Kinder sitzen auf dem Boden und machen Musik
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Kinder sitzen auf dem Boden und machen Musik
Kostenlos ein Instrument lernen:

C.O.N.SONANZA - ein Orchester für alle Kinder!

Unabhängig von finanziellem Background und musikalischen Vorkenntnissen wachsen 30 Kinder und Jugendliche zu einem Orchester zusammen.

Nur eine Voraussetzung fürs Mitmachen

Ein Instrument spielen, im Chor singen, klassische Musik erfahren - all das ist für die Entwicklung von Kindern wichtig. Doch nicht alle haben Zugang dazu: oft fehlt es an Geld und Gelegenheit. Deshalb hat eine junge Münchnerin, Constanza Holbl "C.O.N.SONANZA" gegründet. Hier lernen 30 Kinder und Jugendliche zwischen sieben und 17 Jahren kostenos ein Instrument. Jeder darf mitmachen, wichtig ist einzig und alleine die Begeisterung für die Musik.

Das Vorbild von C.O.N.SONANZA: El Sistema
El Sistema - The Miracle
El Sistema - The Miracle

Familiäres Erbe

Die Leidenschaft, andere für Musik zu begeistern, liegt bei Constanza Vagnini-Holbl in der Familie: Ihre Eltern, Tante und Onkel waren Gründungsmitglieder des venezolanischen Musikförderprogramms "El Sistema": Es ermöglicht Kindern und Jugendlichen aus allen sozialen Schichten das Musizieren in Orchestern und das Singen in Chören. "Meine Eltern spielten im ersten Jugendorchester von "El Sistema", das 1975 in meinem Heimatort Caracas gegründet wurde", erklärt Constanza Vagnini-Holbl. "Später wurde es zum Simón Bolívar Symphony Orchestra of Venezuela."

Später, als die Vagninis schon lange in Deutschland waren, wurde Gustavo Dudamel zum Dirigenten des Orchesters, das immer öfter auch durch Deutschland tourte. Constanza Vagnini-Holbl hatte durch ihre Eltern viel Kontakt zum Orchester und war begeistert.

Als Jugendliche war ich sehr begeistert (vom Simón Bolívar Symphony Orchestra of Venezuela), vor allem, dass die Mitglieder über die Jahre hinweg wie eine Familie zusammenwachsen.

Von der Sprachdozentin zur Musikschulgründerin

Als dann 2016 bei einem Orchesterbesuch das Gespräch auf ein ähnliches Projekt in Deutschland kam, gab das für Constanza Vagnini-Holbl den Anstoß, aktiv zu werden: "Ich sah aufgrund der großen Migrationswelle von 2015 und der sich dann polarisierenden Gesellschaft den dringenden Anstoß für das Projekt", erklärt sie. "Damals war ich Spanischdozentin an der Uni und wollte eigentlich in die Forschung und Lehre gehen, doch die Idee hat mich einfach nicht mehr losgelassen", strahlt sie.

Damals war ich Spanischdozentin an der Uni und wollte eigentlich in die Forschung und Lehre gehen, doch die Idee hat mich einfach nicht mehr losgelassen

Wie die Idee zum Orchester wurde

Das Projekt kommt schnell ins Rollen: Musikerinnen und Musiker verpflichten sich - zunächst ehrenamtlich - Unterricht zu geben, eine Firma stellt einen Probenraum zur Verfügung, eine andere stiftet Geigen. Aktuell lernen ca. 30 Kinder und Jugendliche zwischen sieben und 17 Jahren kostenlos ein Musikinstrument.

Kinder aus allen Schichten

Dabei ist Constanza Vagnini-Holbl eines besonders wichtig: "Bei "Consonaza" können und sollen Kinder aus sozioökonomisch-priviligierten und -benachteiligten Verhältnissen mitmachen, damit sie über die Musik zusammenkommen und zusammenwachsen. Während der Unterricht für jeden, ganz unabhängig vom Einkommen der Eltern, kostenfrei ist, gibt es bei uns Kinder, deren Eltern die Instrumente gekauft haben, mieten, Kinder mit günstigeren Instrumenten sowie diejenigen, die auf unsere Leihinstrumente angewiesen sind."

Gustavo Dudamel - Bernstein: West Side Story - Mambo (Sinfónica Simón Bolívar Orchestra, BBC Proms)
Gustavo Dudamel - Bernstein: West Side Story - Mambo (Sinfónica Simón Bolívar Orchestra, BBC Proms)
Gustavo Dudamel - Bernstein: West Side Story - Mambo (Sinfónica Simón Bolívar Orchestra, BBC Proms)

Jedes Kind findet "sein" Instrument

Gibt es dabei besonders beliebte Instrumente? "Bei den ersten fünf Instrumenten, die wir im Angebot haben: Geige, Bratsche, Cello, Contrabass und Waldhorn, würde ich sagen, sind Geige und Cello am Beliebtesten. Wobei die Entscheidung der Kinder für das eine oder andere Instrument irgendwie magisch ist."

Einmal wollte ein ganz kleines und zierliches Kind ausgerechnet den Contrabass spielen - unbedingt - und hat sich dann Gott sei Dank mit einem 1/8 Cello zufriedengegeben und ist jetzt eines der begnadetsten Nachwuchs-Cellisten bei uns.

Schwierige Namensfindung

Und wie kam es zum Namen C.O.N.SONANZA ? "Da ich unbedingt einen Namen haben wollte, der sowohl das soziale als auch das musikalische wiederspiegelt - fand ich "Consonanza", was im Italienischen "harmonischer Zusammenklang" bedeutet und im übertragenen Sinne auch "Einklang, Übereinstimmung, Harmonie" einfach am Schönsten und Passendesten. Er sollte eigentlich nicht wie mein Vorname klingen, das war für mich ein KO-Kriterium, aber wir fanden dann alle "Consonanza" am Besten. Außerdem war es perfekt, dass der Name mit CON anfängt, weil C.O.N. in unserem Projektnamen steht für "Chor-Orchester-Netzwerk in Deutschland."

Erster Schritt auf einem langen Weg

Zu den bisherigen Orchestermitgliedern sollen auch bald Querflöte und Trompete kommen. Für die restlichen Schlag- und Blasinstrumente könnten noch 30 Kinder dazukommen und auch für den Chor sind  vorerst 50 Kinder angedacht - obwohl auch da noch Platz nach oben ist.

Ziel ist es, das Orchster zum kompletten Sinfonieorchester mit Chor zu erweitern und dort auch Kinder z.B. aus sonderpädagogischen Förderzentren zu integrieren und vielleicht auch weitere Orchester mit diesem Ansatz zu gründen. Dafür wären aber weitere und größere Fördergelder nötig.

"Langfristig möchten wir mit erreichen, dass die Musikbildung hierzulande einen viel höheren Stellenwert bekommt, da die Musik und vor allem auch die klassische Musik, für die Kinder sehr positiv und wichtig ist in ihrer Entwicklung. Desweiteren möchten wir erreichen, dass die klassische Musik von Mehrheiten für Mehrheiten bestimmt ist."

Ein großes Vorhaben, für das Constanza Vagnini-Holbl die Weichen bereits gestellt hat. Mehr Infos zu dem großartigen Projekt finden Sie auf der Website von C.O.N.SONANZA.

(13.07.22/K.Jäger)