Der Mozart in uns allen - die überraschende Wahrheit über das absolute Gehör

Der Mozart in uns allen - die überraschende Wahrheit über das absolute Gehör

Nur einer von 10.000 Menschen soll das absolute Gehör besitzen – eine Gabe, die Musiklegenden wie Beethoven oder Mozart auszeichnete. Was wäre, wenn in uns allen ein Funke von dieser magischen Präzision auch in uns schlummert? Neueste Forschungsergebnisse lassen vermuten, dass vielleicht viel mehr Menschen eine versteckte Form dieser Gabe besitzen, als wir je dachten.

Absolutes GehörFoto: © [Pavel Kachanau]/stock.adobe.com

Ohrwurm als Talenttest?

Fast jeder kennt das: Ein Song geht nicht mehr aus dem Kopf – der sogenannte Ohrwurm. Er taucht plötzlich auf, bleibt hartnäckig und läuft in Endlosschleife. Wissenschaftler wie Matthew Evans von der University of California wollten wissen, ob wir diese im Kopf hängengebliebenen Melodien genauso exakt wiedergeben können, wie wir sie in Erinnerung haben. Sie baten 30 Teilnehmer, ihre Ohrwürmer spontan nachzusingen. Die Ergebnisse waren überraschend: Fast die Hälfte der Testpersonen traf die Originaltonhöhe der Lieder exakt, und bei 70 Prozent lag der Unterschied bei maximal einem Halbton.

Diese Erkenntnisse werfen eine entscheidende Frage auf: Steckt vielleicht in jedem von uns ein verborgenes, automatisches absolutes Gehör? Bisher galt das absolute Gehör als ein seltenes Phänomen, das nur durch eine Mischung aus genetischer Veranlagung und früher musikalischer Schulung erlangt werden kann. Doch die Studie zeigt, dass viele Menschen im Alltag unbewusst Töne exakt erinnern und reproduzieren können – zumindest, wenn der Ohrwurm erst einmal zugeschlagen hat.

Beethoven Bildnis
Foto: © Karl Joseph Stieler
Soll das perfekte Gehör besessen haben: Ludwig van Beethoven

Den Ton perfekt getroffen

Traditionell unterteilt man die Menschen in zwei Gruppen: Die wenigen, die das absolute Gehör haben, und den Rest, der sich bei der Bestimmung von Tönen schwertut. Doch diese strikte Trennung scheint ins Wanken zu geraten. Forscher sind sich mittlerweile sicher: Es gibt es nicht nur die Musikgenies, die jeden Ton perfekt benennen können, sondern auch viele „Normalhörende“, die unbewusst eine erstaunlich präzise Tonvorstellung haben.

Der hartnäckige Ohrwurm könnte dabei ein Schlüssel sein. Denn in den Momenten, in denen uns eine Melodie endlos durch den Kopf geistert, greifen wir offenbar auf eine tief verankerte Erinnerung an die Originaltonhöhe zurück. Wie ein verstecktes Talent, das sich ohne großes Zutun offenbart, könnten diese intuitiven „Tontreffer“ unser Potenzial zeigen.

Das Gehör der Meister

Beethoven, der angeblich mit absolutem Gehör gesegnet war, hätte wohl nicht gedacht, dass ganz normale Menschen, ohne jegliche musikalische Ausbildung, ihm in puncto Tonpräzision zumindest in gewisser Weise nahekommen könnten. Doch die Wissenschaft zeigt, dass die Fähigkeit, Töne präzise wahrzunehmen, nicht nur ein Geschenk für die Auserwählten ist. Es scheint, als hätten viele von uns eine Art „Alltags-Beethoven“ in sich – eine Fähigkeit, die sich nicht durch bewusste Anstrengung, sondern durch unfreiwillige offenbart.

Vielleicht spiegelt sich darin eine tiefere Wahrheit wider: Musik ist ein universelles Phänomen, das weit mehr in uns auslöst, als wir bewusst wahrnehmen. Ob der nächste Ohrwurm also nervt oder nicht – er könnte der unentdeckte Beweis sein, dass in jedem von uns ein kleiner Meisterkomponist schlummert.

Ohrwürmer der besonders angenehmen Art - und das vom Meister des absoluten Gehörs - haben wir auf unserem Klassik Radio Select-Sender "Best of Ludwig van Beethoven" für Sie zusammengestellt. Viel Spaß beim Reinhören.

Erhalten Sie Informationen aus erster HandBestellen Sie den Klassik Radio Newsletter

* Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis

Neueste Artikel

„Ich versuche, nicht darüber nachzudenken“ – Spielen auf dem teuersten Instrument der Welt
Amihai Grosz

Erster Solobratscher der Berliner Philharmoniker:
„Ich versuche, nicht darüber nachzudenken“ – Spielen auf dem teuersten Instrument der Welt

Heute Abend erklingt beim Konzert der Berliner Philharmonikern das wertvollste Instrument der Welt: die MacDonald-Viola von Stradivari - sie soll für über 23 Millionen Dollar versteigert worden sein. Gespielt wird sie vom ersten Solo-Bratscher Amihai Grosz. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie es sich anfühlt, auf so einer teueren Bratsche zu spielen, ob man nicht ständig in Sorge ist und was den Klang so besonders macht.

5 Urlaubsziele, die weltberühmte Komponisten inspirierten
Insel Staffa, Teil der Hebriden, Schottland

Auf den Spuren der Komponisten
5 Urlaubsziele, die weltberühmte Komponisten inspirierten

Es ist Urlaubszeit. Zeit andere Kulturen und Landschaften kennenzulernen. Auch bekannte Komponisten, wie Gustav Mahler und Frédéric Chopin, wussten um die Inspiration durch ferne Orte.

Lang Lang wird 44: Wie ein Junge aus China zum Superstar der Klassik wurde
Lang Lang

Lang Lang wird 44: Wie ein Junge aus China zum Superstar der Klassik wurde

Er ist einer der berühmtesten Pianisten der Gegenwart: Lang Lang hat die großen Bühnen der Welt erobert und zugleich Millionen Menschen erreicht, die mit klassischer Musik zuvor kaum Berührung hatten. Wie aus einem hochbegabten Kind mit außergewöhnlichem Ehrgeiz ein Künstler wurde, der wie kaum ein anderer für die moderne Seite der Klassik steht.

Klassik Radio - Deutschland nationalKlassik Radio - Deutschland national