Dmitri Schostakowitsch: Der Komponist mit dem Schiedsrichterschein

Dmitri Schostakowitsch: Der Komponist mit dem Schiedsrichterschein

Dmitri Schostakowitsch war Wunderkind und Barpianist, gefeierter Komponist und stiller Systemkritiker, Fußballfan mit Schiedsrichterschein und einer, der sich selbst Postkarten schickte. Am 25. September 2025 feiert er seinen 119. Geburtstag!

KlavierFoto: Ai Studio/stock.adobe.com

Postkarten an sich selbst? Schiri-Lizenz? Drei Ehen? 

Willkommen im Leben von Schostakowitsch, dem wohl schrägsten Alleskönner des 20. Jahrhunderts. Während seine Musik für Millionen Menschen eine Stimme fanden, schrieb er privat gern an sich selbst – Postkarten, um die sowjetische Post auf Zuverlässigkeit zu testen. Daneben war er leidenschaftlicher Fan vom Fußballverein Zenit St. Petersburg, hatte einen Schiedsrichterschein und pfiff sogar ein paar Spiele. Sein liebstes Hobby? Fußballberichte schreiben – inklusive Minutenprotokollen. Neben seinen Hobbys und seinen Pflichten als Komponist war aber immer auch noch Platz für Privatleben. Besonders kurios dabei: Seine dritte Ehefrau war jünger als seine Tochter aus früherer Ehe. 

Komponieren in Moll und in Angst 

Die Musik von Dmitri Schostakowitsch ist berühmt für ihren Witz und ihre gleichzeitige Melancholie. Und das nicht ohne Grund. Denn wer einmal von Stalins Propagandamaschine als „Feind“ gebrandmarkt wurde, wusste, wie sich Todesangst anhört. Seine Oper Lady Macbeth von Mzensk wurde erst gefeiert, dann in der einer sowjetischen Tageszeitung Prawda runtergezogen. „Chaos statt Musik“, hieß es da. Eine Warnung, die auch eine Todesdrohung hätte sein können. Danach soll Schostakowitsch jahrelang mit gepacktem Koffer neben der Tür geschlafen haben – für den Fall, dass der KGB nachts klopft. 

Schostakowitsch hörte aber nicht auf, zu komponieren und war ein Meister darin, aus dieser Lebenslage Musik zu machen. Dabei war er nicht nur ein brillanter Orchestrierer, sondern auch ein Mensch mit einem fast liebevollen Hang zur Pedanterie, quasi als Gegenentwurf zu seinen Lebenserfahrungen im Krieg. Sauberkeit war ihm wichtig. Seine Partituren waren so akkurat wie seine Anzüge. In den vielen Notenskizzen seiner Musik findet man keine Spur von Chaos – nur Ordnung, die zwischen den Noten spricht.

Sinfonien, Streichquartette, Konzerte, Opern, Ballette, Kammermusik, diverse Filmmusiken – Schostakowitsch hat ein musikalisches Universum hinterlassen, das bis heute erkundet wird. Seine Musik kann aufwecken, trösten, tanzen, weinen – und manchmal einfach nur da sein. Vielleicht ist das das größte Vermächtnis: Dass er trotz allem weiter komponiert hat. Unaufhörlich.

Ein Code mit Vermächtnis

Mit 13 Jahren am Konservatorium, mit 19 die erste Sinfonie, mit 20 der Durchbruch als Filmmusikkomponist, obwohl er nachts noch als Barpianist arbeitete, um sich das Musikerleben überhaupt finanzieren zu können. Dmitri Schostakowitsch war vieles: Schnell, klug, eigensinnig. Und einer, der sein Revier in der Musik markiert hat: Mit den Tönen D – Es – C – H, seinen klingenden Initialen, die sich wie ein geheimer Fingerabdruck durch viele seiner Werke ziehen. 

Er war eben nicht nur Komponist, sondern auch Beobachter und einer, der zwischen den Zeilen schrieb. Der wusste, wie viel man mit Musik sagen kann – und wie klug man formulieren muss, wenn man will, dass es ankommt und nicht überhört wird. Ein Leben im Subtext – und ein Werk, das bis heute etwas ganz Besonderes für die Musikwelt ist.

Wer noch mehr Musik von Legenden wie Schostakowitsch hören will, sollte in unseren Sender „Legenden der Klassik“ auf Klassik Radio Plus reinhören – mit den größten Komponisten, den besten Orchestern und weltbekannten Solisten:

Valeska Baader / 09.08.2025

Neueste Artikel

„Bach in Space“: Wenn Bachs Musik auf Bilder des Universums trifft
Bach in Space

„Bach in Space“: Wenn Bachs Musik auf Bilder des Universums trifft

Bach und das Weltall – passt das zusammen? Pianistin Mona Asuka zeigt mit ihrem Konzertprojekt „Bach in Space“, wie überraschend gut sich die Musik Johann Sebastian Bachs mit spektakulären Bildern von Galaxien verbinden lässt. Ein Konzert, das das Publikum auf eine Reise zwischen Klang und Kosmos mitnimmt.

Von Renaissance bis Moderne - so klingt der Frühling in der Klassik
Flügel in einem Feld voll Tulpen

Von Renaissance bis Moderne - so klingt der Frühling in der Klassik

Der Frühling gehört zu den beliebtesten Motiven der Musikgeschichte. Doch jede Epoche nähert sich ihm auf ihre eigene Weise: In der Renaissance werden Vogelrufe zu Melodien, im Barock wird die Natur in Klang nachgeahmt, die Romantik verwandelt den Frühling in ein Gefühl, und in der Moderne wird er zur archaischen Kraft. Ein Blick darauf, wie sich das Erwachen der Natur durch die Jahrhunderte in der Musik widerspiegelt.

Spektakulärer Fund: 149 Werke von Antonio Salieri aufgetaucht
Salieri-Fund

Spektakulärer Fund: 149 Werke von Antonio Salieri aufgetaucht

Vier kleine, in rotes Leder gebundene Notenbände galten jahrzehntelang als verschollen. Jetzt sind sie wieder aufgetaucht: Die Sammlung mit 149 Vokalwerken eröffnet einen überraschend persönlichen Blick auf Antonio Salieri - als spontanen Komponisten, geselligen Humoristen und sensiblen Zeitzeugen seiner Epoche. Ein spektakulärer Fund, der das Bild des lange missverstandenen Mozart-Rivalen neu zeichnet.

Klassik Radio - Deutschland nationalKlassik Radio - Deutschland national