Hip-Hop-Beats und klassische Musik – das geht nicht zusammen? Geht doch, sagt Andy Leomar. Mit den SYMPHONIACS verbindet er klassische Meisterwerke mit elektronischen Beats, Live-Remix inklusive. Wie daraus Club-Energie, tanzendes Publikum und ein völlig neuer Blick auf Klassik entstehen, erzählt er im Interview.

Die SYMPHONIACS stehen für einen frischen Blick auf klassische Musik. Gegründet von Pianist, Tonmeister und Produzent Andy Leomar, verbindet das Ensemble höchste Virtuosität mit der Energie moderner Clubkultur. Internationale Spitzenmusikerinnen und -musiker treffen hier auf Beats, Licht und eine Bühnenpräsenz, die klassische Konzerte neu erlebbar macht.
Mit Auftritten in renommierten Konzertsälen, auf großen Festivalbühnen und einer stetig wachsenden internationalen Fangemeinde zeigen die SYMPHONIACS, wie zeitlos und kraftvoll klassische Werke auch heute wirken können. Ihre Konzerte sprechen Generationen an – und erreichen besonders jene, die klassische Musik sonst selten live erleben.
Im Interview mit Klassik-Radio-Moderatorin Evita Helling erzählt Andy Leomar von der Vision hinter den SYMPHONIACS, von musikalischer Neugier und davon, wie aus klassischer Musik ein mitreißendes Live-Erlebnis wird.
Klassik Radio: Was macht die SYMPHONIACS so besonders?
Andy Leomar: Wir versuchen, klassische Musik ein bisschen jünger, frecher und frischer zu präsentieren. Wir zeigen uns anders, und die Musik zeigt sich anders, als man es kennt.
Reguläre Klassik kennt man – vielleicht möchte man mal etwas Neues sehen, und wir versuchen so einen neuen Ansatz zu zeigen. Wir mischen die klassische Musik mit elektronischer Musik, mit Beats – ein Live Remix auf der Bühne. Da zeigt sich Rhythmus in der Klassik, der schon da ist, den wir aber nochmal betonen. Und es macht uns Riesenspaß. Wir haben großartige Musiker, die ihr Können zeigen. Und ich denke, es ist ein großes Erlebnis.
Klassik Radio: Wie würden Sie Ihre Musikrichtung beschreiben?
Andy Leomar: Allgemein bezeichnet man das als Crossover. Ich bin nicht glücklich mit dem Begriff, weil das so keine Emotionen transportiert. Ich finde, Musik ist immer Emotion. Egal, ob es klassische Musik oder Popmusik ist. Und wir versuchen einfach, diese Gefühle neu zusammenzumischen. Am Ende des Tages kann sich jeder selbst ein Bild machen. Man muss es nicht unbedingt in eine Schublade stecken. Ich denke, es ist einfach immer noch klassische Musik, klassisch instrumentiert.
Klassik Radio: Wie ist die Idee der SYMPHONIACS entstanden?
Andy Leomar: Ich habe in einem Studio begonnen, klassische Musik neu zu arrangieren. Ich bin selbst klassischer Pianist und Tonmeister und habe dann begonnen, Popmusik zu produzieren. Es waren immer zwei Herzen in meiner Brust. Diese beiden Welten haben immer parallel existiert und ich wollte sie gerne zusammenbringen.
Ich dachte mir, dass es schade ist, dass junge Menschen nicht mehr so oft in klassische Konzerte gehen… und das wollte ich damit ändern.Man muss neue Wege finden, hier einen Zugang zu schaffen. Und das war so ein Ansatz. Was steckt da drin in der Musik, was man vielleicht noch zeigen kann?
Und so habe ich begonnen, Stücke zu arrangieren und zu komponieren. Und dann habe ich mir Musikerkollegen dazu gesucht, die Lust haben, auch abseits ihrer klassischen Solistenkarriere noch etwas Neues auszuprobieren. Und so ist das Projekt entstanden. Jetzt sind wir seit circa zehn Jahren auf Tour.
Klassik Radio: Ihr seid ein großes Ensemble – viele Mitglieder - wie ist es dazu gekommen?
Andy Leomar: Das ging tatsächlich über Kollegen, befreundete Dirigenten, auch Professoren, die mir dann ihre Schüler empfohlen haben. Ich dachte, es wäre schön Zwei zu Einem zu machen – die klassische Karriere und einen jungen Lifestyle von Partys und Clubs.
Und so habe ich junge Solisten gesucht für dieses Projekt, die Lust und Spirit haben. Da ist ein größerer Pool daraus entstanden, aber viele klassische Solisten haben natürlich ihre eigenen Konzerte und ihr eigenes Programm. Das macht es schwierig gemeinsam auf Tour zu gehen – weshalb wir eine Stammbesetzung haben – die man erweitern kann.

