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Alexander Haiden
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Wo Ideen Flügel bekommen

Besonderer Komponistenwettbewerb: INK STILL WET

INK STILL WET begleitet Nachwuchskomponist*innen von Partitur bis Uraufführung, ermöglicht Perspektivwechsel und ist für Publikum offen.

Bewerbungen aus der ganzen Welt

75 Bewerbungen von Nachwuchskomponist*innen aus 29 Ländern sind in Grafenegg in Niederösterreich eingetrudelt: alle wollten dabei sein, beim INK STILL WET, dem Komponistenworkshop im Rahmen des Grafenegg Festivals. "Interessenten bewerben sich mit 2 Minuten auskomponiert einer Partitur, idealerweise einer neuen Komposition. Mit Konzept darf das ganze insgesamt sieben Minuten dauern", erklärt Magdalena Klamminger, die Leiterin des Campus Grafenegg, dem edukativen Programm des Grafenegg Festivals. Daraus werden dann sechs Teilnehmer ausgewählt. 

Zwei in Einem

Sie erwartet ein zweiphasiger Workshop. In der ersten Phase werden "die eingereichten Partituren analysiert, Konzepte besprochen, es gibt z.B. einen Workshop mit den Stimmführer*innen des Orchesters, um dort mögliche Probleme in der Stimmführung abzuklären, Herausforderungen beim Einsatz der Instrumente. Also da auch während der Komposition schon der Austausch mit den Musikern, die das Werk dann zur Uraufführung bringen werden, was natürlich enorm wertvoll ist", erläutert Magdalena Klamminger. 

Inspiration durch Perspektivwechsel

Im zweiten Teil, der im August vor Ort stattfinden soll, dreht sich dann alles um die bevorstehende Uraufführung der Werke. Das Besondere: die jungen Komponist*innen sind selbst aktiv daran beteiligt: sie stehen am Dirigentenpult. Nicht, damit sie etwa den Beruf wechseln wechseln, sondern für einen Perspektivwechsel, erklärt Magdalena Klamminger: "Weil das natürlich einen ganz anderen Blick aufs Schaffen bringt, wenn man nicht nur der ist, der vielleicht auch kritisch dem Orchester oder dem Dirigenten/der Dirgentin gegenübersteht, sondern selbst in dieser Situation ist, dann bringt das einen ganz anderen Blick auf das eigene Werk."

Publikum erwünscht

Besonders ist auch, dass nicht nur die Uraufführung der Werke in Form eines kostenlosen Konzerts für Publikum geöffnet ist, sondern auch fast alle Workshops. So können Interessierte, aber auch Bewerber*innen, die nicht angenommen wurden, hautnah dabei sein und den Komponist*innen über die Schulter sehen.

INK STILL WET 2021 | New perspectives
INK STILL WET 2021 | New perspectives

Kollegialität statt Wettbewerb

Im letzten und in diesem Jahr findet die erste Phase des Workshops online statt, die zweite soll auch wie im letzten Jahr, direkt vor Ort sein. 2020 wurde der zweite Teil deshalb in den Oktober verlegt, so dass fast alle teilnehmen konnten - bis auf einen Teilnehmer aus Venezuela. Der nahm dann einfach virtuell an den Workshops teil - nur dirigieren ging leider nicht. Doch da zeigte sich der starke Zusammenhalt der Gruppe: eine andere Teilnehmerin sprang für ihn ein und dirigierte, in ständiger Absprache mit dem Kollegen, seine Uraufführung. "Auch das war ein schönes Erlebnis zu sehen, wie der Zusammenhalt in dieser Gruppe ist und wie sehr eben bei diesem Workshop der Austausch und das Kollegiale im Vordergrund stehen. Es ist wirklich kein Wettbewerb, sondern geht um den kollegialen Austausch", so Magdalena Klamminger.

Neue Impulse statt alter Dinge

INK STILL WET hat den Namen übrigens dem österreichischen Komponisten HK Gruber zu verdanken. Er hat den Workshop ins Leben gerufen und stark geprägt. Er meinte, es gehe darum, an Werken zu arbeiten, an denen die Tinte noch ganz frisch sei. Es gehe nicht darum, alte Dinge aufzuwärmen, sondern darum gemeinsam Werke zu schaffen und Impulse zu geben, so lange die Tinte noch nass sei.

(04.03.2021/K. Jäger)