Grüne Dreharbeiten beim Film sind die Zukunft

Was ein Green Consultant bewirkt Grüne Dreharbeiten beim Film sind die Zukunft

Weniger Fleisch, weniger Flüge. Auch die deutsche Filmbranche will klimafreundlicher werden und ihre Produktionen nachhaltiger gestalten.

Grüne Dreharbeiten beim Film sind die ZukunftFoto: Avel Chuklanov on Unsplash

Es ist nur ein Wort, das den Unterschied macht. Das Wort „Green“. Und das ist momentan auch in der Filmbranche schwer angesagt. Denn auch die will nachhaltiger und klimafreundlicher werden – deshalb geht es aktuell viel ums „Grüne Drehen“ mit Begriffen wie „Green Shooting“, „Green Motion“ und „Green Consultant“.

Wir haben mit Chiara Noack gesprochen, sie hat ihre Abschlussarbeit an der Filmuni Babelsberg über das Thema „Nachhaltige Produktion“ geschrieben – und hat als Zusatzqualifikation eine Ausbildung zum Green Consultant absolviert. Was genau macht denn eine Nachhaltigkeitsberaterin?

„Wir gehen jedes einzelne Department durch, wir gucken, was fällt beim Licht, beim Catering oder beim Setdesign an. Wo kann man ansetzen und was kann man verbessern. Es geht um die CO2-Kalkulation von Projekten und letztlich geht es auch darum, die Crew mitzunehmen. Denn viele haben sich mit diesem Thema noch nicht so intensiv auseinandergesetzt und sind anfangs etwas skeptisch.  Es geht also darum, möglichst alle für das Thema zu sensibilisieren“, sagt Chiara Noack.

Filmbranche will klimafreundlicher werden

Nicht nur, dass es immer mehr „Green Cosultants“ beim Film gibt, zahlreiche Vertreter der deutschen Filmbranche wollen ihre Produktionen klimafreundlicher machen und haben dafür Richtlinien aufgestellt unter dem Label „Green Motion“. Denn ein deutscher Spielfilm setzt im Durchschnitt 100 bis 140 Tonnen CO2 frei. Das ist so viel, wie ungefähr zehn bis 17 Deutsche pro Jahr erzeugen. Und Hollywood-Blockbuster setzen sogar hundertmal so viel CO2 frei. Deshalb will auch die Filmbranche klimafreundlicher und nachhaltiger werden.

Aktuell drehen viele Produktionsfirmen wie UFA oder Constantin Film, große TV-Sender und auch Streamingdienste freiwillig nach nachhaltigen Kriterien – ab 2023 könnten ökologische Mindeststandards dann verpflichtend für eine finanzielle Förderung werden. Eine positive und vielversprechende Entwicklung, findet Chiara Noack: „Ich finde es gerade sehr schön zu sehen, dass die Teams und die Produktion generell zur Änderung bereit sind. Das ist wichtig und ein guter und richtiger Schritt, den wir in den nächsten Monaten weiterverfolgen und Dinge dann auch nachhaltig verändern können.“

Chiara Noack arbeitet als Green Consultant beim Film
Foto: Elisa Marie Schütz

Kleine Stellschrauben bewirken Großes

Für Chiara Noack beginnt ihre Arbeit als Beraterin für Nachhaltigkeit oft schon Monate vor Drehbeginn: „Eigentlich ist die Vorproduktion der wichtigste Teil meiner Arbeit, bei dem ich auch wirklich am meisten Einfluss habe. Ich spreche dann mit allen Head of Departments, mit den Set Designern, mit der Kostümabteilung, tausche mich mit allen Gewerken und Abteilungen aus und schaue, an welchen Punkten man ansetzen kann.“  Nach den vielen Vorgesprächen werden für die jeweiligen Abteilungen Richtlinien verfasst, so dass jeder weiß, worauf er beim Dreh zu achten hat.

Der wichtigste Bereich für klimafreundlichere und nachhaltigere Dreharbeiten ist natürlich der Transport. Dort wird möglichst versucht, E-Autos zu nutzen und auf Fliege zu verzichten. Strecken unter 5 Stunden sollten auf jeden Fall mit der Bahn gefahren werden. Und auch beim Setbau lässt sich einiges verbessern, z.B. die Wiederverwertung von Kostümen und Requisiten oder die Umstellung auf Öko-Putzmittel.

Raus aus der Komfortzone

Ein bisschen Umstellen muss man sich dafür natürlich schon, sagt Noack. „Man muss ein bisschen aus seiner Komfortzone, aus seinen Routinen raus, man muss sich auf neue Dinge einlassen. Man bekommt z.B. am Anfang einer Produktion eine Wasserflasche, eine Mehrwegflasche, und muss dann daran denken, sie jeden Tag ans Set mitzubringen. Das klingt vielleicht etwas lapidar, ist aber tatsächlich ein wichtiger Punkt. Oder ich muss daran denken, das Elektroauto, das ich von der Produktion bekommen habe, jeden Abend aufzuladen.“

Es braucht also nur ein bisschen Flexibilität und schon lässt sich durch das Verstellen vieler kleiner Stellschrauben erstaunlich viel bewirken und bewegen. Vielleicht dann ab 2023 auch nicht mehr nur freiwillig, sondern verpflichtend mit dem Label „Green Motion“. Die Filmbranche scheint auf einem guten Weg zu sein.

(20.07.2022 / F. Schmidt)

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