Die Wahre Geschichte der Woche: Die Ente

Ausgewählt von Alexander HochenburgerDie Wahre Geschichte der Woche: Die Ente

Jede Woche wählt ein Mitglied aus der Redaktion eine persönliche Wahre Geschichte der Woche aus und verleiht ihr eine besondere Note.

Die Wahre Geschichte der Woche: Die Ente Foto: Klassik Radio

Diese Woche kommentiert Alexander Hochenburger:

Was hatten wir Spaß mit ihr! Damals in den 80er Jahren noch, als alles ein wenig einfacher und freier war als heute. Beinahe überall konnte man mit ihr hin, kein Weg war ihr zu steinig, keine Straße zu holprig.

Sie hatte Charakter, aber natürlich auch ihre Eigenheiten. Man musste sie schon mögen, und eine ganz besondere Beziehung zu ihr haben. Nicht von ungefähr hieß es, sie solle „ein Sofa auf vier Rädern unter einem Regenschirm“ sein.

Der Beginn einer Legende

Begonnen hat alles, weil der Generaldirektor einer großen Firma bei einem Besuch am Lande festgestellt hat, dass die Bauern immer noch mit ihren Ochsenkarren unterwegs waren. Also beschloss Pierre-Jules Boulanger, so hieß der Mann, ein Gefährt zu bauen, das „Platz für zwei Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln oder ein Fässchen Wein bietet“, so wird er zitiert. Mindestens 60 km/h sollte es schaffen und dabei äußerst sparsam im Verbrauch von Treibstoff sein. Im übrigen sollte ein Korb mit Eiern die Fahr über einen umgepflügten Acker unbeschadet überstehen.

Das war der Beginn einer Legende und eines der ungewöhnlichsten und originellsten Fahrzeuge der Geschichte. „TPV“ sollte das Projekt heißen, was im französischen für die Abkürzung von „ganz kleines Auto“ stand. Nach der sehr spartanisch gehaltenen ersten Version des TPV wurde am 7. Oktober 1948 eine völlig überarbeitete Version präsentiert – und satirisch bezeichnet als „Konservendose für vier Sardinen“. Dem Kult, der sich schon bald darum entwickelte, konnte dies freilich keinen Abbruch tun.

Motorhaube eines alten Autos
Foto: Photo by Kira Laktionov on Unsplash

Abenteuerliche Erlebnisse

Der Anschaffungspreis war niedrig, die Technik einfach, der Unterhalt günstig. Vor allem bei jungen Leuten war das natürlich sehr beliebt. Damals, Anfang der 80er Jahre fuhren wir mit dem Sondermodell namens „Charleston“ durch Stadt und über Land, und nicht selten kam es vor, dass man eine Unebenheit auf der Straße oder eine Kuppe zwei, oder dreimal mit viel Schwung überfahren hat, weil es einfach Spaß gemacht hat, als wäre man auf dem Jahrmarkt in der Achterbahn. Von den abenteuerlichen Erlebnissen in engen Kurven die man mit Schwung genommen hatte, mal ganz zu Schweigen.

Dem treuen und kultigen Gefährt haben seine Liebhaber übrigens in den unterschiedlichen Ländern ganz unterschiedliche Namen gegeben. Im Herkunftsland Frankreich hieß es „deux chevaux“, für „zwei Pferde“, in der Schweiz wurde daraus „Döschewo“, in Spanien  „Dos Caballos“. Etwas anders war das zum Beispiel in Argentinien wo es „Das Froschauto“ war, oder in den Niederlanden wo es „Das hässliche Entlein“ war – woraus in Deutschland und Österreich etwas liebevoller die „Ente“ wurde.

Viele Grüße

Ihr Alexander Hochenburger

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