Die Wahre Geschichte der Woche: Brieftauben

Ausgewählt von Thomas Ohrner Die Wahre Geschichte der Woche: Brieftauben

Jede Woche wählt ein Mitglied aus der Redaktion eine persönliche Wahre Geschichte der Woche aus und verleiht ihr eine besondere Note.

Die Wahre Geschichte der Woche: Brieftauben Foto: Klassik Radio

Diese Woche kommentiert Thomas Ohrner:

Heute ist es für uns selbstverständlich die neusten Börsennews innerhalb weniger Minuten im Internet abzurufen. Damals war dafür eine „gefiederte“ Flotte zuständig. 

Es begann mit 45 Tauben

Bertolt Brechts Frage "Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?" gilt auch für das Nachrichtengeschäft. Als einer der ersten hat das Joseph Reuters erkannt. Der 1816 geborene Sohn eines Rabbiners lebte seit 1840 in Berlin. Als zu seiner Zeit Telegrafenstrecken eingeweiht wurden, expandierte das Geschäft mit Informationen stark.

Doch noch hatte das Nachrichten-Netz viele Lücken, und genau das wurde für Reuter zur Chance seines Lebens. So gab es 1849/50 noch keine Verbindung zwischen dem belgischen und dem deutschen Telegrafennetz. Also überbrückte Reuter die Lücke zwischen Brüssel und Aachen mit Brieftauben, anfangs 45 und schließlich rund 200 Tieren.

In der Luft geht es schneller

Sie brachten die geheimen neusten Börsenkurse und Nachrichten unter ihren Flügeln zu ihren Empfängern. Sie waren sechs Stunden schneller als die Nachrichtenübermittlung durch Kuriere in Zügen. In Aachen entstand damit die Keimzelle für die weltweit wohl bekannteste Agentur, die nach ihrem Gründer Reuters heißt.

Bis heute stehen bei Reuters die Finanzinformationen im Vordergrund, nur die Tauben dürfen im Hangar bleiben.

Herzliche Grüße

Ihr Thomas Ohrner

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