Beethoven als Karikatur, Comic & Cartoon

Ausstellung: "Wie komisch!":Beethoven als Karikatur, Comic & Cartoon

In der neuen Sonderaustellung im Beethoven-Haus in Bonn kann man Beethoven ganz heiter erleben. Das bringt zum Lachen und Nachdenken.

Beethoven als Comic, am Klavier sitzend, mit drei Personen Foto: Alexander Steffensmeier, Beethoven-Haus Bonn

Humor auf zwei Ebenen

Dabei sind alle Exponate sorgfältig ausgewählt: "Da das Material insgesamt überaus reichhaltig ist, haben wir natürlich von allen Bereichen nur Ausschnitte oder einzelne Exponate. Wir haben uns darauf konzentriert, Objekte zu nehmenn, die eine wirkliche Geschichte erzählen: sowohl über Beethoven, als auch über denjenigen, der die Karikaturen oder Comics gestaltet hat. Es soll kein platter Witz sein, es soll immer auch eine zweite Ebene, die zum Nachdenken anregt, gezeigt werden", erklärt Dr. Silke Bettermann, die Hauptkuratorin der Ausstellung.

Karikierende Zeichnungen bereits zu Lebzeiten

Die erste karikierende Zeichnung von Beethoven gab es 1820 - wohlgemerkt keine Karikatur: "Denn sie sind von Künstlern privat, für sich selbst angefertigt worden", erklärt Dr. Silke Bettermann. "Das frühestes Beispiel stammt von Joseph Daniel Böhm, der im Jahr 1820 ein Medaillon erschaffen hat." Darauf ist Beethovens besondere Erscheinung mit nachlässiger Kleidung und einem verbeulten Hut im Nacken festgehalten: die Hände hinterm Rücken verschränkt, den Blick gen Himmel gewandt.

Blütezeit im 20. Jahrhundert

Die ersten "richtigen" Karikaturen kamen dann fünf Jahre nach Beethovens Tod heraus. Ihr Schöpfer: Johann Peter Müser. "Er fand die Beschreibungen über Beethovens äußere Erscheinung derartig inspirierend, dass er aus dem Kopf heraus und aus seiner Phantasie heraus karikierende Darstellungen des Komponisten geschaffen hat, wie er in Wien spazierenging", erläutert Dr. Silke Bettermann. Ihre Blütezeit erlebten die Karikaturen dann Anfang des 20. Jahrhunderts: "Das war nämlich genau die Zeit, in der die romantische Beethovenverehrung ihren Höhepunkt erreichte. Im Gefolge von Wagner bei den Musikern, im Gefolge von Max Klinger bei den bildenden Künstlern: Beethoven wurde als Held, der sich für die Menschheit geopfert hat, aufgefasst. Und natürlich - wenn in der großen, ernsthaften Kunst so ein Höhepunkt der Verehrung stattfindet, dann reagiert die Karikatur immer gleich darauf und setzt einen Kontrapunkt in der heiteren Art."

Aufgrund Ihrer Consent Einstellungen können Sie dieses YouTube Video nicht sehen.
Einstellungen Ändern

Beethoven wird digital

Seitdem folgten zahlreiche weitere Karikaturen, ebenso Comics und Cartoons. Mittlerweile auch in den digitalen Medien: "Es gibt Comics, die z.B. Beethovens Taubheit zum Thema nehmen, es gibt Karikaturen, die sehr gekonnt Beethoven als Kind darstellen (...) und es gibt Videoclips, die versuchen, im Bild, auf witzige Art, Beethovens Kompositionen wiederzugeben. Damit lacht man nicht nur, sondern lernt auch etwas über Beethovens Musik. Das ist etwas ganz besonderes, das nur in diesem Medium möglich ist", so Dr. Silke Bettermann.

Beethoven bei den Peanuts

Auch in den beliebten "Peanuts"-Comics rund um Snoopy, Charlie Brown, Schröder und Lucy ist der Komponist zu finden. So gibt es z.B. einen Strip, in dem der introvertierte Schröder hoch konzentriert Beethoven auf dem Klavier spielt, natürlich mit der Büste des Meisters auf dem Klavier. Seine Freundin Lucy ist böse über seine ungeteilte Konzentration auf den Komponisten, stampft auf das Klavier zu, wirft die Büste herunter und schimpft: "Du und der olle Beethoven!" Schröder steht ungerührt auf, geht zum Schrank. Der ist bis oben hin gefüllt mit neuen Beethoven-Büsten. Er nimmt eine heraus, stellt sie auf den Flügel und spielt weiter. "Das finde ich besonders witzig und besonders hintergründig. Denn es sagt uns eigentlich 'Beethoven ist nicht zu zerstören'", meint Dr. Silke Bettermann schmunzelnd.

