Die Geschichten der Musik und ihre Bilder

Visuell-akustische KunstDie Geschichten der Musik und ihre Bilder

Komponist Matthias Krohn und Maler Dietmar Wagner haben sich zusammengeschlossen und Musik nicht nur hörbar, sondern auch sichtbar gemacht.

Die Geschichten der Musik und ihre BilderFoto: Matthias Krohn

Musik besteht aus Geschichten

Beim Hören von Musik entstehen schnell Bilder im Kopf. Stücke erwecken häufig Figuren und Abenteuer zum Leben. Das ist die Überzeugung von Komponist Matthias Krohn aus Schleswig-Holstein. „Ich schreibe keine Stücke, ich erfinde Geschichten, die aus meiner langjährigen Arbeit und Erfahrung mit diversen musikalischen Genres entstehen“, erzählt er im Gespräch mit Klassik Radio.

Bilder, die nicht die Show stehlen

Seit vielen Jahren komponiert er mit dem Klang verschiedenster Instrumentalgruppen Musik: „Es werden neben der menschlichen Stimme Instrumente aller Art, von der afrikanischen Trommel über asiatische Gongs bis zu klassischen Orchesterinstrumenten gespielt.“ Im Laufe seines musikalischen Schaffens ist eine Fülle an Stücken mit den unterschiedlichsten Klängen entstanden. Zehn dieser Stücke hat er für sein Projekt „The BEING Orchestra“ ausgewählt, um seinen Geschichten auch ein visuelles Leben einzuhauchen: „Die zehn Stücke, oder besser musikalischen Geschichten, sind in einem Zeitraum von etwa 20 Jahren entstanden […] Es lag nahe der Musik entsprechende Bilder zu unterlegen. Ein Film oder Video hätte aber einen viel höheren manipulativen Einfluss. Generell würde ich Musik nicht erklären wollen und ebenso sollten es Bilder nicht tun.“

Matthias Krohn am  Schlagzeug
Foto: Matthias Krohn

Eine gemeinsame Richtung

Im Herbst letzten Jahres fragte er seinen langjährigen Freund und Maler Dietmar Wagner, ob er ihm bei diesem Projekt unterstützen möchte. Wagner musste nicht lange überlegen: „Seine [Zusage] kam prompt und schnell wurde uns klar, dass wir etwas ganz besonders Aufregendes erschaffen.“ Bevor das Kunstwerk entsteht, hört der Maler die Stücke, öffnet sich ihnen und versucht die Geschichten dahinter zu verstehen. „Zunächst lasse ich bei geschlossenen Augen die Musik auf mich wirken. Manchmal ähneln die Vorstellungen bereits Bildern aus meinem Fundus und andere müssen erst noch gemalt werden“, erklärt Dietmar Wagner. Er steht aber auch im ständigen Austausch mit dem Komponisten: „Die Geschichten, die hinter den Musikstücken stehen, erschließen sich nicht immer sofort. Da sind dann ein paar Stichworte der Schlüssel für neue Bilder im Kopf [...] Bis wir uns nach einer gemeinsamen Diskussion auf eine Richtung einigen.“

Die Karawane in der Wüste

Ein Beispiel für ihre Zusammenarbeit ist der Titel „CARATUB“, ein eher orientalisch geprägtes Stück. Darin verwendet der Komponist teils klassische Orchesterinstrumente, aber auch ein afrikanisches Daumenklavier. „Als ich anfing das Stück zu komponieren, war anfangs keinesfalls klar, dass am Ende so etwas wie eine Karawane dabei herauskommt“, berichtet Krohn. Die Geschichte der Karawane spiegelte sich aber nicht nur im Titel, sondern eben auch im Kunstwerk von Wagner: „Beim Hören stiegen Bilder auf, die überraschender Weise ziemlich deckungsgleich waren mit den Vorstellungen meines Freundes.“

Dietmar Wagner und sein Gemälde zum Stück
Foto: Matthias Krohn

Zukünftige Projekte

Das Ergebnis ihrer ersten Zusammenarbeit ist ein visuell-akustisches Buch mit den Stücken von Matthias Krohn und den Bildern von Dietmar Wagner. Der Erlös für ihr gemeinsames Projekt stecken sie allerdings nicht in die eigene Tasche: „Mit dem Reinerlös werden ehrenamtliche Initiativen unterstützt, die helfen, unsere einzige Welt zu einer besseren werden zu lassen.“

Auch in Zukunft möchten die beiden Freunde zusammenarbeiten, erzählt Wagner: „Die Erfahrung, wie wunderbar das Zusammenwirken von Kunst und Musik sein kann, hat uns zugegebener Maßen sehr euphorisiert.“ Ihr nächstes Projekt soll allerdings nicht nur Musik und Malerei verbinden. Es soll ein weiterer künstlerischer Part hinzutreten: Tanz.

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