Daniel Hope: "Jedes Konzert ist das wichtigste Konzert deines Lebens."

Daniel Hope: "Jedes Konzert ist das wichtigste Konzert deines Lebens."

Daniel Hope wird ab 2025 neuer Intendant beim Gstaad-Menuhin-Festival. Er hat uns erzählt, was das Festival für ihn bedeutet und wie er sich auf die neue Rolle vorbereitet.

Daniel HopeFoto: Inge Prader

Was bedeutet das Gstaad Menuhin Festival für Sie?

Es bedeutet mir einfach die Welt.

Ich bin da groß geworden. Wir sind Mitte der 70er Jahre in London gelandet. Wir mussten Südafrika verlassen, weil mein Vater Schriftsteller war und er sich kritisch gegenüber dem Apartheid-Regime geäußert hat. Wir wurden aus dem Land, mehr oder weniger, rausgeworfen und landeten mittellos in London. Und dort, durch einen kuriosen, aber unglaublich schönen Zufall, hat meine Mutter diese Stelle als Sekretärin zu Yehudi Menuhin bekommen.

Das Erste, was er zu ihr sagte, ist: „Sie packen ihre Sachen und sie kommen für zwei Monate nach Gstaad.“ Sie war ein bisschen geschockt, weil sie sagte: „Ich habe zwei kleine Kinder, ich kann nicht einfach gehen.“ Er hat nur geschmunzelt und sagte: „Nein, Sie haben mich falsch verstanden. Ich würde niemals eine Mutter von ihren Kindern trennen. Sie kommen selbstverständlich alle mit.“ 

Und so sind wir dann mit dem Auto von England nach Gstaad. Mit der Fähre durch den Berge und dann letztendlich durch diese magischen Täler und Berglandschaften und sind in einer Art Paradies angekommen. Paradies, weil es so schön aussieht, aber auch, weil die Musik dort eine große Rolle gespielt hat. Jeden Sommer durfte ich diese Musik miterlebe, die großartige Künstlerinnen und Künstler hören. 

Insofern schließt sich ein großer Kreis. Und es ist für mich deshalb nicht nur eine große Freude, aber auch eine große Ehre, diesen Kreis schließen zu dürfen. 

Sie treten in die Fußstapfen von Christoph Müller, wird dies eine schwierige Aufgabe? 

Es ist eine große Herausforderung. Christoph Müller hat seit 22 Jahren einen exzellenten Job gemacht. Das Festival ist enorm gewachsen. Ich habe auch während seiner Amtszeit immer mal wieder dort gespielt und das jetzt zu übernehmen, ist eine Riesenchance, das ist ein Geschenk. 

Bei einem Festival, gerade einem Sommerfestival, geht es darum, Zeit mit Menschen zu verbringen, die einem nahe sind. Und dann diese Atmosphäre, diese wunderschöne Landschaft mit der Musik, in diesen großartigen Kirchen, aber auch in dem Zelt, die es da gibt. 

Es kommt dann eine große Neuerung. In hoffentlich zwei bis drei Jahren wird ein Konzertsaal auch noch gebaut. Das ist eine ganz, ganz neue Erfahrung für die Region. Also es gibt viel zu tun, aber ich bin Feuer und Flamme dafür. 

Haben Sie lange überlegt, die Stelle anzunehmen?

Also es hat sicherlich ein paar Sekunden gedauert. Wir waren in der letzten Runde der Verhandlungen, wir haben uns dann geeinigt und mir wurde dann im Prinzip auch auf der schweizerischen Art, also per Handschlag, das finale Angebot unterbreitet. 

Das ist für mich nicht nur ein Job, das ist eine Lebensaufgabe. Und als es klar war, dass beide Seiten, also Festivalteam sowie auch meine Seite, zufrieden waren, habe ich nicht wirklich einen Moment gezögert, denn es fühlte sich einfach richtig an. 

Auf was dürfen wir uns, mit Ihnen als Intendant, freuen?

Ich versuche in meinem Programm, Geschichten zu erzählen. Das tue ich jetzt seit über 30 Jahren. Und ich glaube daran, dass Musik eine große Rolle spielen kann in unserem Leben, in der Gesellschaft, auch für Kinder, auch für Menschen, die vielleicht nicht immer Zugang zu Musik haben. Und ich glaube, dass Musik ein Menschenrecht ist, dass Musik für jeden da ist. 

Ich möchte positive Botschaften in die Welt setzen. Ich glaube, wir haben alle jetzt gemerkt, wie schwierig unsere Welt ist, wie viele schlechte Nachrichten es gibt. Ich bin fest davon überzeugt, dass Musik uns auf andere Gedanken bringen kann. Und dieser Aufschwung, dieses positive Gefühl möchte ich versuchen zu vermitteln. Durch fantastische, weltbekannte Künstlerinnen und Künstler, die genau das tun. Sie bringen ihre Energie, ihre Leidenschaft und ihre Inspiration mit. 

Wie bereiten Sie sich auf die neue Herausforderung vor?

2026 wird mein erstes Festivaljahr sein. Aber ich muss jetzt sofort loslegen. Das heißt, es hat schon begonnen mit Ideen, mit Themen, mit Künstlerinnen und Künstlern. Vorher gab es keinen Intendanten, sondern nur eine künstlerische Leitung. Das heißt, die Verantwortung ist für mich noch mehr geworden. 

Diesen Sommer werde ich mir Zeit nehmen, beim Festival, selbst, als Gast zu sein, und ich spiele zwei Mal als Künstler mit. Ich möchte das Publikum erleben, neu kennenlernen. Und mir dann vielleicht so bis zum September ersten Skizzen machen. 

Was würden Sie jungen Musikern raten? 

Ich sage immer, dass eine Einladung zu einem Konzert oder zu einem Festival eine Sache ist, aber wichtiger sogar ist die Wiedereinladung. Eine Karriere, gerade bei der klassischen Musik, kann das ganze Leben lang dauern. Das macht es sehr besonders in der klassischen Musik. Und das funktioniert nur, wenn das auf einem guten, sicheren Fundament aufgebaut wird. Und das bekommt man Konzert für Konzert, Stein für Stein. Es ist egal, wie klein oder wie angeblich unbedeutend ein Ort ist. Kein Ort ist unbedeutend. Jedes Konzert ist das wichtigste Konzert deines Lebens. Und du weißt nie, wer da draußen sitzt. 

Wie hört sich der Sommer für Sie an?

Also dieser Sommer ist natürlich, sehr, sehr durchwachsen. Es ist sehr regnerisch, ungewohnt kalt, aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass die Menschen sich sehr auf die Sommerfestivals freuen. Sommerfestivals haben einfach eine unglaubliche Energie, und ich genieße das sehr. Und ich glaube, das ist dieses Energiegeladene, das ist quasi meine Art Dauersoundtrack des Sommers. Ein pulsierendes und unaufhörliches Rhythmusgefühl, das uns durch den Sommer trägt, egal wie das Wetter ist. 

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