Die Wahre Geschichte der Woche: Monet

Ausgewählt von Anna BaumgartDie Wahre Geschichte der Woche: Monet

Jede Woche wählt ein Mitglied aus der Redaktion eine persönliche Wahre Geschichte der Woche aus und verleiht ihr eine besondere Note.

Die Wahre Geschichte der Woche: Monet   Foto: Klassik Radio

Diese Woche kommentiert Anna Baumgart:

Wenn mir meinem Ich im Teenager-Alter jemand erzählt hätte, dass ich irgendwann Freude daran habe, in der Erde zu wühlen und winzige Samen einzupflanzen, um ihnen dann beim Wachsen zuzusehen, hätte ich vermutlich mit Unverständnis reagiert; wie kann man das nur als erholsam, erfüllend, geschweige denn als interessant empfinden?

Heute sieht das, wie Sie sich schon denken können, anders aus. Und das Schönste daran ist tatsächlich, nach getaner Arbeit im Grünen zu sitzen und sich das Werk anzusehen. Die verschiedenen Blätter, Blüten, die Insekten, die sich daran ebenso erfreuen wie ich.

Water Lilies aus 1906
Foto: Claude Monet

250 Mal der Seerosenteich

Ich kann also Claude Monet verstehen. Den Maler, der von seinem Seerosenteich im Garten so fasziniert, ja, regelrecht besessen war, dass er nicht mehr davon loskam. 250 Ölgemälde schuf der Franzose mit immer dem selben Motiv. Doch die Tageszeiten, das Licht und die Stimmung veränderten sich stets, so, dass er es immer wieder neu einzufangen versuchte. Malte er ansonsten häufig flüchtige Begegnungen und Momentaufnahmen, so schuf er mit seinen Seerosen einen Blick für die Ewigkeit. Immerwährende Schönheit. Einen Ruhepol in unsteten Zeiten.

Dabei hatte der Maler es gar nicht auf ein neues Motiv abgesehen. Zu einem Besucher soll er gesagt haben: "Ich habe einige Zeit gebraucht, um meine Seerosen zu verstehen. Ich habe sie nur zum Vergnügen gepflanzt; ich habe sie gezüchtet, ohne daran zu denken, sie zu malen. Eine Landschaft braucht mehr als einen Tag, um einem unter die Haut zu gehen. Und dann, ganz plötzlich, hatte ich die Offenbarung, wie wunderbar mein Teich ist, und griff zur Palette."

Am Rande des Teiches

Während man seine Seerosen-Gemälde heute im Musée de l`Orangerie im Tuilerien-Garten in Paris bewundern kann, ist ebenso sein Garten mit dem berühmten Teich in Giverny, ca. 70 km von Paris entfernt, für Neugierige zugänglich. Vielleicht muss ich eines Tages dort hin reisen und für immer am Rande des Teiches sitzen bleiben, um seine Seerosen anzusehen, die ihm soviel Frieden gegeben haben. Denn würde mir heute jemand sagen, dass ich irgendwann nicht mehr in der Erde wühlen, winzige Samen einpflanzen und ihnen dann beim Wachsen zusehen werde – ich würde vermutlich mit Unverständnis reagieren.

Herzliche Grüße

Anna Baumgart

Die Wahre Geschichte hören Sie immer Mo bis Fr um 9.10, 17.10 und auf Klassik Radio Select.

Erhalten Sie Informationen aus erster HandBestellen Sie den Klassik Radio Newsletter

* Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis

Neueste Artikel

Das Klassikjahr 2025: An diesen Komponisten kam niemand vorbei!
Dirigent mit erhobenen Armen leitet ein großes Orchester vor Publikum in einem Konzertsaal

Das Klassikjahr 2025: An diesen Komponisten kam niemand vorbei!

31.455 Konzerte, Opern- und Tanzaufführungen in einem einzigen Jahr! Die neue Bachtrack-Statistik zeigt nicht nur, wie viel klassische Musik weltweit im Jahr 2025 gespielt wurde, sondern auch, welche Musik tatsächlich den Ton angegeben hat. Ein guter Anlass, auf dieses spannende Konzertjahr zurückzublicken.

Zauber(flöte) für die Seele - Warum uns Mozart emotional stabilisiert
Mozart

Zum 270. Geburtstag
Zauber(flöte) für die Seele - Warum uns Mozart emotional stabilisiert

Am 27. Januar wird Mozart 270 Jahre alt – Grund genug, die Wirkung seiner Musik einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Wissenschaftler haben gezeigt, dass seine Werke unser Gehirn stimulieren, Emotionen ausgleichen und uns innerlich stabilisieren. Wer diesen Effekt erleben möchte, sollte Klassik Radio einschalten: Wir ehren das Wunderkind der Klassik die komplette Woche mit seinen schönsten Meisterwerken.

Sport mit Gänsehaut-Garantie: Andrea Bocelli und Lang Lang eröffnen Olympia 2026
Olympische Flagge

Sport mit Gänsehaut-Garantie: Andrea Bocelli und Lang Lang eröffnen Olympia 2026

Ein einziger Abend. Ein Stadion. Und Musik, die mehr sagt als tausend Worte. Wenn Lang Lang und Andrea Bocelli bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2026 auftreten, geht es um weit mehr als Sport – es geht um Emotion, Tradition und große Gänsehautmomente.

Klassik Radio - Deutschland nationalKlassik Radio - Deutschland national