Cartoon von Beethoven, der hinter einer Tür hervorsieht, Stift im Mund, Notenblatt in der Hand
Foto: Alexander Steffensmeier/Beethoven-Haus Bonn
Cartoon von Beethoven, der hinter einer Tür hervorsieht, Stift im Mund, Notenblatt in der Hand

Bildhaftes Denken

Ihr ganz besonderes Highlight sind die Arbeiten von Michael Matthias Brechtel. Von ihm gibt es aus Privatbesitz eine Darstellung in der Ausstellung. "Sie zeigt, was der  Komponist denkt. Er denkt über seine Taubheit nach, verkörpert durch zwei Hörrohre. Doch er verwandelt dieses Problem in phantasievolle Musik. Das hat Brechtel durch zwei Putten mit Schmetterlingsflügeln, die auf diesen Hörrohren Musik machen, ins Bild gesetzt. Das finde ich ganz besonders interessant", erläutert sie.

Lustige Musikstücke über Bekannte

Wie hätte der Komponist selbst wohl diese Ausstellung gefunden? Die Hauptkuratorin lacht: "Also ich glaube, Beethoven war ein humorvoller Mann.  Er hat, wie seine Zeitgenossen überliefern, durchaus nicht nur ernste Züge gehabt. Er hat ja auch in seiner Musik heitere Aspekte festgehalten und eine ganze Reihe wirklich witziger, lustiger kleiner Musikstücke auf seinen Bekanntenkreis geschrieben. Ich glaube, er hätte gelacht. Er hätte sich sicher gefreut, dass er so ernst und wichtig ist, dass man  auf ihn karikaturen macht, auch 200 Jahre nach seinen ersten Erfolgen. Ich glaube, ihm hätte es gefallen. Ich möchte es zumindest hoffen."

Wenn Sie nun neugierig geworden sind: die Sonderausstellung "Wie komisch!" im Beethovenhaus im Bonn läuft noch bis zum 21. August.

Erhalten Sie Informationen aus erster HandBestellen Sie den Klassik Radio Newsletter

* Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis

Neueste Artikel

Masken, Melodien, Menschenmengen – Wie der venezianische Karneval die Oper erfand
Zwei kostümierte Frauen am Karneval in Venedig

Masken, Melodien, Menschenmengen – Wie der venezianische Karneval die Oper erfand

Von funkelnden Masken über laute Kanäle bis zu prunkvollen Opernhäusern: Im Venedig des 17. Jahrhunderts verschmolzen Feierlust und Kunst zu einem neuen Kulturerlebnis, das die Musikgeschichte revolutionierte. Der Karneval wurde zur Geburtsstätte der Oper – ein Spektakel für Zehntausende, die aus ganz Europa in die Lagunenstadt strömten.

„Ich spiele nicht die Musik, sondern die Musik spielt mich“ – Rüdiger MENG komponiert in Echtzeit
Rüdiger Meng am Klavier

MENG - The Art Of LiveComposition
„Ich spiele nicht die Musik, sondern die Musik spielt mich“ – Rüdiger MENG komponiert in Echtzeit

Wenn er sich ans Klavier setzt, ist alles möglich. Rüdiger MENG komponiert live auf der Bühne – ohne Netz, ohne doppelten Boden. Damit hat er schon Musiklegenden wie Quincy Jones, Phil Collins oder Simply Red beeindruckt. Im Interview mit Klassik Radio-Redakteurin Farah Losch erzählt er, warum diese Form der Live-Komposition für ihn die höchste Disziplin ist – und ein klares Statement gegen KI und durchgeplante Shows.

Bernstein und Karajan gemeinsam in der Bar
Lucca Züchner als Herbert von Karajan und Helen Schneider als Leonard Bernstein

Vom Broadway nach Hamburg: "Last call"
Bernstein und Karajan gemeinsam in der Bar

Die Antipoden Karajan und Bernstein treffen in einer Bar aufeinander. Ist tatsächlich so passiert. Davon erzählt das Theaterstück „Last Call“. Vom Broadway kommt das Stück nun in die Hamburger Kammerspiele. Dabei werden die Giganten von Frauen verkörpert. Ein Gespräch mit Regisseur und Co-Produzent Gil Mehmert über die Hintergründe und welchem irren Zufall das Stück zu verdanken ist.

Klassik Radio - Deutschland nationalKlassik Radio - Deutschland national