Jemanden vermissen, den man gar nicht kennt

Carpe DiemJemanden vermissen, den man gar nicht kennt

Mit "Carpe Diem" geben die evangelischen oder katholischen Kirchen immer montags bis samstags einen neuen Denkanstoß für Ihren Tag.

I miss youFoto: Photo by Andrew Neel on Unsplash

Der perfekte Partner

Im Vorbeifahren sehe ich an einer Bushaltestelle ein großes Plakat mit der Frage: „Kann ich jemanden vermissen, den ich gar nicht kenne?“ Ich sehe nicht, welches Anliegen sich dahinter verbirgt und gebe die Frage im Internet in die Suchmaschine ein. Vielleicht finde ich heraus, wer dieses Plakat veranlasst hat. Vielleicht eine Partnervermittlung? Im Internet sehe ich schnell: Diese Frage haben sich schon viele gestellt, vor allem diejenigen, die sich sehnlichst einen Partner wünschen, der bestimmte Eigenschaften erfüllt. Nach dem Motto: Ich vermisse einen Partner, mit dem ich stundelang schweigend den Himmel betrachten kann, der vor einem Zelturlaub nicht zurückschreckt und mit mir die höchsten Gipfel erklimmt. Meine Wünsche zeichnen eine Person, die ich noch nicht kenne, von der ich mir aber erhoffe, dass sie meine Sehnsucht stillt.

Etwas vermissen, das mir Halt gibt

Ich glaube, dass es mit Gott ganz ähnlich ist. Ich glaube, dass es viele Menschen gibt, die Gott nicht kennen, ihn aber vermissen. Sie würden das so vielleicht nicht sagen, denn sie wissen gar nicht, dass es Gott ist, den sie vermissen. Sie vermissen etwas, dass ihnen Halt gibt, Lebenssinn, Liebe, Kraft, Trost und Hoffnung, wenn die Tage schwer werden. Sie vermissen Beständigkeit, in einer sich ständig veränderten Welt. Es wäre also einen Versuch wert, Gott kennen zu lernen. Vielleicht ist es wirklich Gott, denn ich vermisse, weil ich ihn noch gar nicht kenne – aber nach dem ich mich sehne.

Carpe Diem - Gedanken zum Tag hören Sie Montags bis Samstag um 6:10 bei Klassik Radio.

Autor: Anja Kieser, radio m, für die evangelischen Kirchen. Sie wollen Kontakt zum Autor aufnehmen: kieser.carpediem@radio-m.de

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