wolf Hoffmann der Heavy-Metal-Band Accept, der auf dem Wacken-Open Air in einem Song "Für Elise" verarbeitet hat (...)", zählt Mania auf. Doch nicht die Exponate seien das Ausschlaggebende der Ausstellung, sondern die Stories, die sie erzähle. "Es gibt sehr viele bunte Beispiele auch, was Beethoven mit Pop zu tun hat, so ist zum Beispiel "Für Elise" auch die Erkennungsmusik dafür, wenn in Japan die Müllabfuhr kommt. Es ist schon irre". 

Beethoven als Erkennungsmusik für die Müllabfuhr

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Die Neunte als Ode an das Gurkenglas

Dabei nimmt sich die Ausstellung dem Thema Beethoven auch nicht immer bierernst, sondern mit einem Augenzwinkern an. "Wir haben die Neunte jetzt mal nicht als Europa-Hymne thematisiert, sondern wir haben das Rezept eines Gurkenglases als Neunte einsingen lassen. Sie werden es nicht glauben, aber es funktioniert", schmunzelt Mania.

Der "Beethoven Dancefloor"

Das große Highlight der Ausstellung ist aber sicherlich der "Beethoven Dancefloor". In einem Setting wie in der Disco-Szene von "Saturday Night Fever", die sich ja ebenfalls an Beethoven anlehnt, sind auf 25 Quadratmetern 25 Songs von Musikern zu hören, die sich an Beethovens Musik bedient haben. Dabei hören die Besucher die Musik über ein GPS-gesteuertes Kopfhörersystem, so dass sie von einem Hit zum anderen springen können - und das 25 Mal. "Am Ende werden Sie sicher erschöpft sein, aber voller Erkenntnisse", verspricht Mania.

Die berühmte Szene aus "Saturday Night Fever"

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Auf den Schlipps getreten

Wie dem Meister selbst die Ausstellung wohl gefallen habe? "Ich vermute, es war immer je nach Stimmunglage. Er war ja auch kein einfacher und eine sehr selbstbewusster Mensch. Man sollte besser Abstand davon nehmen, ihm auf den Schlips zu treten. Ob er so viel Selbstironie mitgebracht hätte, um unsere Ausstellung klasse zu finden, weiß ich nicht. Vielleicht wäre es eher der Schlipstritt gewesen. Aber das finde ich auch gut so", erklärt Thomas Mania lachend. 

(K.Jäger)

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