Die Wahre Geschichte der Woche: Erbsenzählerei

Ausgewählt von Klara Jäger Die Wahre Geschichte der Woche: Erbsenzählerei

Jede Woche wählt ein Mitglied aus der Redaktion eine persönliche Wahre Geschichte der Woche aus und verleiht ihr eine besondere Note.

Die Wahre Geschichte der Woche: Erbsenzählerei Foto: Klassik Radio

Erbsenzähler und Weltentdecker

"Erbsenzähler" sind gemeinhin nicht unbedingt als angenehme Mitmenschen bekannt. Doch nach dieser Geschichte der Woche ist einem klar, dass sie vielleicht ihre Gründe haben mögen und mit dieser Eigenschaft auch der Gesellschaft nützen können.

Dass z.B. ein "Erbsenzähler" hinter einem ganzen Reiseführerimperium steckt und ein Weltentdecker war, hätte ich nicht vermutet. 

Stufe um Stufe, Erbse um Erbse

Doch Karl Baedecker war schon ein Weltenbummler, bevor das Wort "Tourismus" überhaupt geboren worden war: schon 1847 schleppte er sich die unzähligen Stufen zum Mailänder Dom hinauf. Alle 20 Stufen schob er eine Erbse von seiner Westen- in seine Hosentasche. Oben angekommen, zählte er sie, um so die Anzahl der Stufen festzustellen. Doch damit nicht genug: um ganz sicher zu gehen, betrieb er das Verfahren beim Hintergehen einfach rückwärts.

Auch in dieser Operette taucht Baedecker auf:

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Um ehrlich zu sein, habe ich mich bei diesem Teil der Geschichte gefragt, wieviel Reisevergnügen bei so einer Mission überhaupt noch übrigbleibt, wenn man stets daran denken muss, nichts zu vergessen und alles haargenau nimmt.

Doch Karl Baedecker ließ sich nicht entmutigen: vor jeder Reise plante er jeden Schritt systematisch. Penible prüfte er jeden Weg, jeden Bahnanschluss, inspizierte jede Sehenswürdigkeit, notierte alles und schrieb am Ende der Reise alles zusammen. 

Rote berühmte Bücher

So kam es auch, dass die Reiseführer nach seiner ersten Ausgabe "Rheinreise von Straßburg bis Düsseldorf mit Ausflügen nach Baden" unter seinem Namen veröffentlich wurden - mit einem Einband in der Signalfarbe rot - bald ihr markenzeichen.

Denn die "Unfehlbarkeit" der Reiseführer war bald international bekannt. Dass das ausgerechnet in einer Operette augegriffen wird, ist wirklich ungewöhnlich:

„Kings and governments may err but never Mr. Baedeker“

So steht es in der englischen Übersetzung des Librettos der Operette "La Parisienne" von Carl Offenbach. 

Selbst wenn sich das Rot der Reiseführer heute nur noch auf ein rotes Rechteck beschränkt - bis heute ist jedem der Name "Baedecker" ein Begriff.

Und so hat sich der "Erbsenzähler" unsterblich gemacht - und ist auch noch in einer Operette festgehalten.

(19.06.21/K.Jäger)

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