Wahre Geschichte der Woche: Till Eulenspiegel

Ausgewählt von Thomas Ohrner Wahre Geschichte der Woche: Till Eulenspiegel

Jede Woche wählt ein Mitglied aus der Redaktion eine persönliche Wahre Geschichte der Woche aus und verleiht ihr eine besondere Note.

Till Eulenspiegel, HarlekinFoto: Photo by Markus Spiske on Unsplash

"Zeig mir dein Talent"

Er hielt seinen Mitmenschen den Spiegel vor und zeigte ihnen so ihre Schwächen und Verfehlungen. Ich finden so einen Typen bräuchten wir auch heute wieder. In der wahren Geschichte haben wir Till Eulenspiegel als Maler vorgestellt. Als Till Eulenspiegel eines Tages den Landgrafen von Hessen kennenlernte, da fragte dieser ihn, welchen Beruf Till ausübe. »Ich bin ein Maler!«, verkündete er nicht ohne Stolz. »Dann zeig mir dein Talent «, entgegnete der Landgraf. Till versprach’s, ließ sich Staffelei, Farbe und Leinwand kommen und verbot jede Störung.

Der Trick der Narren

Die Wochen vergingen, ohne dass auch nur irgendjemand das Bild Till Eulenspiegels zu sehen bekam. Nach 21 Tagen ließ sich der Landgraf nicht mehr abwimmeln. Er bestand darauf, sofort sein Bild sehen zu dürfen.

Und Till? Der willigte ein, führte den Landesherrn vor die Staffelei, auf der das Bild, mit einem großen weißen Laken bedeckt, stand. »Ich habe«, so sagte Eulenspiegel, »euren Urgroßvater mit seiner Frau und den Kindern, euren Großvater, euren Vater und gar euch selbst auf diesem Gemälde verewigt. Allerdings birgt es ein kleines Geheimnis. Wer nämlich unehelich geboren wurde, der wird nur eine große, weiße Fläche sehen.«

Dann zog er das Laken von dem Bild ab. Und der Landgraf, der sah nichts.

Verfehltes Lob

Nur eine große, weiße Fläche. Da er nun aber nicht zugeben wollte, dass er unehelich geboren sei, da schwärmte er in den höchsten Tönen von dem Bild.

Auch seine Frau, die Landgräfin, sah, als man sie mit ihrer Gefolgschaft gerufen hatte, natürlich nichts auf dem Bild. Wie hätte sie denn auch etwas sehen können.

Doch auch ihr und den Frauen, die bei ihr waren, erzählte der Schalk die Geschichte, wer unehelich geboren sei, der könne auf dem Bild nichts erkennen. Nun lobten alle, wie sie da standen, das Bild Eulenspiegels in den höchsten Tönen.

Mittels Gelächters und Schadenfreude setzte er sie öffentlich der scharfen, aber nicht ausgesprochenen Kritik aus und deckte so auch die Missstände seiner Zeit auf.

Till brauchte damals eben kein Social Media wie Twitter etc. um zu kritisieren.

Die Wahre Geschichte hören Sie Montags bis Freitags ab 9:00 bei Thomas Ohrner am Vormittag.

Erhalten Sie Informationen aus erster HandBestellen Sie den Klassik Radio Newsletter

* Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis

Neueste Artikel

Klassik Radio schenkt Ihnen Kino: Erleben Sie Mahlers Dritte mit Teodor Currentzis
Junkies of DreamingFoto: Utopia Press Office

Klassik Radio schenkt Ihnen Kino: Erleben Sie Mahlers Dritte mit Teodor Currentzis

Musik als Grenzerfahrung: „JUNKIES OF DREAMING – Mahler 3 Currentzis“ begleitet Teodor Currentzis bei den intensiven Proben zu Gustav Mahlers monumentaler Dritter Symphonie. Klassik Radio lädt Sie ins Kino ein und schenkt Ihnen die Möglichkeit, diesen außergewöhnlichen Blick hinter die Kulissen auf der großen Leinwand zu erleben.

Malte Marten bringt die schönste Handpan-Musik zu Klassik Radio Plus
Malte Marten mit 2 Handpans im Wald, beide Handpans hält er rechts und links auf den HändenFoto: Julia Baier

Malte Marten bringt die schönste Handpan-Musik zu Klassik Radio Plus

Malte Marten erreicht mit seinem Instrument ein Millionenpublikum. Für Klassik Radio Plus hat er nun den neuen Sender „Peaceful Handpan“ kuratiert. Im Interview spricht er darüber, was ihn an der Handpan fasziniert, warum für ihn Gefühl wichtiger ist als technische Perfektion und weshalb die besondere Wirkung des Instruments für ihn im Klang selbst liegt.

Klassik vs. Neoklassik: Was ist der Unterschied?
Geige und E-GeigeFoto: KI-generiert/canva

Wissenswertes: Musik und Kultur
Klassik vs. Neoklassik: Was ist der Unterschied?

Wer „Klassik" hört, denkt an Konzertsäle, Perücken und Jahrhunderte alte Meisterwerke. Wer „Neoklassik" hört, denkt eher an minimalistische Klavierläufe, sanfte Streicher und ein junges Streaming-Publikum. Wir klären die Herkunft beider Begriffe, zeigen die musikalischen Unterschiede auf und verraten, welche Sender zu welcher Klangwelt passen.

Klassik Radio - Deutschland nationalKlassik Radio - Deutschland national