Christoph Maria Herbst in Einbeck: Kulturkrafttage mit großen Namen und neuen Ideen

Christoph Maria Herbst in Einbeck: Kulturkrafttage mit großen Namen und neuen Ideen

Ein denkmalgeschützter Kornspeicher, mehr als 400 Oldtimer – und mittendrin ein Festival, das bewusst anders sein will. Die Kulturkrafttage in Einbeck verbinden Musik, Sprache und Begegnung auf besondere Weise. Mit dabei: Schauspieler Christoph Maria Herbst.

KulturkrafttageFoto: STIFTUNG PS.SPEICHER

Ein denkmalgeschützter Kornspeicher – heute Heimat einer der größten Oldtimer-Erlebnisausstellungen Europas mit mehr als 400 Fahrzeugen. Normalerweise dreht sich im PS.Speicher alles um Motoren. Doch einmal im Jahr wird er zur Bühne für die Kulturkrafttage: ein Festival, bei dem Musik, Sprache und Begegnung aufeinandertreffen.

Für die künstlerische Leiterin Julia Hansen war dieser Ort von Anfang an mehr als nur eine Bühne. Als sie den PS.Speicher zum ersten Mal als möglichen Veranstaltungsort sah, dachte sie: „Mensch, das könnte doch das richtige Setting sein“, wie sie im Interview mit Klassik Radio Moderatorin Evita Helling verrät. 

Ein Festival, das Nähe schafft

Was die Kulturkrafttage besonders macht, ist nicht nur ihr Programm, sondern die Art, wie es gedacht ist. Hansen beschreibt es so, als wolle man „den Teppich ausrollen“ – nicht nur für die Künstlerinnen und Künstler, sondern genauso für das Publikum. Die Idee dahinter: Ein Ort, an dem man sich nicht wie ein Besucher fühlt, sondern willkommen ist. „Es soll wirklich eine Stätte der Begegnung sein“, sagt sie – ein Raum, in dem Musik und Sprache nicht nur präsentiert werden, sondern etwas auslösen. Diese Haltung zieht sich durch das gesamte Festival. Vier Tage lang wird der ehemalige Kornspeicher zum Treffpunkt unterschiedlichster künstlerischer Formen – Klassik, Jazz, Literatur, Improvisation. Ein bewusst offenes Konzept, das sich nicht in Kategorien einordnen lässt. 

Star-Gast Christoph Maria Herbst bei den Kulturkrafttagen

Für den deutschen Star-Schauspieler Christoph Maria Herbst ist die Teilnahme an den Kulturkrafttagen genau deshalb reizvoll. Er kommt zum ersten Mal nach Einbeck: „Man ist natürlich wahnsinnig gespannt, was man dort zu erwarten hat“, sagt er – gerade weil das Festival noch vergleichsweise jung ist, sich aber „schon einen tollen Ruf, eine tolle Reputation erarbeitet“ hat. Dass das Ganze nicht in einer Großstadt stattfindet, empfindet er dabei keineswegs als Nachteil. Im Gegenteil: Herbst sagt von sich selbst, er habe „überhaupt keine Berührungsängste mit der sogenannten Provinz“ – und ergänzt lachend im Interview mit Moderatorin Evita Helling: „Ich liebe ja die sogenannte Provinz.“ Gerade dort, so seine Erfahrung, sei Kultur oft unmittelbarer. Die Menschen seien „unfassbar wach“, und Veranstaltungen wie die Kulturkrafttage hätten eine besondere Bedeutung, weil sie stärker in den Alltag der Menschen hineinwirken.

Bei der sogenannten „Blauen Stunde“ steht Herbst am kommenden Samstag (21.3.2026) gemeinsam mit dem Sélean Trio selbst auf der Bühne. „Die Idee der blauen Stunde ist, dass erfahrene bekannte Sprecherinnen und Sprecher auf junge Nachwuchstalente aus dem Bereich der klassischen Musik treffen“, erklärt Julia Hansen das Konzept. Text und Musik entstehen im Zusammenspiel, zwischen Bekanntem und Neuem. Gerade dieses erste Aufeinandertreffen ist gewollt. Es geht nicht um Perfektion, sondern um das, was im Moment entsteht. Christoph Maria Herbst bringt dafür Texte mit, zu denen dann ein musikalischer Rahmen entsteht. Wie genau diese Verbindung zwischen Text und Musik dann auf der Bühne zusammengeführt wird, kann er noch gar nicht vollständig sagen. „Ich kann es mir nur so erklären“, sagt Herbst, „dass ich Texte lese, wo die Musiker der Meinung sind, dass so eine Stummfilmmusik aus den dreißiger Jahren von Schostakowitsch super dazu passen würde.“ Das Entscheidende liegt dabei weniger im Konzept als im Zusammenspiel. Sprache und Musik brauchen Timing, Rhythmus, das Gefühl für den richtigen Moment. Und genau dort treffen sich die Beteiligten. „In beiden Fällen brauchst du ein ungeheures Rhythmusgefühl“, sagt Herbst – und ist überzeugt, dass genau darin die gemeinsame Basis liegt.

Energiekick mit Kultur

Die Kulturkrafttage verstehen sich selbst als eine Art „kultureller Energiekick“. Das zeigt sich nicht nur im Programm – von Klavierduo über Akkordeon und Saxophon bis hin zu Lesungen und Chanson –, sondern vor allem in der Atmosphäre. Es geht nicht darum, Kunst zu präsentieren, sondern darum, etwas in Bewegung zu bringen. Zwischen Bühne und Publikum, zwischen Künstlern, zwischen den einzelnen Momenten.

Vielleicht lässt sich dieses Gefühl am besten mit einem Begriff beschreiben, den Christoph Maria Herbst selbst verwendet, wenn er über seine Erlebnisse mit Musik spricht. Über diese Momente, die sich nicht ganz greifen lassen. „Das ist irgendwas Feinstoffliches“, sagt er. Ein treffendes Wort für das, was in Einbeck entsteht: Kein klassisches Festival – sondern ein Raum, in dem Kunst und Begegnung plötzlich ganz nah beieinanderliegen.


Valeska Baader / 18.03.2026

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