Der Schulterschluss zwischen Klassik und Medizin

Klassik hilft!Der Schulterschluss zwischen Klassik und Medizin

Klassik kann helfen! In diesem Fall sogar Patientinnen und Patienten, die mit den Spätfolgen einer Corona-Erkrankung kämpfen.

Der Schulterschluss zwischen Klassik und MedizinFoto: Lucia Hunziker

Das Projekt

Die English National Opera hat es vorgemacht: Sängerinnen und Sänger helfen Patientinnen und Patienten bei der Bewältigung von Langzeitfolgen nach einer Corona-Erkrankung. Und nun läuft auch in Hamburg ein Pilotprojekt: Kristina Stanek ist Mezzosopranistin im Ensemble der Staatsoper Hamburg und ehrenamtlich Teil der Kooperation mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. „Ich war am Anfang aufgeregt, weil ich dachte, ich mache vielleicht etwas falsch. Aber uns wurde vom UKE versichert: wir können nichts falsch machen und man kann den Patienten helfen“, sagte uns Stanek. Im April lief es an und seitdem traf sie sich einmal pro Woche online mit dem Patienten, der ihr vorher zugewiesen wurde.

Staneks Patient

Jedem Sänger wurde ein Patient zugeteilt, der vorher vom UKE, gemeinsam mit Pneumologen ausgesucht wurde. Über Staneks Patienten wissen wir: Der Mann war im Oktober an Corona erkrankt. Im Dezember lief er einen Halbmarathon, aber plötzlich, im Januar kamen die Long-Covid Symptome. Er erzählte, dass er einen Stuhl durchs Treppenhaus getragen hatte, sich dann aber übergeben musste. „Er war so kurzatmig, dass nichts mehr ging. Und dazu muss man sagen, dass er Leistungssportler ist (…) und eigentlich sehr fit und sehr trainiert.“ Stanek berichtet weiter: „Das war natürlich ganz besonders erschreckend für ihn, dass er sich so schwach gefühlt hat. Er hat sich eigentlich gar nicht mehr wiedererkannt.“

Die Übungsstunden

Einen Monat lang hat sich Stanek einmal pro Woche online mit dem Patienten getroffen. „Sein Zwerchfell konnte sich nicht mehr nach unten absenken. Über Entspannungsübungen sind wir dann an die Sache rangegangen“ Gemeinsam haben sie Übungen gemacht um sein Zwerchfell, seine Atmung und Lungenkapazität zu verbessern. „Das sind meine Übungen, die mir in den letzten Jahren als professionelle Sängerin sehr geholfen haben“, so Stanek "Es sind Entspannungsübungen, denn in der Ausatmung entspannt sich auch das Zwerchfell. Aber es ging auch um eine gute Körperhaltung, denn nur mit einer guten Haltung ist das Zwerchfell nicht blockiert.“ Eine Übung war beispielsweise die „4, 4, 7 – Übung“. Dabei atmet man vier Schläge durch die Nase ein, vier Schläge hält man die Atmung an und atmet dann sieben Schläge lang durch den Mund aus. „Dadurch verlängern wir die Ausatmung und signalisieren dem Körper Ruhe.“

"Innerhalb von vier Wochen hat er seine Lungenkapazität von 40% auf 60% steigern können!"

Ergebnisse

Das UKE hat vor der Therapie mit Stanek einen Test mit dem Patienten durchgeführt und auch nach der einmonatigen Behandlung und die Ergebnisse sind vielversprechend: „Er hat innerhalb von vier Wochen seine Lungenkapazität, die durch Corona auf 40% gesunken war auf 60% steigern können und das ist natürlich schon ganz schön toll!“ Stanek hat auch vom Patienten selber viel positive Rückmeldung bekommen: „Dass er schon viel besser Treppen laufen kann und vor allem in den Übungen gemerkt hat, dass die Ausatmung viel länger wird, er sich fitter fühlt und wieder ein bisschen mehr zu sich zurück gekommen ist.“ Eine Tolle Bilanz! Mit diesem Patienten ist die Behandlung vorerst abgeschlossen, aber natürlich steht sie ihm jederzeit für Rückfragen mit Rat und Tat zu Seite. Wenn es nach Stanek geht, könnte das Projekt direkt weitergehen, allerdings muss sie nun auf das UKE warten. „Es ist für die Zukunft weiter geplant, aber wann und wie, das weiß ich noch nicht genau.“

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