Mit dem Fahrrad, einem Cello im Anhänger und jeder Menge guter Laune fährt die Cellistin Katja Zakotnik quer durchs Ruhrtal. Auf ihrer Tour de Cello legt sie fast 300 Kilometer zurück und bringt klassische Musik an Orte außerhalb der Konzertsäle – auf Wiesen, in Industriehallen oder mitten unter Menschen, die zufällig stehen bleiben und zuhören.
Mit dem Fahrrad, einem Cello und ganz viel Idealismus quer durch das Ruhrtal – genau das hat sich Cellistin Katja Zakotnik vorgenommen. Fast 300 Kilometer wird sie vom 17. bis 24. Mai unterwegs sein. Nicht, um sportliche Rekorde zu brechen, sondern um Menschen mit ihrer Musik zusammenzubringen.
Die Idee entstand bei einer Fahrradtour durchs Ruhrtal, wie Zakotnik im Interview mit Klassik Radio Moderatorin Evita Helling erzählt: „Da habe ich diese verschiedenen Orte gesehen. Unglaublich weitläufige Wiesen mit vielen spielenden Kindern und Familien drauf“, erzählt sie. Und plötzlich dschte sie: Warum sollte klassische Musik eigentlich nur im Konzertsaal stattfinden? Warum nicht genau dort, wo Menschen ohnehin zusammenkommen?
„Ich habe mir das so ein bisschen wie im Film Forest Gump vorgestellt. Ich fange an Fahrrad zu fahren und dann sehen mich die Leute und wollen einen Teil der Strecke mit mir mitfahren.“ Genau diese Begegnungen sind es, die sie antreiben. Menschen lernen sich unterwegs kennen, fahren gemeinsam ein Stück oder bleiben spontan für ein Konzert stehen. Dabei geht es ihr nicht nur um bestehende Klassikfans. Die Tour soll auch Menschen erreichen, die bislang vielleicht noch nie über ein eigenes Instrument nachgedacht haben. Die Musikerin hofft auf kleine Impulse, die etwas auslösen. „Das ist irgendwie mein Traum: Dass Menschen mich sehen und danach denken: Okay, das wollte ich eigentlich auch schon immer mal machen.“
Unterwegs spielt sie nicht nur klassische Konzerte für Erwachsene, sondern auch Kinderprogramme. Gerade dort liebt sie die Spontanität. „Wenn ich Kinderkonzerte mache, bin ich dabei total spontan. Ich reagiere immer auf die Kinder.“ Statt starrer Abläufe entsteht jede Aufführung aus dem Moment heraus. In einem Konzertformat fliegt etwa die „Fliege Berta“ ins Cello hinein und findet nicht mehr hinaus. Doch was dann passiert, entscheidet oft das Publikum selbst. „Manchmal ruft auch ein Kind irgendwas Lustiges rein und dann regiere ich darauf.“
Natürlich stellt eine solche Tour auch praktische Herausforderungen. Das Cello reist in einem speziellen Anhänger namens „Martha“ mit. Dort hängt das Instrument in einer besonderen Konstruktion, damit selbst stärkere Erschütterungen ihm nichts anhaben können. „Das heißt: Selbst wenn unterwegs alles ruckelt und wackelt oder der Wohnwagen im schlimmsten Fall sogar umkippen sollte, schützt diese Aufhängung das Cello trotzdem. Es gibt nämlich keine feste Auflagefläche, gegen die es stoßen könnte.“
Aber nicht nur die Fahrt selbst bringt Herausforderungen mit sich – auch das Wetter spielt eine wichtige Rolle. Dabei ist ausgerechnet die Sonne oft gefährlicher als Regen. „Ein bisschen Wasser hält das Cello schon aus“, erklärt Zakotnik. Direkte Sonneneinstrahlung könne dem Instrument dagegen dauerhaft schaden: „Was die Sonne kaputt macht, kann man nicht mehr reparieren.“
Auch körperlich wird die Tour zur Herausforderung. Zusammen mit Cello, Anhänger und Gepäck kommt einiges an Gewicht zusammen. „Wenn das Cello drin ist und alles, was ich unterwegs brauche, dann komme ich wahrscheinlich auf ungefähr 80 Kilo“, sagt sie. Vor allem an steilen Anstiegen hofft sie deshalb auf Unterstützung. Große Sorgen macht sie sich aber nicht: „Die Leute im Ruhrtal sind so hilfsbereit – wirklich unglaublich hilfsbereit.“
Startpunkt der Reise ist Winterberg an der Ruhrquelle. Von dort geht es bis nach Duisburg – mit einigen zusätzlichen Schleifen und Umwegen, damit Konzerte und Orte zeitlich zusammenpassen. „Am Ende werden es bei mir wohl knapp 300 Kilometer“, sagt sie. Besonders faszinieren die Cellistin dabei entlang der Strecke die Gegensätze: Natur trifft auf Industrie, Ruhe auf Musik. Genau diese Kontraste möchte sie auch hörbar machen – etwa bei einem Auftritt in einer großen Maschinenhalle. „Wenn man sich diese riesigen Maschinen anschaut und dazu Cellomusik hört, entsteht ein total spannender Kontrast.“
Am Ende ist die Tour viel mehr als eine Fahrradtour mit Instrument. Es ist der Versuch, klassische Musik aus den Konzertsälen herauszuholen und mitten ins Leben zu setzen – dorthin, wo Menschen zufällig vorbeikommen, kurz stehen bleiben und vielleicht etwas mitnehmen, das noch lange nachklingt.
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