Klassik Radio: Wie entsteht ein Stück in Ihrem Stil?
Andy Leomar: Manchmal setze ich mich ans Klavier oder an ein Synthesizer-Keyboard und verfolge eine Klangidee. Bei bestehenden Stücken oder DJ-Tracks frage ich mich: Wie könnte man jetzt diese Hauptmelodie, dieses Thema denn umsetzen auf ein klassisches Instrument? Wer könnte was übernehmen? Es ist immer ein anderer Prozess und es hängt wirklich sehr stark von der Emotion des Titels ab.
Bei klassischer Musik ist es häufig so, dass es da schon bestehende Aufnahmen gibt. Die kann man sich natürlich anhören. Dann überlege ich mir, okay, wie würde da vielleicht ein DJ rangehen? Der würde gewisse Teile loopen oder neue zusammenbauen, etwas fragmentieren und als Remix neu zusammensetzen, das Ganze nochmal neu auf einen Beat setzen. So gibt es unterschiedliche Zugänge. Es ist nie der gleiche Prozess. Es wäre auch langweilig, wenn es immer gleich wäre.
Klassik Radio: Was glauben Sie, wie würde Vivaldi reagieren, wenn er Ihre Version vom „Winter“ aus den Vier Jahreszeiten hört?
Andy Leomar: Ich denke er würde es mögen – die großen Komponisten Ihrer Zeit waren Visionäre und haben auch immer wieder was Neues ausprobiert. Eine neue Sicht auf seine Musik würde er sicherlich begrüßen.
Meistens waren Komponisten ihrer Zeit voraus und haben gesagt: okay, das Bekannte gibt es ja schon, aber wir möchten einen Schritt weiter gehen, die Grenzen überschreiten. Und ich denke, hätte er die Möglichkeiten gehabt, mit Beats, Laptops und Drum Machines zu arbeiten hätte er es auch gemacht. Es sind einfach Klangzutaten, die es zu der Zeit damals nicht gab, aber die natürlich ein Werk nochmal bereichern und Farben froher machen können.

Klassik Radio: Worauf freuen Sie sich am meisten bei einem Konzert?
Andy Leomar: Der Moment, in dem wir auf die Bühne gehen. Wir beginnen meistens eher klassisch, ein bisschen ruhiger, damit wir unser Programm dramaturgisch steigern und aufbauen können. Auch das Publikum zu sehen ist großartig – teilweise 3 Generationen zusammen… und dann die Reaktionen, wenn die Beats einsetzen! Wenn sie realisieren: da passiert noch was, da kommen noch ein paar Klangzutaten hinzu.
Gerade, wenn die Ersten anfangen zu tanzen: das ist etwas, was im klassischen Konzertsaal nicht so oft passiert. Und uns gelingt es eigentlich immer! Man sieht dann das Funkeln und das Leuchten in den Augen, das ist für uns der schönste Moment.
Klassik Radio: Auf was für Projekte dürfen wir uns in Zukunft freuen?
Andy Leomar: Wir erweitern unser Programm und wir nehmen neue Komponisten und neue Werke mit rein. Wir hatten viele Stücke von Bach, Beethoven, Mozart und Vivaldi im Programm. Jetzt kamen Prokofiev, Grieg, Karl Orff und Tchaikowsky noch dazu.
Es geht immer weiter und man merkt, dass diese Epochen der Klassik nochmal ganz neue Zugänge schaffen, ganz neue Kombinationen daraus entstehen.Das ist eigentlich für uns das Spannendste, zu sagen, das Repertoire zu erweitern, neue Werke mit reinzunehmen, teilweise auch Mashups zu machen.
Wir haben jetzt auch mal ein Stück mit Hip-Hop gemischt. Das sind immer wieder neue Grenzüberschreitungen oder neue Mischungen, die auch für uns spannend sind. Weiterentwickeln und weiter experimentieren. Nie den Spaß daran verlieren und immer neue Wege gehen, um zu zeigen: "Hey, das hat noch keiner gemacht!"
Nicht nur Hip Hop, Pop und Electro Beats harmonieren bestens miteinander, wenn sie mit Vivalkdi gemixt weerden. Auch die größten Rockhits der Welt bekommen im Klassikgewand neuen Glanz - für alle Fans die sich in beiden Welten zu Hause fühlen haben wir "Rock meets Classic". Gratis bei Klassik Radio Plus.
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