Komponist entwickelt CD für Demenzkranke

Heilende Wirkung der Musik: Komponist entwickelt CD für Demenzkranke

Ein wirksames Medikament ohne Nebenwirkungen - das kann Musik sein! So hat Komponist und Musiker Herry Schmitt nun eine CD für Demenzkranke entwickelt.

Seniorin mit Kopfhörern genießt MusikFoto: ©[jd-photodesign]/stock.adobe.com

Auftrag von Gesundheitsministerin

Die Gesundheitsministerin des Saarlandes, Monika Bachmann, kam mit der Idee und der Auftrag auf ihn zu: "Da war ich natürlich zunächst unglaublich froh, dass sie mich für kompetent erachtete, diese Thema anzugehen, da ich mich mit dem Thema "Musik & Gesundheit" schon lange beschäftige, erklärt Herry Schmitt.

Besondere Anforderungen

Doch worauf muss man beim Arrangieren und Komponieren einer solchen CD achten? Zum einen sei es unerlässlich, mit einer kompetenten, medizinischen Fakultät zu arbeiten, erläutert Herry Schmitt. "Das Komponieren beschränkte sich dabei eigentlich auf ein sinnvolles Programm, das die Menschen wahrnehmen: zum einen Lieder zum mitsingen, zum anderen einen Bereich "Musikerlebnis und Erinnerung" und wir konnten den Wunsch beobachten, zu einer bestimmten Musik, gerne tanzen zu wollen".

Seelentraining für das Gehirn

Auf Letzteres zielt die CD unter anderem auch ab, erklärt der Komponist: "Ich zitiere gerne dabei Dr. Hans Thomas Eder (Der Neurologe und Spezialist für Demenz-Therapie des Projekts), der sagt 'Musik stimuliert durch Bewegung die Gehirnaktivität und kann Erinnerungen wecken, Takt und Nähe beim Tanzen sind Seelentraining für das Gehirn. Liedtexte aktivieren das limbische System und können Körperfunktionen wie z.B. das Schlucken wieder in Gang setzen."

Bachs "Air" findet sich auch auf der CD. Hier in der klassischen Form:

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Vom Kinderlied bis zur Klassik

Und was findet sich nun auf der CD? "Es hat sich gezeigt, dass Schlager, Volks-und Kinderlieder eine ganz große Rolle spielen können. Aber auch klassische Themen, wie z.B. das "Air" von Bach oder "Jesus, bleibet meine Freude", in einer speziellen Bearbeitung."

Klassik sorgt für überraschende Reaktionen

Dabei kommt klassische Musik sehr gut an: "Bei einer Testphase hier, in einem Demenzzentrum im Saarland, spielten wir von Johann Sebastian Bach: "Jesus bleibet meine Freude" in einer kleinen Besetzung und Bearbeitung für Klavier und Gitarre. Ein Patient, der uns bis dahin wenig Beachtung geschenkt hatte, drehte sich auf einmal zu seinem Nachbarn um und meinte: 'Hör mal, die spielen Bach!".

Sorgte für überraschende Reaktion: "Jesus bleibet meine Freude"

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Aufwendige Arbeit

Das Zusammenstellen dieser besonderen CD brachte dabei mehr Arbeit als gewöhnlich mit sich. "Die Kreation dieser CD war wirklich kein leichtes Spiel: man musste probieren, beobachten, analysieren und versuchen, daraus einen Konsens zu bilden. DAs Handwerk des Komponierens beherrsche ich ja, das war eigentlich kein Problem, eher die feststellbaren Reaktionen mit ins Spiel zu bringen", so Schmitt.

Rührendes Feedback

Doch die Arbeit hat sich gelohnt - die CD kommt sehr gut an. Besonders freut Herry Schmitt dabei natürlich persönliches Feedback: "Das berührt mich besonders. Meist kommt es von den Kindern der Betroffenen und da gibt es schon rührende Szenen, wenn die erzählen: 'Die Mama hat mitgesungen' oder sogar 'sie hat uns wiedererkannt, sie hat gewusst, wer ich bin."

Musik überwindet eben einfach alle Grenzen - auch gesundheitliche.

(K.Jäger/20.01.22)

Die CD kann man übrigens online kostenlos anhören oder herunterladen - auf der Seite des "Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie" des Saarlandes.

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