31.455 Konzerte, Opern- und Tanzaufführungen in einem einzigen Jahr! Die neue Bachtrack-Statistik zeigt nicht nur, wie viel klassische Musik weltweit im Jahr 2025 gespielt wurde, sondern auch, welche Musik tatsächlich den Ton angegeben hat. Ein guter Anlass, auf dieses spannende Konzertjahr zurückzublicken.

Die jährlichen Bachtrack-Auswertungen gelten inzwischen als eine Art Seismograph für das internationale Klassikleben. Statt Meinungen oder Trends zu vermuten, schaut Bachtrack dorthin, wo sich Programmentscheidungen konkret niederschlagen: In die Spielpläne von Orchestern, Opernhäusern, Festivals und Ensembles auf der ganzen Welt. Aus tausenden Programmen entsteht so ein überraschend klares Bild davon, welche Musik tatsächlich gespielt wird – und welche Komponisten Jahr für Jahr den Ton angeben. Jetzt liegt auch die neue Statistik für das vergangene Konzertjahr vor – mit klaren Antworten darauf, welche Komponisten, Werke und Epochen 2025 die Programme dominierten.
Hätte das Konzertjahr 2025 ein Gesicht, dann wäre es sicherlich das von Ludwig van Beethoven. Kein anderer Komponist taucht in den Programmen so häufig auf, keiner ist so fest im Konzertalltag verankert wie er. Beethoven führt die Liste der meistgespielten Komponisten an – und prägt mit seinen Werken das Konzertjahr quer durch alle Spielpläne.
Allein unter den meistgespielten Konzertwerken schafft es Beethoven gleich vier Mal unter die Top 10:
So dominant Beethoven auch ist – ganz oben bei den meistgespielten Konzertwerken steht 2025 trotzdem ein Barockstück: Antonio Vivaldis Vier Jahreszeiten. Vor allem Kammerorchester und Tournee-Ensembles greifen immer wieder darauf zurück – das Stück ist flexibel, publikumsnah und zuverlässig wirkungsvoll. Auf Platz 2 folgt darauf ein Werk aus einer ganz anderen Klangepoche: Maurice Ravels La Valse.
Dass dieser Ravel-Walzer 2025 so häufig auf den Programmen steht, ist wohl kein Zufall: Ravels 150. Geburtstag hat seinen Werkaufführungen spürbar zusätzlichen Rückenwind verliehen. Das sieht man auch bei der Platzierung der meistgespielten Komponisten: Maurice Ravel schafft es 2025 auf Platz 4 und damit direkt hinter dem nahezu in Stein gemeißelten Spitzentrio Beethoven, Mozart und Bach.
Dahinter wird es romantisch – im besten Sinne. Johannes Brahms folgt auf Platz 5, Franz Schubert auf Platz 6, dicht gefolgt von Frédéric Chopin auf Platz 7. Auch die Spätromantik und das 20. Jahrhundert mischen kräftig mit: Dmitri Schostakowitsch landet auf Platz 8, Peter Tschaikowsky auf Platz 9 und Robert Schumann komplettiert schließlich die Top 10.
Auch in der Oper zeigt sich 2025 eine große Liebe zur Verlässlichkeit. Mozart führt nicht nur die Liste der meistgespielten Opernkomponisten an, er ist mit gleich mehreren Werken auch auf den Spielplänen omnipräsent. Die Zauberflöte steht an der Spitze der meistgespielten Opern, dicht gefolgt von Le nozze di Figaro (Platz 5) und Don Giovanni (Platz 8) – drei Werke, die offenbar alles vereinen, was Opernhäuser brauchen: Starke Figuren, große Gefühle und Melodien, die im Ohr bleiben.
Doch Mozart ist nicht allein auf den Spitzenplätzen vertreten: Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini zählen mit Platz 2 und 3 zu den meistgespielten Opernkomponisten und liefern gleich mehrere Dauerbrenner für die Top 10 der meistgespielten Opern: La bohème landet auf Platz 3, La traviata direkt dahinter auf Platz 4 und mit Tosca (Platz 6) und Rigoletto (Platz 10) mischen die beiden auch weiter unten in den Top 10 kräftig mit. Wo Verdi oder Puccini auf dem Spielplan stehen, sind also volle Konzerthäuser fast schon garantiert…
Und dann wäre da noch Georges Bizet. Mit Carmen landet er 2025 auf Platz 2 der meistgespielten Opern – und zeigt damit eindrucksvoll, dass man für einen Dauererfolg nicht zwangsläufig ein riesiges Gesamtwerk braucht. Eine Oper reicht manchmal völlig aus.
Auch darüber hinaus bleibt das Opernjahr fest in klassischer Hand: Richard Wagner, Gioachino Rossini und Georg Friedrich Händel schaffen es ebenfalls unter die Top 10 der meistgespielten Opernkomponisten, ebenso Gaetano Donizetti, Richard Strauss und Peter Tschaikowsky. Kurz gesagt: Die Oper liebt ihre Klassiker – und das Publikum offensichtlich auch.
Auch im Ballett und Tanz zeigt sich 2025 wieder eine klare Vorliebe für Verlässliches. Peter Tschaikowsky dominiert die Spielpläne und belegt gleich mehrere Spitzenplätze: Der Nussknacker steht unangefochten an der Spitze, dicht gefolgt von Schwanensee auf Platz 2 und Dornröschen auf Platz 4. Diese Werke sind nicht nur feste Bestandteile des Repertoires, sondern echte Publikumsmagnete – besonders in der Wintersaison kaum wegzudenken.
Ein Blick auf die Programme zeigt schnell eine klare Gemeinsamkeit: In den Konzertsälen ist 2025 vor allem eines zu hören – Romantik. Mit knapp 40 Prozent Anteil an allen weltweiten Aufführungen lässt diese Epoche alle anderen deutlich hinter sich und prägt den Klang der Konzertsäle rund um den Globus. Das ist mehr als eine statistische Randnotiz, es ist ein Stimmungsbild. Denn romantische Musik steht für große Gefühle, innere Konflikte, Sehnsucht und Hoffnung – für genau das, wonach viele Menschen derzeit in der Musik suchen.
Wer 2025 viel unterwegs war, stand meist am Pult: Yannick Nézet-Séguin führt mit beeindruckenden 120 Engagements die Liste der meistbeschäftigten Dirigenten an. Überraschend ist das allerdings kaum – ein Blick auf die vergangenen zehn Jahre zeigt, dass er dort praktisch ein Stammgast ist. Arbeit scheint für ihn weniger Ausnahme als Dauerzustand zu sein.
Auch bei den Orchestern zeigt sich ein vertrautes Bild. An der Spitze der Aufträge steht das Chicago Symphony Orchestra, dicht gefolgt von den Berliner Philharmonikern und den Wiener Philharmonikern. Komplettiert wird die Spitzengruppe vom New York Philharmonic – große Namen, die auch 2025 kaum Zeit für Verschnaufpausen hatten.
Für ein besonders schönes Familienspitzenduo sorgen die Brüder Capuçon: Renaud führt die Liste der meistbeschäftigten Violinisten an, Gautier gleichzeitig jene der Cellisten. Zwei Instrumente, zwei Spitzenplätze – effizienter lässt sich musikalische Präsenz kaum verteilen. Und auch am Klavier bleibt alles in besten Händen: Kirill Gerstein ist 2025 der meistbeschäftigte Pianist und damit ebenfalls ständig zwischen Bühne, Probenraum und Flughafen unterwegs.
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