Gitarre statt Leckerlis: Influencer Plumes gibt Konzerte für Tiere

Gitarre statt Leckerlis: Influencer Plumes gibt Konzerte für Tiere

Der französische Musiker Plumes gibt Konzerte vor einem außergewöhnlichen Publikum: Kühen, Okapis, Nashörnern und sogar Tigern. Was als spontaner Versuch auf einem Bauernhof begann, begeistert heute Menschen auf der ganzen Welt.

PlumesFoto: plumesofficiel

Kühe, die eine Gitarre ablecken, ein eigentlich scheues Okapi, das plötzlich ganz nah kommt, und Nashörner, bei denen man besser nicht vergisst, wie kräftig sie sind: Wenn Plumes ein Konzert gibt, weiß er vorher selten, wie sein Publikum reagieren wird. Mit Gitarre und Stimme zieht es den französischen Musiker dorthin, wo Konzerte normalerweise eher selten sind: auf Bauernhöfe, in Ställe und Tiergehege.

Angefangen hat alles mit ein paar Kühen

Geplant war diese ungewöhnliche Karriere eigentlich nicht. Vor rund vier Jahren hatte Plumes gelesen, dass Kühe auf Musik reagieren können. Als er wenig später gemeinsam mit seiner Großmutter einen Bauernhof besuchte, nahm er seine Gitarre mit und probierte es einfach aus. Was dann passierte, überraschte ihn selbst: „Sie sind zu mir gekommen und haben über eine Stunde zugehört. Sie haben mich angestupst und sogar meine Gitarre geleckt“, wie er im Interview mit Klassik Radio Redakteurin Evita Helling erzählt.

Aus diesem ersten Versuch wurde nach und nach ein Projekt. Plumes begann, weitere Tiere zu besuchen und seine Begegnungen mit der Kamera festzuhalten. Dabei geht es ihm nicht darum, den Tieren irgendeine spektakuläre Reaktion zu entlocken. Er spielt und überlässt ihnen die Entscheidung, ob sie bleiben, näherkommen oder eben wieder verschwinden.

Besonders häufig stehen Liebeslieder auf seinem tierischen Konzertprogramm. Natürlich weiß Plumes, dass seine Zuhörer den Text nicht verstehen. Für ihn steckt in einem Lied aber mehr als seine wörtliche Bedeutung. „Ich spiele Liebeslieder, weil ich weiß, dass die Bedeutung wichtig ist, auch, wenn die Tiere die Worte nicht verstehen. Aber ich glaube, sie fühlen, was ich meine.“


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Ein Okapi sorgt für den besonderen Konzertmoment

Gerade weil sich nichts planen lässt, entstehen immer wieder Begegnungen, mit denen selbst Plumes nicht rechnet. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Konzert für ein Okapi. Die Tiere gelten als ausgesprochen zurückhaltend, entsprechend gering waren zunächst die Erwartungen. Plumes war sogar darauf vorbereitet worden, dass sich das Tier vermutlich überhaupt nicht zeigen würde. Es kam anders. „Es kam! Und hat sogar sein Gesicht an mir gerieben“, erinnert er sich. Für Plumes war es einer der schönsten Momente, gerade weil sich die Reaktion nicht erzwingen ließ.

Ganz ungefährlich sind seine ungewöhnlichen Auftritte dabei nicht immer. Schließlich besteht sein Publikum längst nicht nur aus Kühen und anderen vergleichsweise vertrauten Bauernhoftieren. Auch vor Nashörnern oder Tigern hat Plumes bereits gespielt. Angst habe er dabei nicht, sagt er, Respekt allerdings sehr wohl: „Sie könnten mir in nur einer Sekunde wehtun.“ Entscheidend sei deshalb, den Tieren ihren Freiraum zu lassen und ihre Grenzen zu respektieren.

Vom privaten Video zum Tierinfluencer

Dass irgendwann Menschen auf der ganzen Welt bei seinen kleinen Tierkonzerten zuschauen würden, war genauso wenig geplant wie die Konzerte selbst. Ursprünglich veröffentlichte Plumes seine Videos vor allem für Freunde und Familie. Monatelang blieb sein Publikum entsprechend überschaubar. Dann verbreitete sich eines der Videos plötzlich weit über diesen Kreis hinaus. „Ich habe das nicht erwartet! Ich wollte eigentlich nur diese Videos mit Freunden und Familie teilen“, erzählt Plumes. Rund ein halbes Jahr habe es gedauert, bis eines seiner Videos schließlich richtig durchstartete.

Heute ist daraus sein Markenzeichen geworden: Plumes kommt mit seiner Gitarre, beginnt zu spielen und überlässt alles Weitere seinem ungewöhnlichen Publikum. Gerade diese Unberechenbarkeit macht die Begegnungen besonders. Denn während Menschen im Konzertsaal wissen, was von ihnen erwartet wird, gibt es bei seinen tierischen Zuhörern keine Regeln: Manche bleiben auf Abstand, andere kommen neugierig näher – und gelegentlich entsteht dabei ein Moment, mit dem selbst Plumes nicht gerechnet hätte. Vielleicht zeigen seine Videos deshalb vor allem eines: Musik braucht nicht immer Worte, um jemanden zu erreichen.

Valeska Baader / 14.08.2026

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