Die Olympischen Winterspiele 2026 begannen mit einem spektakulären Show-Spektakel im Mailänder San-Siro-Stadion – ein Abend voller Musik, Klassik-Ikonen und globaler Botschaften. Pianist Lang Lang spricht mit Klassik Radio-Moderatorin Evita Helling über Lampenfieber, Rituale und seine Vision von Musik als verbindende Kraft.

Die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand setzte am Freitagabend ein kraftvolles Zeichen: Vor rund 67.000 Zuschauerinnen und Zuschauern im ausverkauften San-Siro-Stadion und einem Millionenpublikum weltweit verband die Show Sport, Kultur und Musik zu einem emotionalen Gesamtkunstwerk. Neben internationalen Popstars rückte vor allem die klassische Musik ins Zentrum des Abends – mit Auftritten von Andrea Bocelli, Cecilia Bartoli und - eben - Starpianist Lang Lang.
Für den Pianisten war es ein besonderer Moment. Zwar ist Lang Lang Auftritte vor riesigen Menschenmengen gewohnt, doch die olympische Bühne hat für ihn eine ganz eigene Bedeutung. „Das waren meine ersten olympischen Winterspiele“, erzählt er im exklusiven Interview. Schon vor 18 Jahren hatte er die Olympischen Sommerspiele in Beijing eröffnet – damals noch mit spürbarer Nervosität. Dieses Mal jedoch blieb er erstaunlich gelassen: „Dieses Mal war ich nicht nervös, weil Cecilia Bartoli bei mir war, eine der besten Sängerinnen der Welt.“

Trotz aller Routine setzt Lang Lang vor großen Auftritten auf kleine Rituale. Kurz vor der Show zieht er sich bewusst zurück. „Vor so einem großen Auftritt mache ich normalerweise ein Nickerchen, um einen ruhigen Moment für mich zu haben“, sagt er – und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Und ich esse gerne vorher Schokolade! Das macht mich glücklich.“
Der Vergleich mit Beijing liegt nahe, doch für Lang Lang fühlte sich Mailand anders an. Die Rückkehr zu den Olympischen Spielen – diesmal im Winter – empfand er als entspannter. Besonders wichtig war ihm dabei die Botschaft der Musik: „Gerade jetzt, die Welt durch Musik zusammenzubringen, bereitet mir so viel Freude.“ Gleichzeitig sei ein solcher Auftritt auch mit Verantwortung verbunden, betont er, gerade in schwierigen Zeiten Liebe und Zusammenhalt zu zeigen.
Hinter den Kulissen stellte die Produktion jedoch ganz eigene Herausforderungen. Die Proben fanden unter erschwerten Bedingungen statt, wie Lang Lang berichtet: „Wir proben natürlich viel – aber sogar das war bei den Winterspielen besonders. Es hat viel geregnet, auch während der Generalprobe. Also musste ich mit wässrigen Händen proben.“
Musikalisch stand die Eröffnungsfeier ganz im Zeichen der italienischen Oper – ein Konzept, das Lang Lang sehr schätzte. Dennoch verrät er, dass er persönlich noch andere Wünsche gehabt hätte: „Wenn ich die Wahl hätte, dann hätte ich mir noch Chopin, Beethoven oder Bach gewünscht.“

Auch über die Bühne hinaus denkt der Pianist an die Zukunft der Musik. Besonders am Herzen liegt ihm die musikalische Bildung junger Menschen (mehr dazu in unserem Interview zum Album "Piano Book 2"). „Ich möchte gerne in mehr Schulen spielen“, sagt Lang Lang. Mit seiner Foundation hat er bereits in 240 Schulen weltweit Kinder an Musik herangeführt – „aber noch keine davon in Deutschland“. Das möchte er ändern: „Ich freue mich sehr darauf, bald auch in deutschen Schulen spielen zu dürfen.“
Wenn er selbst nicht auf der Bühne sitzt, verfolgt Lang Lang die Winterspiele mit Begeisterung als Zuschauer. Eine Disziplin hat es ihm besonders angetan: „Ich liebe Eiskunstlauf! Es ist so ein schöner Sport.“ Und wenn er in Italien ist, gehört ein weiteres Highlight fest dazu: gutes Essen. „Ich hatte so viel Pasta, Steak, Gemüse – es ist immer wundervoll hier“, erzählt er. Fünf Tage blieb er in Mailand und nutzte jede Gelegenheit, die italienische Küche zu genießen.
Musikalisch blickt Lang Lang bereits nach vorne. Derzeit konzentriert er sich auf ein neues großes Projekt: Beethoven. „Ich fokussiere mich gerade auf Beethoven“, verrät er – Details will er bald bekannt geben. Klar ist schon jetzt: Nach diesem olympischen Auftritt dürfte die Welt gespannt zuhören.
Wer Lang Langs Spiel bei der Olympia-Eröffnung noch einmal nachklingen lassen möchte, findet im Klassik Radio Plus-Sender „Klavier Solo“ den perfekten Ort dafür: große Pianisten, intime Momente und Musik, die – ganz ohne große Bühne – direkt berührt.
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