Digitale Notenblätter

Tablets statt Papier im OrchesterDigitale Notenblätter

Die App Newsic betritt die Bühne: Tablets statt gedruckter Noten etablieren sich nach und nach im Konzertsaal.

Notenblatt mit Oboe und KlarinetteFoto: Alenavlad/de.Fotolia.com

Was sind Vor- und Nachteile des Konzertierens über App?

Schluss mit der Papier-Schlepperei

Wenn man alle Noten, die man mit auf Konzerttournee mitnehmen muss, eingescannt auf dem Tablet hätte, könnte man sich eine ganze Menge Gewicht sparen. Und wäre das nicht toll, wenn man einen Fingersatz korrigieren kann, obwohl man den Radiergummi vergessen hat? Nichts mehr mit Notenblättern, die verstreut auf dem Boden liegen. Schluss mit dem lästigen Umblättern per Hand – dafür gibt es jetzt ein Fußpedal, das via Bluetooth dem Gerät sagt, wann umgeblättert werden soll.



Entsprechende Apps, wie beispielsweise Newsic, gibt es bereits und das Zürcher Kammerorchester probiert diese schon mal aus.

Der Prozess von Papier zu Digital geht langsam

Standard ist das Konzertieren von Tablets noch lange nicht, aber das wird kommen. Davon ist Lena-Catharina Schneider überzeugt. Sie ist die Leiterin des künstlerischen Betriebsbüros des Zürcher Kammerorchesters. Noch spielt nicht das ganze Orchester vom Tablet, die Kosten sind sehr hoch, daher spielen noch manche Musiker von analogen Noten. Denn neben dem Anschaffungspreis müssen sich auch die Musiker an die Umstellung gewöhnen, was den jungen, die sowieso an das digitale Arbeiten gewöhnt sind, meist leichter fällt als den älteren.

Komplette Umstellung nächste Saison

Im zweiten Halbjahr der kommenden Saison soll das Züricher Kammerorchester komplett auf digitale Noten umgestellt werden. Schulungen mit dem App-Hersteller sind geplant. Die Mitarbeiter in der Bibliothek sind außerdem schon seit Jahren damit beschäftigt, die Noten zu digitalisieren. Die jüngeren Orchestermitglieder sind der Tablet-Benutzung sehr aufgeschlossen, die älteren Semester tun sich manchmal schwer – ein weiterer Grund, die Neueinführung nicht zu überstürzen.

Auch das Publikum ist manchmal skeptisch

Lena-Catharina Schneider gibt zu: „Mich hat das am Anfang richtig gestört, inzwischen aber nicht mehr.“ Wenn die Musiker von ihren Tablets angeleuchtet werden, irritiert das manchmal den Zuschauer. Aber der Violinist Daniel Hope konzertiert zum Beispiel schon länger mit digitalen Noten. „Da hat bisher nie jemand was gesagt“, meint sie.

Genauso wie der Anblick von Tablets im Orchester ungewöhnlich ist, gibt es ungewöhnliche Instrumente.

Es erleichtert die Probenarbeit wortwörtlich

„Wir haben zum Teil 20kg Noten mit auf Tournee“, sagt Lena-Catharina Schneider. Dieses Gewicht ließe sich durch den Einsatz der Tablets radikal reduzieren. Ebenfalls dafür spricht der riesige Katalog an Noten, auf den das Orchester zugreifen kann. Und ein weiterer Vorteil: Wenn der Dirigent oder der Solist eine Notiz in die Noten macht, können diese alle Orchestermitglieder sehen. Das Umblättern per Hand ist auch vorbei: Die Musiker können auf die nächste Seite blättern, indem sie ein Fußpedal betätigen. Damit entlasten sich die Musiker.

Pannen mit den digitalen Noten

Aber Technik hat einen großen Nachteil: Sie kann versagen. Wenn der Akku im Konzert kaputt geht, das Bluetooth-Pedal streikt oder schlicht kein Empfang im Konzertsaal ist, dann sind die Orchestermitglieder unter Umständen aufgeschmissen. Deshalb spielt das Züricher Kammerorchester zur Sicherheit noch mit griffbereit liegenden Notenblättern.

Die Verlage reagieren

Auch die großen deutschen Verlage Schott, Bärenreiter und Henle beginnen, ihre Noten zu digitalisieren, obwohl das große Summen verschlingt. Denn das Notensystem ist komplizierter als das Alphabet, daher ist eine Digitalisierung einer Partitur wesentlich aufwändiger als die E-Book-Variante eines Romans herauszubringen. Auch der Schutz vor illegalen Downloads steckt noch in den Anfängen.

Immer mehr Werke werden digitalisiert, vielleicht gibt es auch bald die Neufassung von Mozarts c-Moll Messe digital.

Die Zukunft der Orchester

„Das wird sich immer mehr etablieren“, ist sich Lena-Catharina Schneider sicher. Aber ein großes Hindernis ist und bleibt der finanzielle Aufwand: Es ist leichter für kleine Orchester für jeden Musiker ein Tablet anzuschaffen, aber für große ist es sehr teuer. Vor allen Dingen, weil man immer Zusatzgeräte braucht für den Notfall.



Die Digitalisierung in der Klassik schreitet also voran.

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