Mehr Aufmerksamkeit für Frauen in der Klassik

18-jährige setzt Zeichen mit DebütalbumMehr Aufmerksamkeit für Frauen in der Klassik

Die 18-jährige Geigerin Lucie Bartholomäi veröffentlicht ihr Debütalbum und hier geht es vor allem um eines: Ganz viel Frauenpower.

Mehr Aufmerksamkeit für Frauen in der KlassikFoto: Manuela Kunze – Foto Oestreich Lengefeld

Liebe auf den ersten Ton

Für Lucie Bartholomäi war Musik schon immer ein sehr wichtiger Teil ihres Lebens. Als sie mit vier Jahren das erste Mal eine Freundin auf der Geige spielen hörte, war es Liebe auf den ersten Ton. Mit fünf nahm die junge Frau ihre erste Geigenstunde und legte danach das Instrument nur noch selten zur Seite.

Ich wusste schon relativ früh, dass ich beruflich etwas mit Musik machen möchte. Das war mein Traum und den habe ich immer weiter verfolgt.
Lucie Bartholomäi

Tolle Frauen und tolle Musik

Nur 13 Jahre nach ihrem ersten Geigenunterricht veröffentlichte die Künstlerin jetzt ihr Debütalbum „female“: Eine Sammlung an Stücken, die ausschließlich von Frauen komponiert wurden. Anfänglich war das aber gar nicht das Ziel der Geigerin. „Eigentlich war es eine rein musikalische Entscheidung“, erzählt Bartholomäi im Gespräch mit Klassik Radio. Als sie sich damit auseinandersetzte, welche Stücke auf ihr Album kommen sollten, ist sie zufällig auf Clara Schumanns Romanzen gestoßen: „Ich fand die Stücke so schön und wusste, die müssen auf mein Album. Dann habe ich mich gefragt, ob es nicht noch mehr Komponistinnen gibt, die Stücke für Violine geschrieben haben.“ Nach und nach fand sie immer mehr tolle Kompositionen von Frauen, die sie auf ihrem Album festhalten wollte.

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Ich finde es sehr schade, dass Komponistinnen so wenig Beachtung bekommen und so selten gespielt werden.
Lucie Bartholomäi

Musik ist nicht immer politisch

Obwohl Lucie Bartholomäi damit ein Zeichen setzt, war dies nicht ihr primäres Ziel. Für die Künstlerin ist die Musik nicht unbedingt ein politisches Sprachrohr: „Musik hat nicht nur zur Aufgabe, sich auf Politik zu beziehen (…) Natürlich kann man Musik auch für politische Statements nutzen, trotzdem ist sie ein persönlicher Rückzugsort und ein Ausdruck von Emotionen.“ Dem Gefühl, dass viele großartige Frauen in der Musik nur wenig gehört werden, setzte sie ihr Album entgegen. 

Mit Musik kann man eigene Geschichten erzählen, es ist etwas sehr persönliches und intimes.
Lucie Bartholomäi

Augen auf und neues entdecken

Sie selbst musste in ihrer Karriere noch keine Erfahrung mit Sexismus machen. Dass sich aber in den meisten Repertoires nur männliche Komponisten befinden, ist ihr ein Dorn im Auge. Trotzdem bemerkt sie, dass sich etwas ändert: „Ich finde, es ist ein Wandel spürbar. Immer mehr Musiker und Musikerinnen beschäftigen sich damit und holen immer mehr eher unbekannte Stücke hervor. Auch wenn es noch wenige sind, wird das immer besser.“ Mehr Aufmerksamkeit für dieses Thema wünscht sie sich auch von den Zuhörern. Mal neue Musik entdecken und vielleicht auch das hören, was man noch nicht kennt.

Für die Geigerin zählt nicht das Geschlecht, es zählt die Musik und auch in der Musik gibt es eine geballte Ladung Frauenpower, man muss nur die Augen aufhalten.

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