Wenn Klassik auf Politik & Provokantes trifft! 

Podium Esslingen:Wenn Klassik auf Politik & Provokantes trifft! 

Provokante Konzertformate an ungewöhnlichen Orten mit aktuellen Themen - das zeichnet das Podium Esslingen aus.

Frau in stehend erzählt, Musiker steht daneben, die Vorstellung "Maskenball" 2022 beim Podium Esslingen Foto: Sophia Hegewald/Podium Esslingen

Musik & Aktionismus

Das jährlich stattfindende Klassik-Festival in der Nähe von Stuttgart stellt nicht nur  die Musik in den Mittelpunkt. Es geht vielmehr um die Kombination aus Klassik und Aktivismus. „Das Festival, aber auch die Institution Podium Esslingen verfolgt vor allem das Ziel, eine Plattform zu sein für junge und zeitgenössische Ideen, die sogenannte klassische Musik neu zu denken. Wir haben das Ziel, etwas dafür zu tun, dass unsere Klassikszene diverser werden kann und gesellschafspolitisch relevante Themen zu beackern.“ Das erklärt Joosten Ellée, Künstlerischer Leiter des Podiums.

Von der Studenteninitiative zum jährlichen Festival

Doch wie kam es überhaupt zu diesem besonderen Festival? „Podium Esslingen wurde 2009 aus einer studentischen Initiative heraus gegründet. Damals haben Steven Walter und Minh Schumacher einfach den Willen manifestiert, ein Kammermusikfestival aus dem Boden zu stampfen - aus der reinen Überzeugung, noch neue Wege zu entdecken.“ 2009 war noch nicht klar, dass dieses Festival die Klassikszene ziemlich aufmischen würde.

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Auch Politik ist kein Tabu!

Der künstlerische Leiter Joosten Ellée findet, dass das Podium dieses Jahr besonders mutig war. „Ich finde in diesem Jahr haben wir uns viel getraut. Wir haben etliche politische Themen in den Mittelpunkt gerückt. Wir haben mit LAST CHANCE TO HEAR eine Klangausstellung im öffentlichen Raum geschaffen, die sich zum Artensterben äußert und vier Tieren musikalische Mahnmale gebaut hat. Mit MEGAPHONIE haben wir ein Projekt entworfen, dass sich lautstark dem Verkehrslärm entgegenstellt.“ Vor allem das Thema Verkehrswende wurde dieses Jahr in den Fokus gerückt. In insgesamt 27 Veranstaltungen wurde sich existentiellen Fragen heutiger Zeit gewidmet.

Einzigartiges Konzept

Das Podium ist längst nicht mehr nur ein Musikfestival. Seitdem eine Stiftung gegründet wurde, ist Podium Esslingen als Plattform noch mehr gewachsen. Die Stiftung basiert auf dem Konzept, dass zwischen den Generationen in einem Vertrauensverhältnis mit viel künstlerischer Freiheit Sachen entstehen können, die an anderen Orten nicht entstehen würden. Wie das funktioniert, erklärt uns Leiter Joosten Ellée. „Zuerst braucht man ein Thema, zu dem man sich aktivistisch äußern möchte, man sucht sich Orte, an denen sich dieser Aktivismus in Musik gegossen werden kann und man sucht sich Musik, die das ausdrücken kann, was man ausdrücken will. Dann macht man das alles zusammen und schafft ein Konzertformat. Bei uns ist dies angereichert durch designte Protestplakate, die sich ganz konkret auf den Autolärm und die Verkehrswende beziehen.“

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Feedback und lebhafte Diskussionen

Im Gegensatz zu vielen anderen Veranstaltungen, scheut sich Esslingen nicht, Meinungen lautstark preis zu geben. Das gefällt bestimmt nicht jedem. Wie hat das Publikum auf dieses Konzept reagiert? „Wir waren vorher natürlich angespannt und nervös und bin tatsächlich sehr erstaunt, dankbar und glücklich über die Reaktionen. Endlich werden nach Konzerten nicht nur irgendwelche fachsimpelten Diskussionen über Musik geführt, sondern auch über politische Themen, die wir ansprechen wollen. Musik kann ein Werkzeug sein, mit diesen Themen als Gesellschaft klarzukommen." Das Festivalprogramm 2023 umfasste vielfältige Konzerte rund um aktuelle Herausforderungen unserer Gesellschaft und setzten dabei auf Partizipation aller. Vom 20. bis 30. April wurden in Esslingen über heikle Themen wie Klima, Religion oder Demokratie diskutiert. Es bleibt spannend, welche Themen nächstes Jahr im Fokus stehen werden. Am dritten September steht nun erst einmal das Konzertprojekt "SIEBEN LETZTE WORTE - KEIN ERLÖSER AM KREUZ in der Stiftskirche in Tübingen an.

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