„Ein fast perfekter Antrag“: Heiner Lauterbach findet – seine Filmfigur passt zu Bach

„Ein fast perfekter Antrag“: Heiner Lauterbach findet – seine Filmfigur passt zu Bach

Griesgram mit Gefühl: In „Ein fast perfekter Antrag“ spielt Heiner Lauterbach den pensionierten Ingenieur Walter – eine Figur, die für ihn ideal zu Bach und seiner Musik passt. Im exklusiven Klassik Radio Interview verrät er, was ihn am Drehbuch begeistert hat, warum er mit 60 Jahren mit dem Klavierspielen begann, und spricht über magische Konzertmomente sowie Begegnungen mit Klassikstars.

Heiner Lauterbach als Walter in "Ein fast perfekter Antrag"Foto: Leonine Studios, Szenenbild

Heute kommt "Ein fast perfekter Antrag" ins Kino. In der Komödie spielen Heiner Lauterbach und Iris Berben erstmals ein (ehemaliges) Liebespaar, das nach 40 Jahren unverhofft aufeinandertrifft. Sie spielt Alice, eine lebendige, weltoffene Kunstprofessorin. Er verkörpert Walter, einen pensionierten Ingenieur, der spitzfindig und mit großer Ausdauer überkritische Bewertungen für Restaurants ins Netz stellt. Ein Charakter, der ganz gut zu Johann Sebastian Bach und seiner Musik passt, so der Schauspieler: "Walter ist ja Physiker, er ist Ingenieur! Alles, was hoch geht, muss irgendwo auch wieder runterkommen, sonst stimmt die Welt nicht für ihn. Und Bach ist ja auch ziemlich mathematisch aufgebaut. Seine Musik wunderschön und doch sehr strukturiert. Nicht so verspielt wie Mozart und auch nicht so schwer wie Tschaikowsky oder Rachmaninoff. Ich würde ihn als klaren Bach bezeichnen."

Drehbuch ein Volltreffer

Im Gegensatz zu Johann Sebastian Bach hat Heiner Lauterbach eigentlich nichts mit "Walter" gemeinsam - und doch war für ihn sofort klar, dass er die Rolle übernehmen will: "Zunächst hat mich das gute Drehbuch gereizt. (....) Wir Schauspieler freuen uns immer sehr, wenn wir ein gutes Drehbuch vor uns liegen haben, bei dem einfach die Charaktere stimmen, (…) und das gut aufgebaut ist. Und in einem guten Drehbuch sind dann automatisch auch gute Rollen und wenn man dann eine von denen, bzw die Hauptrolle, angeboten bekommt, da freut man sich! Obwohl ich im ersten Moment überhaupt keine Parallelen zu mir entdecken konnte in dieser Figur, aber das macht das Angebot nicht weniger attraktiv."

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Klavierunterricht mit 60 Jahren

Doch eine Sache verbindet den Schauspieler dann doch mit seiner Rolle: Denn "Walter" schreibt sich als Senior nochmal als Student in Kunstgeschichte ein. Ein jugendliches Wagnis. Und auch Heiner Lauterbach hat mit 60 Jahren noch einmal die Schulbank gedrückt - um Klavierspielen zu lernen. "Ich habe ja mein Leben lang immer wieder Musik gemacht und mich sehr für Musik interessiert. Ich liebe Musik! Ich habe mit 15 Jahren angefangen in einer Band zu spielen, zuerst Schlagzeug, dann mit 18 Jahren auch Gitarre. Davor hatte ich mit elf Jahren ungefähr ein Jahr Klavierunterricht. Ich habe das aber aufgegeben, weil ich lieber Fußball gespielt habe. Und ein paar Jahre später habe ich mich darüber geärgert, bis zu meinem 60. Lebensjahr, dass ich aufgehört habe mit dem Klavierspielen. Weil das Klavier ein unglaublich schönes Instrument ist (...). Mit 60 habe ich mir gesagt: 'So! Bevor ich mich jetzt den Rest meines Lebens auch noch jeden Tag darüber ärgere, lerne ich es jetzt'" (Lacht).

"Ich wollte Klavier spielen, wie ich Golf spiele"

Anders als bei den anderen Instrumenten hat Heiner Lauterbach zunächst ein ganzes Jahr Theorie gepaukt, bevor er sich ans Klavier gesetzt hat. Dann ging es in die Praxis, mit viel Üben und einem guten Klavierlehrer. 2016 ist er sogar vom Bundesverband Klavier zum "Klavierspieler des Jahres" gekürt worden. Bis heute spielt er täglich - wenn auch nicht mehr ganz so häufig wie während der Lernphase. "Ich wollte immer so Klavier spielen können, wie ich Golf spiele. (...) Meine Bälle sind verhältnismäßig grade und weit und ich habe keinen Stress und muss nicht ständig Bälle im Wald suchen. Und so wollte ich das auch beim Klavier: mich einfach dransetzen und drauf losspielen und mir auch mal etwas vom Blatt aneignen. Und das klappt alles, das ist alles wunderbar. Und jetzt muss man noch gerade soviel machen, dass man nicht alles wieder verliert oder etwas vergisst."

Begegnungen mit Pianostars

Dabei inspirieren Heiner Lauterbach auch immer wieder Begegnungen mit Pianostars wie Gina Alice: "Ich durfte bei einem Essen neben ihr sitzen. Sie hat selbst eine große Leidenschaft für die Schauspielerei und kannte mich schon lange. Es war ein sehr schöner Abend. Sie hat uns dann auch vorgespielt: Mozart, eigene Kompositionen und Rachmaninoff. Es war toll!" Auch mit Igor Levit hat der Schauspieler schon über Musik gefachsimpelt und möchte bald ein Konzert von ihm besuchen.

"Ein Konzert ist ein fantastisches Erlebnis"

Schließlich ist Heiner Lauterbach ein begeisterter Konzertgänger: "(...) Wenn ich mir diese Musiker anschaue und mitbekomme, wie sie diese wunderbare, von Menschen komponierte Musik, auf Instrumenten spielen, die ja auch erst mal erfunden werden mussten. Allein so ein Klavier zu erfinden, ist ja eine Hochleistung. Dann muss man so einen Dirigenten haben. Dann muss man diese unglaublichen Könner haben, die ihre Instrumente so beherrschen und das alles aufeinander abgestimmt dann zu diesem fantastischen Erlebnis werden lassen." Überhaupt spielt Musik eine große Rolle in seinem Leben: ob als Musiker mit seiner Band, die bald wieder auf Tour geht oder als Zuhörer: "Musik hat so viele Facetten (...) also ohne Musik kann ich mir die Welt eigentlich gar nicht vorstellen."


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Klara Jäger / 26.02.2026

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