Wenn ein Traum zu Musik wird: Lutz Schumacher bringt die Bratsche auf Deutschland-Tour

Wenn ein Traum zu Musik wird: Lutz Schumacher bringt die Bratsche auf Deutschland-Tour

Ein Leben zwischen Verantwortung und Leidenschaft – und mittendrin die Musik. Lutz Schumacher, Vorstandsvorsitzender eines großen Medien- und Logistikunternehmens, hat sich einen lang gehegten Traum erfüllt und ein eigenes Konzert geschrieben. Im Mittelpunkt steht die Bratsche, ein Instrument voller Wärme und Tiefe, das man viel zu selten solistisch erlebt. Ein Blick auf ein Werk, das neugierig machen will und berührt.

Lutz SchumacherFoto: SV Gruppe

Tagsüber führt Lutz Schumacher ein großes Unternehmen, trifft Entscheidungen, denkt in Strategien: als Journalist und seit 2020 CEO der SV-Holding und Geschäftsführer von Schwäbisch Media. Auch als Autor war er tätig und hat gemeinsam mit dem Zeit-Journalisten Mark Spörrle die Bahn-Satire „senk ju vor träwelling“ verfasst - die 2008 die Besteller-Listen anführte und seitdem (genau wie die beiden Nachfolgebücher) zigtausende Leser begeisterte. 

Daneben wächst aber über Jahre etwas ganz anderes: Musik. Eigene Musik.

„Das klingt in der Tat verrückt. Ist es wahrscheinlich auch ein bisschen“, sagt er selbst.

Was heute so ungewöhnlich wirkt, beginnt früh. Schulorchester, erste Kompositionen, ein prägender Moment mit Mozart. „Ich war total bezaubert davon.“ Ein Satz, der viel erklärt. Die Faszination bleibt – auch dann, als das Leben zunächst andere Wege verlangt.

„Irgendwie hat das immer in mir gearbeitet.“ Erst Jahre später nimmt Schumacher den Faden wieder auf. Unterricht, intensives Lernen, ein langsames, ernsthaftes Zurückkehren.

Der Mut, neue Wege zu gehen

Seine erste Sinfonie wird 2024 uraufgeführt – und stößt auf positive Resonanz. Mehrere Aufführungen, viel Zuspruch, starke Reaktionen aus dem Publikum.

Der logische nächste Schritt? Eigentlich noch eine Sinfonie. Aber Schumacher entscheidet sich bewusst dagegen. Stattdessen entsteht die Idee zu einem Solokonzert. Und ziemlich schnell steht fest: Es soll die Bratsche sein: „…ein Instrument, das im Orchester immer ein bisschen stiefmütterlich behandelt wird. Zu Unrecht, wie ich finde.“

Lutz Schumacher - Sinfonie 1 - Uraufführung
Foto: GfS - Gesellschaft für Sinfonik
Schon die Uraufführung wurde zum vollen Erfolg: Lutz Schumachers Sinfonie Nr. 1

Ein Konzert für ein unterschätztes Instrument

Die Wahl überrascht – und genau das macht sie spannend. Neue Musikstücke für Viola sind selten. Schumacher gibt ihr gleich eine eigene Bühne: tonal, zugänglich, getragen von Emotion und mit einer Dramaturgie, die an manchen Stellen fast filmisch wirkt.

„Es gibt so wenig Bratschenkonzerte. Und ja, jetzt gibt’s eins mehr."

Lutz Schumacher
Komponist und Unternehmer

Gleichzeitig bleibt das Stück eng am Charakter des Instruments. Diese dunkle, warme Farbe, die sich nicht aufdrängt, sondern entfaltet. Und genau darin liegt die Kraft dieses Konzerts: Es will nicht provozieren, sondern berühren.

Lernen, loslassen, vertrauen

Der Weg dorthin ist alles andere als selbstverständlich. Besonders, wenn man für ein Instrument schreibt, das man selbst nicht spielt.

Die erste Reaktion der Solistin Luz Elisabeth Sanchez ist direkt: „Das ist unspielbar, was du da aufschreibst.“ Schumacher erzählt das mit Humor. Und mit Respekt. Denn schnell wird klar, dass er umdenken muss. Er muss zuhören, sich anpassen, tiefer verstehen.

Ein Prozess, der die Musik hörbar geprägt hat.

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Der Moment der Wahrheit

Mit der Tournee, die heute, am 27. April 2026, beginnt, kommt dieses Werk erstmals auf die Bühne. Für Schumacher ein besonderer Moment – und keiner, der ihn kalt lässt: „Jetzt bin ich doch sehr aufgeregt. Wirklich sehr aufgeregt.“

Dabei wird er selbst gar nicht spielen. Er wird zuhören. Seine Musik erstmals ganz in die Hände anderer geben. Vielleicht ist genau das der entscheidende Schritt: wenn ein Werk seinen Schöpfer verlässt und beim Publikum ankommt.

Nähe statt Distanz

Die Konzerte wollen nicht nur aufführen, sondern mitnehmen. Schumacher spricht selbst zum Publikum, gibt Einblicke, öffnet Zugänge. „Man versucht, das Publikum ein bisschen mitzunehmen und so die Schwelle etwas niedriger zu machen.“

Ein Ansatz, der spürbar macht: Diese Musik ist kein abgeschlossenes System. Sie lädt ein.


Die Termine im Überblick

  • Stadt.Land.Klassik! (Mecklenburg‑Vorpommern): Tournee ab 27. April 2026, mit der Welturaufführung in Parchim.
  • Siemensvilla Berlin: Samstag, 2. Mai 2026 – Galaabend mit Beethovens „Pastorale“ und Rossinis „Wilhelm‑Tell“‑Ouvertüre.
  • Schwäbische Klassik‑Sterne (Süddeutschland): fünf Konzerte ab Mittwoch, 6. Mai 2026.

Alle Termine finden Sie hier.


Warum sich das lohnt

Vielleicht, weil hier jemand Musik schreibt, der sie wirklich will. Nicht aus Routine, nicht aus Erwartung, sondern aus einem inneren Antrieb heraus. Und genau das hört man.

Holger Hermannsen / 26.04.2026

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