Neue Musikausstellung im Deutschen Museum

Schauen UND Anfassen:Neue Musikausstellung im Deutschen Museum

Anfang des Monats hat das Deutsche Museum in München wieder eröffnet - mit vielen neuen Ausstellungen. Besondere Überraschungen hält dabei die für Musik parat.

 | Alexander Goettert Foto: Deutsches Museum

Grünes Licht zum Anfassen

Denn das Motto "Nur schauen, nicht anfassen", gilt hier nicht. Ganz im Gegenteil. Denn die Regel ist: alles, was grün ist, darf angefasst werden. Denn bei vielen Instrumenten sind grüne Erklär-Tafeln angebracht, auf denen auch dazu aufgefordert wird, die Geräte doch einmal auszuprobieren. Musik-Kuratorin Silke Berdux: "Zum Beispiel kann man ein Theremin spielen, das ist ein Instrument, das Anfang des 20. Jahrhunderts erfunden wurde, und das man beim Spielen nicht berührt, sondern man bewegt die Hände um Antennen herum. Man kann ein Trautonium manual spielen und schauen, wie das mit der Tonhöhe und der Lautstärke ist und wir haben einen modularen Synthesizer, wo man selbst sehr viele verschiedene Klänge erzeugen kann. Da könnte man sich mindestens einen Tag, vielleicht sogar mehrere Tage mit beschäftigen."

Im Mittelpunkt stehen Instrumente und ihre Geschichten

Grün sind auch die Gegenstände, die Hinweise zu den Erfindern der Instrumente geben. So ist z.B. neben der Doppelharfe eine grüne Weinflasche zu sehen, weil der Erfinder ein großer Weinliebhaber war und teils auch mit dem Rebsaft bezahlt werden konnte. Bei Instrumenten, die nicht spielbar sind, zeigen teils Filme, wie sie damals benutzt wurden.

Eine Wolke aus Musikinstrumenten

Auch für das Auge gibt es einiges zu entdecken - z.B. die "Musikwolke": "Eine riesige (...)Vitrine, in der über 70 Orchesterinstrumente sind und die so die Vielfalt dieser Entwicklungen im 19. Jahrhundert zeigt - auch von Instrumenten, die heute schon lange nicht mehr im Orchester sind. Das ist wie so eine Instrumentenwolke - die Instrumente scheinen zu schweben", beschreibt Silke Berdux.

Am 7. Juli wurde das Deutsche Museum wiedereröffnet

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Von der Renaissance in die Gegenwart

Die Musiksammlung reicht von der Renaissance bis in die Gegenwart. So gibt es z.B. ein Modul, das den frühen Elektrophonen gewidmet, also Theremin oder Trautonium: "Von denen besitzt das Deutsche Museum eigentlich die bedeutendste Sammlung weltweit", erklärt Silke Berdux. "die haben wir nun ein arrangiert, wie sie auf den Funkausstellungen in Berlin den 30er Jahren zu sehen waren. Das Siemens-Studio für Elektromusik aus den 1950er und 60er Jahren haben wir jetzt nach historischen Abbildungen wieder aufgebaut - das hat sehr gewonnen gegenüber der alten Ausstellung." Auch das Tonstudio des Komponisten Oskar Sala ist originalgetreu aufgebaut – er hat in Hitchcocks „Die Vögel“ die Möwen kreischen lassen.

 | Deutsches Museum, München
Foto: Reinhard Krause Deutsches Museum
| Deutsches Museum, München

Versteckter Schatz im Keller

Auf 20.000 Quadratmetern erstreckt sich die neue Musikausstellung. Darunter ist auch ein zusätzlicher Raum - ein Kellerdepot: "Der Hintergrund ist, dass oft nicht so bekannt ist, dass ja immer nur ein kleiner Teil der Sammlung eines Museums in der Ausstellung zu sehen ist und vieles befindet sich im Depot und es fließt auch viel Platz, Personal und Geld in dieses Sammeln und Bewahren von Instrumenten. Um das zu zeigen, gibt es diesen Blick ins Depot. Aber auch, um zu zeigen, wieviel Forschung dahinter steckt, die wir im Museum betreiben. Ein Umstand, der der Öffentlichkeit auch oft nicht bekannt ist", so Silke Berdux.

Hinter den Kulissen

Insgesamt 800 Instrumente lagern im Depot des Deutschen Museums. Einen Teil können die Besucher bald selbst begehen, ein weiterer Teil kann dann in Form von Führungen besucht werden. Dabei gibt es Interessantes zu entdecken: "Wir haben eben auch ein Regal, auf dem die Materialien und auch Geräte sind, mit denen man Instrumente bewahrt, reinigt oder erforscht. Da sind u.a. Schutzbrillen dabei. Denn wenn man Instrumente anschaut, verwendet man unter anderem, ähnlich wie bei Gemälden, häufig eine UV-Lampe. Unter diesem UV-Licht kann man Retuschen im Lack oder auch in der Fassung sehen. Doch bei diesen Arbeiten muss man natürlich Schutzbrillen tragen. Wir haben aber auch ein Endoskop, mit dem man in Instrumente hineinschauen kann oder einen Dickenmesser für Geigendecken..."

Von wegen "verstaubt"!

Das Image vom "verstaubten" Museum trifft also keineswegs zu, bei der neuen Musiksammlung des Deutschen Museums in München. Mehr dazu und den anderen Ausstellungen finden Sie auf der Website des Museums.

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