Mit Laufschuhen auf die Bühne: Wiener Symphoniker treten mit Marathonläufern auf

Mit Laufschuhen auf die Bühne: Wiener Symphoniker treten mit Marathonläufern auf

Erst ein Auftritt im Musikverein, dann 42,195 Kilometer durch Wien: Beim Marathonkonzert der Wiener Symphoniker verschwimmen die Grenzen zwischen Konzertsaal und Laufstrecke – denn auf der Bühne sitzen nicht nur die Profis, sondern auch die Läufer selbst.

Wiener Symphoniker x MarathonFoto: Lukas Beck

Der Vienna City Marathon gehört zu den größten Sportveranstaltungen Europas. Tausende reisen jedes Jahr nach Wien, nur, um die 42,195 Kilometer durch die Stadt zu laufen und Teil dieses besonderen Wochenendes zu sein. Was viele nicht wissen: Für einige beginnt der Marathon in diesem Jahr schon einen Tag früher. Allerdings nicht auf der Laufstrecke, sondern auf der Bühne – im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins, mitten im Orchester.

Für Intendant Jan Nast der Wiener Symphoniker ist das Projekt Teil eines größeren Ansatzes. Das Orchester suche immer wieder gezielt nach „Orten und Menschen, die man vielleicht nicht sofort mit klassischer Musik verbindet“, erklärt er im Interview mit Klassik Radio Redakteurin Valeska Baader. Der Gedanke dahinter: Klassik raus aus ihrer Komfortzone holen. Dorthin, wo sie nicht automatisch erwartet wird. In diesem Fall: mitten hinein in eines der größten Sportereignisse Europas.


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Läufer werden Musiker

Nachdem es in den vergangenen Jahren bereits Playlists und musikalische Aktionen entlang der Strecke gab, folgt nun ein größeres Projekt: Die Läuferinnen und Läufer selbst werden Teil des Orchesters. Im Vorfeld konnten sie sich nicht nur für eine Startnummer anmelden sondern auch eine Videobewerbungen für einen Platz auf der Bühne einreichen – ein Auswahlprozess, der bewusst offen, aber nicht beliebig gehalten wurde. Die Entscheidung lag bei den Musikern der Wiener Symphoniker, die die Einsendungen sichteten, mit dem Anspruch, „möglichst viele einzubeziehen“, wie Nast im Interview erklärt, aber eben auch mit dem Anspruch, dass es „musikalisch funktionieren muss“. Entstanden ist so ein Orchester, das in dieser Form einzigartig ist: Rund 80 Musikerinnen und Musiker stehen nun am 18. April auf der Bühne, darunter etwa 40 Läuferinnen und Läufer aus insgesamt 13 Nationen – ein Klangkörper, in dem Profis und ambitionierte Amateure nicht nur aufeinandertreffen, sondern sich eben auch musikalisch auf Augenhöhe begegnen.

Ein bewusst populäres Programm

Musikalisch bleibt das Konzert ebenfalls bewusst zugänglich – und folgt damit genau der Idee des gesamten Projekts. Statt eines streng kuratierten Programms setzt man auf Bekanntes, auf Wiedererkennung, auf Werke, die sofort etwas im Publikum auslösen. Für Intendant Jan Nast war von Anfang an klar, dass es „ein sehr populäres Programm“ werden soll – mit Stücken, „die man schon mal gehört hat“, die gleichzeitig eine Verbindung zu Wien und sogar zum Sport herstellen können. Entstanden ist so ein musikalischer Streifzug durch bekannte Klassiker von Mozart über Brahms bis Schubert, der genau jene beschwingte Atmosphäre einfängt, die auch das Marathonwochenende prägt.

Am Ende geht es um mehr als ein Konzert. Nicht um Perfektion. Nicht um das perfekte Zusammenspiel. Sondern um etwas, das man schwer greifen kann, aber sofort spürt, wenn es passiert. „Es ist ein Erlebnis, das man wirklich nicht vergisst“, sagt Nast. Vielleicht, weil hier etwas zusammenkommt, das sonst getrennt ist. Weil Menschen sich begegnen, die sich sonst nie getroffen hätten. Und weil man vielleicht auch merkt, dass ein Marathon und ein Konzert gar nicht so unterschiedlich sind. Beide brauchen Rhythmus, beide brauchen Ausdauer und beide leben von diesem einen Moment, in dem alles zusammenpasst.

Valeska Baader / 10.04.2026

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