Wie begeistert man Kinder für Bach, Mozart oder Beethoven, ohne dass es sich wie Unterricht anfühlt? Flötist und Musikpädagoge Andreas Haas setzt seit 25 Jahren auf Geschichten statt Musiktheorie – und zeigt mit seiner Figur Timmy, wie spielerisch der Einstieg in die Welt der Klassik gelingen kann.

Wie bringt man Kindern klassische Musik näher, ohne dass es sich wie Unterricht anfühlt? Flötist und Musikpädagoge Andreas Haas setzt seit 25 Jahren auf eine einfache Idee: Er erzählt eine Geschichte. „Ich habe eine Identifikationsfigur für die Kinder geschaffen. Das ist ein Junge, der Flöte spielen lernt, und der heißt Timmy“, wie er im Interview mit Klassik Radio Redakteurin Valeska Baader erzählt. Aus dieser einfachen Idee ist vor 25 Jahren das Konzertkonzept „Klassik für Kinder“ entstanden, mit dem Haas bis heute auf die Bühne geht. Die Identifikationsfigur Timmy nimmt die Kinder dabei mit auf Fantasie-, Traum- und Zeitreisen. Unterwegs begegnen sie Bach, Mozart, Beethoven oder Vivaldi. Die Musik wird dabei nie zum Unterricht. Sie ist Teil der Handlung. Immer dann, wenn Timmy etwas erlebt, erzählt ein Musikstück die Geschichte weiter. Danach geht das Abenteuer weiter – und mit ihm die Reise durch die Welt der Klassik.
Das Kindermusiktheater von Andreas Haas des Freien Landestheaters Bayern umfasst inzwischen sieben Bühnenproduktionen. Berührungsängste mit der Klassik gibt es bei seinem Publikum dabei nicht. Während Erwachsene häufig überlegen, ob klassische Musik ihnen gefallen wird oder ob sie genug darüber wissen, begegnen Kinder ihr mit einer ganz anderen Haltung. „Kinder sind viel unvoreingenommener als Erwachsene.“ Für Haas ist genau das der Schlüssel. Wer ohne Vorurteile zuhört, entdeckt klassische Musik nicht als etwas Schwieriges, sondern als etwas Spannendes.
Dass dieses Konzept aufgeht, merkt Haas immer wieder an den Reaktionen seines Publikums. Ausgerechnet Papageno aus Mozarts Zauberflöte wird regelmäßig zum Star des Konzerts. „Das Lied vom Vogelfänger Papageno singen die Kinder zum Beispiel immer sehr gerne mit. Und viele kennen es tatsächlich auch.“ Das Konzert wird vom Zuhören zum Mitmach-Konzert. Und genau darum geht es Haas. Er möchte nicht, dass Kinder nach einem Konzert möglichst viele Fakten über Komponisten kennen. Viel wichtiger ist ihm, dass etwas von der Musik hängen bleibt. „Die Kinder sollen Lust auf Musik bekommen, Lust bekommen, ein Musikinstrument zu lernen, Konzerte zu besuchen und sich weitergehend mit klassischer Musik zu beschäftigen“, wie er im Interview erzählt. Manchmal zeigt sich erst Monate später, dass genau das gelungen ist. Nach einem Schulkonzert kam einmal ein Kind auf ihn zu. „Du warst letztes Jahr schon hier.“ Dann folgte ein Satz, den Andreas Haas bis heute nicht vergessen hat: „Danach habe ich angefangen, Flöte zu spielen.“ Viel mehr kann ein Kinderkonzert wohl kaum bewirken.

Still sitzen müssen die Kinder bei seinen Konzerten übrigens nicht. Es wird mitgesungen, geklatscht und manchmal dürfen sogar einige Kinder nach vorne kommen und Teil der Geschichte werden. „Also es ist lebendig.“ Vielleicht ist genau das der beste Weg, den Kindern Klassik zu vermitteln. Nicht über große Erklärungen oder komplizierte Analysen. Sondern über Neugier. Über eine Geschichte. Und über einen Jungen namens Timmy, der mit seiner Flöte zeigt, dass der erste Schritt in die Welt der Klassik manchmal viel kleiner ist, als Erwachsene manchmal denken.
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