Ein Kurzurlaub soll eine Auszeit vom Alltag bieten und neue Energie schenken. Doch gerade wenn nur wenige freie Tage zur Verfügung stehen, entsteht schnell der Druck, möglichst viel erleben zu müssen. Reisepsychologin Christina Miro erklärt im Interview mit Klassik Radio Redakteurin Valeska Baader, wie es gelingt, die kurze Auszeit bewusst zu nutzen und tatsächlich erholt in den Alltag zurückzukehren.

Klassik Radio: Wie sieht der perfekte Kurzurlaub aus?
Christina Miro: Den einen perfekten Kurzurlaub gibt es gar nicht, weil Erholung für jeden Menschen etwas anderes bedeutet. Entscheidend ist nicht, wie weit man wegfährt oder wie viel man erlebt. Viel wichtiger ist, dass man Abstand vom Alltag bekommt und seine Zeit möglichst selbst bestimmen kann. Gerade bei wenigen Urlaubstagen helfen eine kurze Anreise, ausreichend Schlaf und ein Programm, das nicht zu vollgepackt ist.
Klassik Radio: Wie sollte man den ersten Urlaubstag gestalten?
Christina Miro: Am ersten Urlaubstag sollte möglichst wenig auf dem Programm stehen. Es geht zunächst einmal darum, wirklich anzukommen. Körper und Kopf schalten schließlich nicht auf Knopfdruck vom Alltag in den Urlaubsmodus. Deshalb sollte der erste Tag nicht direkt komplett durchgeplant sein. Besser ist es, in Ruhe eine Runde spazieren zu gehen, genüsslich etwas zu essen und vielleicht nur eine einzige schöne Aktivität einzuplanen. So bekommt man die Gelegenheit, langsam Abstand vom Alltag zu gewinnen.
Klassik Radio: Welche Rolle spielt bereits die Anreise für die Erholung?
Christina Miro: Eine größere, als viele denken. Psychologisch gesehen beginnt der Urlaub eigentlich schon mit der Planung. Dabei spielt auch die innere Einstellung eine wichtige Rolle: Welche Erwartungen habe ich an die Anreise und an die Zeit vor Ort? Plane ich alles sehr knapp und gerate dadurch schon vor dem eigentlichen Urlaub unter Druck? Oder lasse ich mir genügend Zeit, um bereits die Anreise bewusst zu genießen? Gerade bei einem Kurzurlaub sollte die Entfernung zur Aufenthaltsdauer passen. Ausreichend Zeit, Puffer und Pausen helfen dabei, sich innerlich vom Alltag und den Verpflichtungen zu verabschieden und langsam im Urlaub anzukommen. So kann bereits die Anreise ein Teil der Erholung werden und auch die Zeit vor Ort lässt sich besser genießen.
Klassik Radio: Was sollte man am letzten Urlaubstag beachten?
Christina Miro: Am letzten Urlaubstag sollte möglichst keine Hektik entstehen. Deshalb ist es sinnvoll, das Packen und andere organisatorische Dinge rechtzeitig zu erledigen und für die Rückreise ausreichend Zeitpuffer einzuplanen.Wenn es möglich ist, sollte man außerdem vermeiden, erst spät in der Nacht zurückzukommen und am nächsten Morgen direkt wieder zur Arbeit zu müssen. Ideal ist zumindest ein freier Tag dazwischen. So hat man Zeit, zu Hause anzukommen und sich wieder auf den Alltag einzustellen.
Klassik Radio: Was kann man sonst noch tun, um einen Kurzurlaub gut abzuschließen?
Christina Miro: Sehr guttun kann ein bewusster Abschluss. Man könnte beispielsweise noch einmal einen kleinen Achtsamkeitsspaziergang machen oder an einem schönen Ort verweilen und sich fragen: Was war in diesem Urlaub besonders schön? Was nehme ich davon mit? Wofür bin ich dankbar?Es geht darum, die letzten Momente noch einmal bewusst wahrzunehmen und zu genießen. Dadurch endet die Reise mit einem positiven Gefühl und besteht am Schluss nicht nur aus Packen und Abreise.
Klassik Radio: Wie lange hält der Erholungseffekt danach im Alltag an?
Christina Miro: Die Erholung durch einen Urlaub hält häufig nicht besonders lange an. Oft ist der Effekt bereits nach wenigen Tagen deutlich schwächer – vor allem, wenn man direkt wieder in einen vollen Arbeitsalltag zurückkehrt. Deshalb ist ein möglichst sanfter Wiedereinstieg hilfreich.Der erste Arbeitstag sollte beispielsweise nicht komplett mit Terminen gefüllt sein. Gleichzeitig sollte man sich bewusst Pausen gönnen und sich etwas Zeit geben, wieder in den gewohnten Rhythmus zu finden.
Klassik Radio: Kann man das Urlaubsgefühl danach in den Alltag mitnehmen?
Christina Miro: Auf jeden Fall. Es lohnt sich, darüber nachzudenken, was einem im Urlaub besonders gutgetan hat und welche Elemente sich in den eigenen Alltag übertragen lassen. Vielleicht waren es die Spaziergänge, mehr Schlaf, weniger Termine oder einfach mehr Zeit für schöne Aktivitäten.Langfristige Erholung entsteht nicht allein dadurch, dass man möglichst oft in den Urlaub fährt. Entscheidend ist vielmehr ein ausgewogener Lebensstil, in dem Bewegung, ausreichend Schlaf, bewusste Pausen und schöne Aktivitäten regelmäßig ihren Platz finden. So bleibt vom Urlaub im besten Fall nicht nur eine schöne Erinnerung, sondern auch etwas mehr Erholung im Alltag.



* Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis


